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Gast
Entscheidung: El-Hassan wird "Quarks" nicht moderieren (dwdl.de)
Dazu zwei sehr lesenswerte und wichtige Kommentare.
Der erste aus der Berliner Zeitung von Hanno Hauenstein:
Der Triumph der Bild-Zeitung: Warum Nemi El-Hassan zu Unrecht ihren Job verliert
[...]Noch abwegiger wirkt die inhaltliche Begründung des WDR: Die in den Augen des Senders „problematischen Likes“ beziehen sich auf eine linke jüdische Gruppe, die in ihrer energischen Kritik der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik mit Begriffen, Bildern und Forderungen hantiert, die im deutschen Kontext als problematisch gelten und oft in die Nähe von Antisemitismus gerückt werden – obwohl ihre kritische Diskussion etwa in der israelischen, palästinensischen oder amerikanischen Öffentlichkeit als relativ normal gilt.
Etwa der Begriff der Apartheid, der auf einem der von der Bild-Zeitung hervorgehobenen Jewish-Voice-For-Peace-Posts auftaucht. Ein Begriff, dessen Provokation darin besteht, in der Beschreibung der kaum zu leugnenden ethnischen Gewalt, die das israelische Militär und israelische Siedler auf Palästinenser ausüben, eine Assoziation an das dunkle Kapitel südafrikanischer Geschichte zu wecken. Auch die israelische NGO Btselem – seit dem Frühjahr 2021 auch Human Rights Watch – nutzen den Apartheid-Begriff in ihrer Beurteilung der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik. Im Sommer dieses Jahres organisierte der Meretz-Politiker Yossi Raz eine Konferenz namens „From Occupation to Apartheid“, die apartheidähnliche Zustände in Israel behandelte. Die Konferenz fand in der Knesset statt – im israelischen Parlament.
[...]
Derartige Begriffe werden von einer kritischen Medienöffentlichkeit in Israel, etwa von Journalistinnen der israelischen Tageszeitung Haaretz, ziemlich regelmäßig eingebracht, auch kritisiert oder verteidigt. Ganz unabhängig davon, ob man sie als korrekte Beschreibungen der Situation in Israel und Palästina ansieht oder nicht: Zu sagen, allein ihr Aussprechen – oder, für diesen Kontext, ihr Liken – spreche Israel das Existenzrecht ab oder stelle einen „problematischen“ Kontext dar, der eine Nicht-Anstellung rechtfertigt, ist in sich eine ideologische Behauptung.
Eine spezifisch deutsche Sensibilität
Die deutsche „Sensibilität“ gegenüber Begriffen wie „Apartheid“ oder „Rückkehrrecht“ ist vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und des tatsächlich existierenden israelbezogenen Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft zwar nachvollziehbar. Die unkritische und auch falsche Ineinssetzung dieser Begriffe mit Antisemitismus ist einer ernst gemeinten Bekämpfung des Letzteren aber eher abträglich. Weder wird dies der Realität international geführter Debatten über israelische Politik gerecht, noch hilft es, die diskursive Schärfe des Antisemitismus-Begriffs aufrechtzuerhalten, der in Deutschland inzwischen zunehmend einer konsequenzlosen Worthülse gleicht.[...]
Auch wenn ich jetzt einige Absätze herausstelle sollte man unbedingt den ganzen Kommentar lesen!
Der zweite Kommentar stammt aus dem amerikanisch-jüdischen "Forward" (und ist auch mehr nüchterner Artikel als Kommentar):
A journalist exposed Nazis - Then lost her dream job over Israel
[...]A right-wing YouTube user resurfaced photos of her at a 2014 Al-Quds March, an annual event to support Palestinians and lambast Israel that was originated by Iran in 1979. Many in Germany consider it an antisemitic hotbed.
El-Hassan, 28, has apologized, but her future in journalism is now uncertain. And her case has others made other pro-Palestinian activists in Germany — many of them Jewish — fearful. They see a growing tendency to brand criticism of Israel as antisemitic, a uniquely potent accusation in a country still traumatized by its Nazi history.
Local Antifa groups, known in the United States for strident far-left politics, are ardent Zionists in Germany and liberal college students who are not Jewish often turn out at marches in blue and white to aggressively clash with pro-Palestinian demonstrators. Germany’s parliament has gone further than most American pro-Israel groups to condemn boycotts against Israel.
“Any kind of advocacy for Palestine, or solidarity for Palestine, is considered antisemitic at this point,” said Emily Dische-Becker, a Jewish filmmaker based in Berlin. “There is a projection onto Palestinians as the new Nazis and it’s just assumed that everything they do is motivated by Jew hatred.”
[...]
Branding Palestinian advocacy as antisemitic has also placed left-wing Jews in Germany in a bind. Jewish Klezmer musician Nirit Sommerfeld has found it difficult to book German venues and receive public subsidies without attesting that she won’t say anything antisemitic at her performances, where she sings about Kristallnacht and Hanukkah. And Peter Ullrich, a sociologist with the Centre for Research on Antisemitism at the Technical University of Berlin, recounted the case of a group of Israeli artists who were barred from hosting a show about the Israeli occupation of the West Bank at a Berlin gallery.
Ullrich said that in order to maintain the position that supporting Israel is an appropriate way to atone for the Holocaust, German society must take a hard line against anti-Zionist Jews, whose activism undermines that belief. The irony, said Ullrich, is that it is easy to view the attempt by German authorities to crackdown on leftist Jews as its own form of antisemitism.
“This is really a strange turn,” Ullrich said. “They are sorting between good and bad Jews.”
Ich habe die Geschichte mit Interesse verfolgt und diese Farce ist eigentlich kaum noch überbieten. In völliger Abkehr von den eigentlich wichtigen und richtigen Prinzipien zeigt man Gehorsam auf Grund fragwürdiger Berichterstattung und einer rechtsradikalen "Menschenjagd", die m. E. durch genau dieses richtige und auch antirassistische Auftreten von ihr verursacht wurde - völlig absurd.
Auch wenn es vielleicht nicht den Anschein erweckt, aber dieses Thema ist genau hier und in diesem Thread bestens aufgehoben, denn es veranschaulicht eindrucksvoll die Bankrotterklärung des seriösen Journalismus.




