Naja, ich würde da nur ungerne auf einer individuellen Ebene argumentieren wollen.
Zum einen, weil es dann tatsächlich nur um individuelle Empfindlichkeiten geht und es den einen stört und die andere eben nicht.
Zum anderen, weil man damit unwillentlich stereotype Klischees zu reproduzieren droht, wie es bspw.
@el_barto mit seinem Beispiel gemacht hat.
Dabei geht es ja gerade nicht darum aus einer paternalistischen Position heraus dem armen, diskriminierten Individuum zu helfen - und damit letztendlich etablierte, rassistische Machtgefälle nicht zu brechen, sondern zu festigen.
Vielmehr muss es darum gehen diskriminierende
Strukturen zu zerbrechen, die dafür sorgen dass wir als Individuen unterschiedlich unter Diskriminierungsformen leiden.
Und unter diesen Gesichtspunkten ist es - unabhängig von individuellen Empfindlichkeiten - eine total legitime Kritik an einem Schokoladenkeks, der sich Afrika nennt. Alleine die Reaktion von Bahlsen zeigt ja deutlich auf, dass man für dieses Thema eben nicht sensibilisiert ist und sich bislang nicht kritisch mit dieser Namensgebung auseinandergesetzt hat.
Denn wenn sie jetzt sagen: der heißt seit 60 Jahren so, da hat sich bislang niemand wirklich dran gestört, wir sind überrascht davon, dass das jetzt zum Thema wird. Dann kann ich darauf mit meinem postkolonial-kritischen Blick nur sagen: vor 60 Jahren war quasi noch der halbe afrikanische Kontinent in Kolonialen Verhältnissen und nicht von seinen Kolonialmächten unabhängig. Bis vor 30 Jahren (!) gab es mit der Apartheit ein staatlich institutionalisiertes rassistisches Gesellschaftssystem in eben diesem namensgebenden "Afrika". Es ist also eine weniger kluge Antwort auf die Namenskritik wenn man argumentiert, dass man das Produkt zu einer Zeit so benannt hat, in der Rassismus und Kolonialismus noch nicht ansatzweise überwunden waren und damit erkennen lässt, dass man es in der bis dato verstrichenen Zeit nicht für notwendig hielt, über die Namensgebung kritisch nachzudenken.
Denn allein darum geht es: Das Produkt scheint mit seinem Namen schlicht aus der Zeit gefallen. Daran stören sich einige, andere vielleicht weniger. Aber in einer progressiven Gesellschaft, die - ja, lieber Cale - auch durch akademinische Diskurse bestimmten Dingen gegenüber kritischer geworden ist, muss man sich dann eben dafür rechtfertigen.
Und dann kann man sich auf die Seite der Ewiggestrigen stellen und auf sturr schalten und sich darauf berufen, dass der Name nunmal Tradition hat.
Oder man reflektiert sich selbst und ändert nach dieser Reflexion auch möglicherweise etwas - und muss dann eben damit leben, dass das von bestimmten Leuten als "einknicken" wahrgenommen wird.