Über Dante's Infernos Unreife, den exzessiven Umgang mit Geschlechtsteilen aller Art und die Verwurstung klassischer Literatur in ein Gewaltspiel habe ich mich schon andernorts ausgelassen. Ferner drängen sich beim Spiel Vergleiche und Wortspiele mit der Hölle geradezu auf (Fahr zur Hölle, höllisch gut etc.). Und auch das leidige Thema des God of War Klons kann man nicht ganz verschweigen. Nun, auf den Titten will ich nicht länger rumreiten (no pun intended), die Wortspiele verkneife ich mir, wo es geht, aber das God of War Thema will ich einmal zu Beginn abhandeln, um es dann ad acta legen zu können.
Hell-o...
In Dante's Inferno steuert ihr einen Mann, der Ärger mit den Göttern bzw. seinem Gegenspieler hat, was dessen Frau das Leben gekostet hat. Dabei beginnt das Spiel mit dem Tod (?) des Hauptcharakters. Aus der ThirdPerson Sicht bewegt ihr Dante durch furiose Level mit dem linken Stick in fixen Kameraeinstellungen, wobei der rechte Stick frei ist für Ausweichmanöver. Ausgestattet seid ihr mit einer eher ungewöhnlichen Primärwaffe. Ihr habt zwei Tasten für eine leichte und eine starke Attacke, wobei die starke beim Gedrückthalten Gegner UND Charakter in die Luft befördern für eine Aerial-Kombo. Während der Kämpfe gibt es einen Kombozähler am linken Bildschirmrand. Ihr habt eine Healthbar, eine Magieleiste, die ihr per Modifizierungsknopf betätigen könnt und einen weiteren Modifizierungsknopf für eure Combos. Ihr habt eine Taste für Würfe und einen Doppelsprung. Viele Rätsel erfordern das Verschieben von Kisten und Statuen oder das Betätigen von Schaltern. Gegner hinterlassen Orbs, die als Währung dienen für das Aufrüsten von Waffen und Moves. An diversen Stellen klettert ihr an Wänden entlang oder ihr schwingt mit eurer Waffe über Abgründe. Es gibt übergroße Gegner, die als Reittier benutzt werden können. Um seine Bosse und viele der nicht ganz kleinen Gegner zu besiegen, bedient sich das Spiel an QuickTimeEvents. Türen werden durch R1 geöffnet. Nicht zuletzt gibt es einen Rage of the Titan Modus, zu aktivieren durch Drücken beider Trigger gleichzeitig.
Lasst uns das klar stellen: Nicht jedes Action-Adventure ist ein God of War Klon. Elemente wie der Doppelsprung und Orbs gibt es auch in anderen Spielen. ABER: Dante's Inferno nimmt nicht Elemente aus mehreren Spielen, es nimmt ALLE Elemente aus einem einzigen Spiel. WENN es also irgendein Spiel verdient, als God of War Klon bezeichnet zu werden, dann ist es Dante's Inferno. Und es besteht auch noch ein Unterschied, ob ich einen ThirdPersonCoverShooter, was im Grunde mittlerweile ein eigenes Genre ist, als Gears of War Klon bezeichne oder alle Open World Spiele als GTA Klon, was mittlerweile auch nicht mehr aktuell ist, oder ob ich eine 1:1 Kopie eines anderen Spieles als eben diese vorführe.
Aber lasst uns noch eines klar stellen: All das ist zunächst noch keine Bewertung, sondern lediglich Feststellung. Über die Qualität des Spiels sagt all das noch nichts aus.
Unser heutiger Act: Dante! Applausapplausapplaus!
Das Original heißt Divine Comedy, aber so wie im Anfang von Dante's Inferno war das sicherlich nicht gemeint. Das Spiel beginnt ungeheuer unfreiwillig komisch. Dante selbst ist unser Held, der sich in den Kreuzzügen verdient hat. Nachdem er ein Dutzend Männer im Alleingang mit seiner Lanze massakriert hat, erwischt ihn eine einzelne Nase mit einem Messer im Rücken und der Tod will ihn mitnehmen und für seine Taten während der Kreuzzüge bestrafen. Dante, völlig geschockt, dass das Plündern von Dörfern und Töten tausender unschuldiger Menschen nicht mit einer Medaille geehrt wird, stammelt sich erst einen zurecht, zieht sich dann das Messer raus und fordert den Tod persönlich zum Duell. Woher Dante die Macht hat, sich einfach dem Sterben zu verweigern und wieso der Tod ihn nicht mit dem kleinen Finger umpustet, ist fraglich, aber schlussendlich schnappt sich Dante die Sense des nach ihr benannten Mannes und vernichtet den erbärmlich um Gnade wimmernden Kapuzenmann mit eben dieser. Anschließend näht er sich ein Stoffkreuz auf seine Brust, wobei er etwas macht, womit er sich zur dämlichsten Grimasse des Jahres bewerben kann und reitet dann in dem Aufzug nach Hause zu Frauchen Beatrice.
"Hi, Schatz, bin zu Hause, wie gefällt dir mein neues Kreuz? Du brauchst es nicht mal waschen, ich wasch es immer im Fluss mit. Ein paar Kräuter gegen die Infektion wären allerdings gut. Oh das, das ist die Sense des Todes. Ich hab ihn umgebracht, da braucht er sie wohl nicht mehr und ich fand sie stylisch. Was gibt's zu essen?"
BE A TRICE!!!!!!!!!!!
Fast während des gesamten Spiels bleibt Dante eine Witzfigur. Mit grimmigem Blick und seltsam animierten Zähnen brüllt er die ganze Hölle zusammen nach seinem Frauchen während sich die Herrscher des Totenreiches (völlig zurecht) über den Kerl, und man verzeihe mir den Ausdruck, totlachen. Erst in der letzten Cutszene erhält Dante ein wenig mehr eigene Persönlichkeit und Stärke. Vielleicht hätte es auch schon geholfen, den dämlichen Kettenhelm abzulegen. Das Spiel endet mit einem "to be continued", aber die eigentliche Story ist soweit abgeschlossen, endet also nicht in der Mitte der Geschichte. Rückblenden aus Dantes Leben werden mit Hilfe von 2D Zeichentricksequenzen erzählt, die mit ihren verrückten Übergängen fast schon an Monty Python erinnern.
Beatrice ist nicht viel besser. Ein kleines Flittchen, das keine Gelegenheit auslässt, ihre Möpse zu zeigen und ansonsten permanent um Rettung heult. Bei solchen Witzfiguren fällt es sehr schwer, sich auch nur ansatzweise für das Schicksal der beiden zu interessieren. Und den Namen Beatrice will ich im ganzen Leben nie wieder hören.
Wähle die Waffe: Kreuz oder Sense!
Die grundlegende Steuerung dürfte bekannt sein, aber wenigstens funktioniert sie absolut tadellos. Dante hat zwei Waffen, einmal die bekannte Sense und dann das heilige Kreuz seiner Frau. Natürlich macht das Kreuz in Sachen Coolness keinen Stich gegen die Sense des Todes, aber spätestens ab der zweiten Hälfte des Spiels werdet ihr das Kreuz schätzen lernen. Es ist stark, hat eine immense Reichweite und einige extrem hilfreiche Moves, ohne die es später kaum noch voran geht. Die drei Angriffsmanöver reagieren prompt. Gleichzeitig kann Dante zu jeder Zeit seinen Angriff canceln und in den Block übergehen oder ein Ausweichmanöver starten. Konterangriffe gehören ebenfalls zu seinem Repertoire. Etwas überpowert ist allerdings sein Wurf. Selbst als ungeübter Spieler ist es ein Leichtes, Gegner bis zu 20, 30 Sekunden lang in der Luft zu halten und von einer Seite auf die andere zu werfen. Schwächere Gegner können mit dem Wurf in einer Aktion getötet werden. Man kann es schon fast als einen exploit bezeichnen, nicht zuletzt deswegen, weil Dante während der gesamten Wurfanimation vollkommen unverwundbar ist. Kommen dann mal Gegner, bei denen die Taktik nicht funktioniert, was außer Bosse nur eine kleine Handvoll Feinde sind, merkt man erst wie schwer und langwierig die Kämpfe ansonsten sein können.
Danke des übersichtlichen Upgradebaumes ist es auch leicht, neue Moves zu kaufen, sodass man immer für spätere Gegner gewappnet ist. Das Spiel ist großzügig genug mit den Seelen, dass ihr Dante in regelmäßigen Abständen stärken könnt, was ein gutes Gefühl des konstanten Wachsens gibt. Besonders hilfreich sind diverse Relikte, von denen ihr später bis zu vier Stücke ausrüsten könnt. Die Kombination des Rüstungszaubers, der Dantes Gesundheit auffüllt und gleichzeitig ein paar Sekunden Unverwundbarkeit bringt mit dem Relikt, das Dantes Magieleiste konstant wieder auffüllt, ist beinahe Overkill und reduziert den Schwierigkeitsgrad auf irgend etwas kurz vor der Null. Selbst der Endboss hat gegen diese Kombination keine Chance.
Ich spreche dich hiermit unheilig!
Die verschiedenen Stufen des Upgradebaumes müssen allerdings freigeschaltet werden. Je nachdem, ob ihr Gegner bestraft oder erlöst, sammelt ihr heilige oder unheilige Punkte. Ab bestimmten Stufen werden neue Fertigkeiten erhältlich, wobei die unheiligen die Sense betreffen und die heiligen das Kreuz. Es verlockt zwar, sich zu spezialisieren, das wird vom Spiel aber nicht belohnt. Ausgeglichenheit bringt in Dante's Inferno viel mehr.
Von der Konstruktion her könnte Dante nicht linearer sein. Räume werden getrennt durch Korridore, an Schlüsselstellen müssen Lianen oder Plattformen überwinden werden, um zum nächsten Bereich zu kommen, ganz vereinzelt gibt es ein Schieberätsel oder eine kleine, nette Falle, oft gestört von Feinden und so geht es in einem Durch bis zum Schluss, der dann auch noch mit Challenges auf den Spieler wartet, die noch unlogischer sind als die diversen Schalterrätsel. (Ernsthaft, was haben Schalter in der Hölle zu suchen?)
Rätsel sind praktisch nie der Rede wert und auch die Plattformsektionen sind nicht besonders schwer, wenn man die Steuerung verinnerlicht hat. Insgesamt stehen vier Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, von denen der höchste aber gesperrt ist. Standardmäßig ist zealot ausgewählt, was man wohl mit medium übersetzen müsste und während die Fights anfangs fordern, so lächerlich wirken die Feinde gegen einen halbwegs aufgelevelten Dante. Das muss man ihm lassen, so dämlich er sich in den Cutszenes gibt, so badass ist er im Kampf.
Ich dachte, du wärst größer.
Enttäuschend sind allerdings die Bosskämpfe, die oft nur gegen gleich große Gegner mit überlanger Healthbar statt finden. Ich hatte ja gehofft, am Ende jedes Zirkels gegen eine personifizierte Version des jeweiligen Themas antreten zu können und ihn auf bestialische Weise zu bezwingen. Die ersten beiden Bosse im Spiel deuten auch haargenau das an, das Spiel aber hält dieses Niveau nicht.
Dante ist linear und streng nach Schema GoW aufgebaut, allerdings zu Teilen ZU streng. Die Entwickler haben GoW komplett übernommen, nicht nur die Stärken, sondern auch die Schwächen. Und mal ehrlich, so gut das erste God of War auch ist, aber nervige Stellen hatte es zu genüge. Angefangen mit den Sirenen im Sandsturm, die man nie finden konnte, über den Raum mit den Stacheln aus dem Boden, in dem man in einem extrem knappen Zeitlimit eine Kiste um eine Ecke hieven musste, den gesamten Hadeslevel bis hin natürlich zum Kampf gegen Ares, der mit Sicherheit auch keinen Designpreis gewinnen wird. Viele Stellen in Dante's Inferno erinnern an die Fallen aus GoW und vor allem sinkende Plattformen und wehende Winde auf einem kleinen Plateau umgeben von angreifenden Feinden sind extrem nervig.
Mit nur guten sieben Stunden auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist Dante außerdem recht kurz geraten und davon müsste man eigentlich noch einiges abziehen, denn das Spiel liebt es, den Spieler einfach mal mehrere Minuten lang an ein und derselben Stelle festzuhalten, bis auch die letzte Welle Gegner endlich besiegt ist. Ein neuer Durchgang mit dem hochgepowerten Dante ist einladend, aber das bot ein God of War bei deutlich längerer Spielzeit ebenfalls.
Bitte wechseln Sie die Memory Card!
Gespeichert wird übrigens nur an Statuen, obwohl das Spiel zwischen zwei Speicherpunkten faire Rücksetzpunkte hat. Warum dieses Old-School-Memory-Card System? Wahrscheinlich, weil God of War es hatte. Kurios: Nach einem Ableben füllt das Spiel Dantes Gesundheit nicht wieder auf. Erst nach drei, vier Toden und Neustarts gibt das Spiel etwas Gesundheit zurück. Weitere Designpatzer beinhalten das Triggern der Kreistaste bei jedem Gesundheits- oder Mana-Brunnen im Spiel. Es gibt sogar ein Relikt, das diese Prozedur überflüssig macht, was nur zeigt, dass den Entwicklern klar gewesen sein muss, wie sehr das nervt.
Grafisch beeindruckt Dante in erster Linie durch sein Design. Denkt euch den Hadeslevel aus GoW auf sieben Stunden ausgedehnt vor. Noch mal drüber nachgedacht, lasst es lieber sein! Das Design ist so ekelhaft und Angst einflößend, dass man wirklich das Gefühl bekommt, man sei am denkbar schlimmsten Ort, den man sich vorstellen kann. Dabei wird eine der größten Aufgabe für die Designer gewesen sein, nicht, wie Ellie Gibson auf eurogamer.net meint, am Ende nur einen einzigen, übergroßen Lavalevel zu gestalten. Tatsächlich ist das Spiel optisch homogen, aber abwechslungsreich und jedes der Themen hat seinen eigenen Stil inklusive Farbgebung und Gegnern. Sogar ein kurzer Eisabschnitt findet sich im Spiel. Whoda thought?
Rein technisch zeigt das Spiel in Zwischensequenzen einen überraschend hohen Detailgrad inkl. dem Flaum an Beatrices Kinn, aber ingame hat man das meiste schon gesehen und vor allem das Feuer enttäuscht etwas. Die Monster hätten teilweise auch gerne größer ausfallen dürfen und vor allem gibt es nur etwa vier verschiedene Typen, die dann in Varianten auftreten. Vier ist über die Dauer des Spiels etwas wenig. Allerdings streamt das Spiel nach einer einmaligen (kurzen) Ladezeit zu Beginn ohne Ruckler, Tearing und weitere Ladezeiten bis zum Schluss durch, kommt dabei ohne Installation aus. Vielleicht sollte SEGA mal einen Spion rüber schicken, um zu sehen, wie man die PS 3 programmiert.
Für die Ohren gibt es neben viel Gejaule und Gejammer vor allem von Seiten der Synchronsprecher was aufs Dach. Dante ist kaum erträglich. Wahrscheinlich stand im Skript vor jedem seiner Sätze in Klammern: angry! Erst in der letzten Cutszene zeigt sich, dass der Mann offenbar auch anders (aka besser) kann, aber: Too little, too late. Besser ist im Vergleich Lucifer als Gegenspieler. Gute Nachrichten: Die AT Fassung bietet im Gegensatz zu Dead Space vom gleichen Entwickler eine deutsche Synchronisation und das englische Original auf einer Disc. Anekdote am Rande: Spiel und Anleitung sind sich nicht über die Schreibweise von Virgil einig.
Höllisch gu... ach, verdammt!
Dante's Inferno überrascht. Dass eine derartig dreiste Kopie eines Erfolgstitels nach einer solch schwachen Demo ein so überzeugendes Endprodukt wird, hätte ich nicht gedacht. Schlussendlich bietet Dante etliche starke Punkte, setzt aber fast jedem selber wieder etwas entgegen. Das Kampfsystem ist erstklassig und bietet zwei außergewöhnliche Waffen mit vielen, individuellen Upgrademöglichkeiten, lässt aber in 90% aller Fälle durch Dante's Wurf regelrechte Unverwundbarkeits-Loops zu, die weder spielerisch anspruchsvoll sind noch auf Dauer interessant aussehen. Die Grafik ist stilistisch astrein, verschenkt aber Potential bei den Kreaturen der Hölle. Zu Beginn kann das Spiel etwas zu schwer sein, spätere Upgrades kommen aber einem Godmode unheimlich nahe. Die Story ist düster und schaurig mit einem kräftigem Schuss Tragik, wird aber verschwendet an einen Hauptcharakter, dessen erzwungenes Brüllen so unfreiwillig komisch ist, dass es die gesamte Atmosphäre zunichte machen kann.
Rein objektiv betrachtet hat man wohl schon besseres gesehen und wenn es um geklautes God of War Gameplay geht, ist mir Heavenly Sword immer noch lieber. Dante bedient sich einiger billiger Tricks, um das zu kurze Abenteuer etwas zu strecken und endet mit einem Verweis auf den Nachfolger. Aber hey, genug gemeckert. Das Spiel hat einen gewissen, wenn auch trashigen Charme, spielt sich astrein und die Kämpfe machen einfach tierisch Spaß. Selbst die Plattformsegmente gehen locker und flüssig von der Hand. Mit Knochensense und heiligem Kreuz Jagd auf die Kreaturen der Hölle zu machen hat einen Reiz, dem man sich schwer entziehen kann und handwerklich solide gemacht ist es allemal. Ja, es ist eine nahezu vollständige Kopie eines besseren Spiels. Aber eine gelungene Kopie eines grandiosen Spiels ist im Ergebnis immer noch ein sehr gutes Spiel und das ist Dante auf jeden Fall.
Kurioserweise haben Dante und das nach ihm benannte Spiel ein gemeinsames Problem: Sie haben sich mit einem übermächtigen Gegner angelegt und bekommen dafür die Quittung. Dante, der Charakter, völlig zu Recht. Dante, das Spiel, hingegen, ist deutlich besser als die ganzen angepissten God of War Fans in ihren professionellen Reviews wahr haben wollen. Daher mein Rat an alle und den wollte ich immer schon mal los werden:
Fahrt zur Hölle! Und viel Spaß dabei.
Hell-o...
In Dante's Inferno steuert ihr einen Mann, der Ärger mit den Göttern bzw. seinem Gegenspieler hat, was dessen Frau das Leben gekostet hat. Dabei beginnt das Spiel mit dem Tod (?) des Hauptcharakters. Aus der ThirdPerson Sicht bewegt ihr Dante durch furiose Level mit dem linken Stick in fixen Kameraeinstellungen, wobei der rechte Stick frei ist für Ausweichmanöver. Ausgestattet seid ihr mit einer eher ungewöhnlichen Primärwaffe. Ihr habt zwei Tasten für eine leichte und eine starke Attacke, wobei die starke beim Gedrückthalten Gegner UND Charakter in die Luft befördern für eine Aerial-Kombo. Während der Kämpfe gibt es einen Kombozähler am linken Bildschirmrand. Ihr habt eine Healthbar, eine Magieleiste, die ihr per Modifizierungsknopf betätigen könnt und einen weiteren Modifizierungsknopf für eure Combos. Ihr habt eine Taste für Würfe und einen Doppelsprung. Viele Rätsel erfordern das Verschieben von Kisten und Statuen oder das Betätigen von Schaltern. Gegner hinterlassen Orbs, die als Währung dienen für das Aufrüsten von Waffen und Moves. An diversen Stellen klettert ihr an Wänden entlang oder ihr schwingt mit eurer Waffe über Abgründe. Es gibt übergroße Gegner, die als Reittier benutzt werden können. Um seine Bosse und viele der nicht ganz kleinen Gegner zu besiegen, bedient sich das Spiel an QuickTimeEvents. Türen werden durch R1 geöffnet. Nicht zuletzt gibt es einen Rage of the Titan Modus, zu aktivieren durch Drücken beider Trigger gleichzeitig.
Lasst uns das klar stellen: Nicht jedes Action-Adventure ist ein God of War Klon. Elemente wie der Doppelsprung und Orbs gibt es auch in anderen Spielen. ABER: Dante's Inferno nimmt nicht Elemente aus mehreren Spielen, es nimmt ALLE Elemente aus einem einzigen Spiel. WENN es also irgendein Spiel verdient, als God of War Klon bezeichnet zu werden, dann ist es Dante's Inferno. Und es besteht auch noch ein Unterschied, ob ich einen ThirdPersonCoverShooter, was im Grunde mittlerweile ein eigenes Genre ist, als Gears of War Klon bezeichne oder alle Open World Spiele als GTA Klon, was mittlerweile auch nicht mehr aktuell ist, oder ob ich eine 1:1 Kopie eines anderen Spieles als eben diese vorführe.
Aber lasst uns noch eines klar stellen: All das ist zunächst noch keine Bewertung, sondern lediglich Feststellung. Über die Qualität des Spiels sagt all das noch nichts aus.
Unser heutiger Act: Dante! Applausapplausapplaus!
Das Original heißt Divine Comedy, aber so wie im Anfang von Dante's Inferno war das sicherlich nicht gemeint. Das Spiel beginnt ungeheuer unfreiwillig komisch. Dante selbst ist unser Held, der sich in den Kreuzzügen verdient hat. Nachdem er ein Dutzend Männer im Alleingang mit seiner Lanze massakriert hat, erwischt ihn eine einzelne Nase mit einem Messer im Rücken und der Tod will ihn mitnehmen und für seine Taten während der Kreuzzüge bestrafen. Dante, völlig geschockt, dass das Plündern von Dörfern und Töten tausender unschuldiger Menschen nicht mit einer Medaille geehrt wird, stammelt sich erst einen zurecht, zieht sich dann das Messer raus und fordert den Tod persönlich zum Duell. Woher Dante die Macht hat, sich einfach dem Sterben zu verweigern und wieso der Tod ihn nicht mit dem kleinen Finger umpustet, ist fraglich, aber schlussendlich schnappt sich Dante die Sense des nach ihr benannten Mannes und vernichtet den erbärmlich um Gnade wimmernden Kapuzenmann mit eben dieser. Anschließend näht er sich ein Stoffkreuz auf seine Brust, wobei er etwas macht, womit er sich zur dämlichsten Grimasse des Jahres bewerben kann und reitet dann in dem Aufzug nach Hause zu Frauchen Beatrice.
"Hi, Schatz, bin zu Hause, wie gefällt dir mein neues Kreuz? Du brauchst es nicht mal waschen, ich wasch es immer im Fluss mit. Ein paar Kräuter gegen die Infektion wären allerdings gut. Oh das, das ist die Sense des Todes. Ich hab ihn umgebracht, da braucht er sie wohl nicht mehr und ich fand sie stylisch. Was gibt's zu essen?"
BE A TRICE!!!!!!!!!!!
Fast während des gesamten Spiels bleibt Dante eine Witzfigur. Mit grimmigem Blick und seltsam animierten Zähnen brüllt er die ganze Hölle zusammen nach seinem Frauchen während sich die Herrscher des Totenreiches (völlig zurecht) über den Kerl, und man verzeihe mir den Ausdruck, totlachen. Erst in der letzten Cutszene erhält Dante ein wenig mehr eigene Persönlichkeit und Stärke. Vielleicht hätte es auch schon geholfen, den dämlichen Kettenhelm abzulegen. Das Spiel endet mit einem "to be continued", aber die eigentliche Story ist soweit abgeschlossen, endet also nicht in der Mitte der Geschichte. Rückblenden aus Dantes Leben werden mit Hilfe von 2D Zeichentricksequenzen erzählt, die mit ihren verrückten Übergängen fast schon an Monty Python erinnern.
Beatrice ist nicht viel besser. Ein kleines Flittchen, das keine Gelegenheit auslässt, ihre Möpse zu zeigen und ansonsten permanent um Rettung heult. Bei solchen Witzfiguren fällt es sehr schwer, sich auch nur ansatzweise für das Schicksal der beiden zu interessieren. Und den Namen Beatrice will ich im ganzen Leben nie wieder hören.
Wähle die Waffe: Kreuz oder Sense!
Die grundlegende Steuerung dürfte bekannt sein, aber wenigstens funktioniert sie absolut tadellos. Dante hat zwei Waffen, einmal die bekannte Sense und dann das heilige Kreuz seiner Frau. Natürlich macht das Kreuz in Sachen Coolness keinen Stich gegen die Sense des Todes, aber spätestens ab der zweiten Hälfte des Spiels werdet ihr das Kreuz schätzen lernen. Es ist stark, hat eine immense Reichweite und einige extrem hilfreiche Moves, ohne die es später kaum noch voran geht. Die drei Angriffsmanöver reagieren prompt. Gleichzeitig kann Dante zu jeder Zeit seinen Angriff canceln und in den Block übergehen oder ein Ausweichmanöver starten. Konterangriffe gehören ebenfalls zu seinem Repertoire. Etwas überpowert ist allerdings sein Wurf. Selbst als ungeübter Spieler ist es ein Leichtes, Gegner bis zu 20, 30 Sekunden lang in der Luft zu halten und von einer Seite auf die andere zu werfen. Schwächere Gegner können mit dem Wurf in einer Aktion getötet werden. Man kann es schon fast als einen exploit bezeichnen, nicht zuletzt deswegen, weil Dante während der gesamten Wurfanimation vollkommen unverwundbar ist. Kommen dann mal Gegner, bei denen die Taktik nicht funktioniert, was außer Bosse nur eine kleine Handvoll Feinde sind, merkt man erst wie schwer und langwierig die Kämpfe ansonsten sein können.
Danke des übersichtlichen Upgradebaumes ist es auch leicht, neue Moves zu kaufen, sodass man immer für spätere Gegner gewappnet ist. Das Spiel ist großzügig genug mit den Seelen, dass ihr Dante in regelmäßigen Abständen stärken könnt, was ein gutes Gefühl des konstanten Wachsens gibt. Besonders hilfreich sind diverse Relikte, von denen ihr später bis zu vier Stücke ausrüsten könnt. Die Kombination des Rüstungszaubers, der Dantes Gesundheit auffüllt und gleichzeitig ein paar Sekunden Unverwundbarkeit bringt mit dem Relikt, das Dantes Magieleiste konstant wieder auffüllt, ist beinahe Overkill und reduziert den Schwierigkeitsgrad auf irgend etwas kurz vor der Null. Selbst der Endboss hat gegen diese Kombination keine Chance.
Ich spreche dich hiermit unheilig!
Die verschiedenen Stufen des Upgradebaumes müssen allerdings freigeschaltet werden. Je nachdem, ob ihr Gegner bestraft oder erlöst, sammelt ihr heilige oder unheilige Punkte. Ab bestimmten Stufen werden neue Fertigkeiten erhältlich, wobei die unheiligen die Sense betreffen und die heiligen das Kreuz. Es verlockt zwar, sich zu spezialisieren, das wird vom Spiel aber nicht belohnt. Ausgeglichenheit bringt in Dante's Inferno viel mehr.
Von der Konstruktion her könnte Dante nicht linearer sein. Räume werden getrennt durch Korridore, an Schlüsselstellen müssen Lianen oder Plattformen überwinden werden, um zum nächsten Bereich zu kommen, ganz vereinzelt gibt es ein Schieberätsel oder eine kleine, nette Falle, oft gestört von Feinden und so geht es in einem Durch bis zum Schluss, der dann auch noch mit Challenges auf den Spieler wartet, die noch unlogischer sind als die diversen Schalterrätsel. (Ernsthaft, was haben Schalter in der Hölle zu suchen?)
Rätsel sind praktisch nie der Rede wert und auch die Plattformsektionen sind nicht besonders schwer, wenn man die Steuerung verinnerlicht hat. Insgesamt stehen vier Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, von denen der höchste aber gesperrt ist. Standardmäßig ist zealot ausgewählt, was man wohl mit medium übersetzen müsste und während die Fights anfangs fordern, so lächerlich wirken die Feinde gegen einen halbwegs aufgelevelten Dante. Das muss man ihm lassen, so dämlich er sich in den Cutszenes gibt, so badass ist er im Kampf.
Ich dachte, du wärst größer.
Enttäuschend sind allerdings die Bosskämpfe, die oft nur gegen gleich große Gegner mit überlanger Healthbar statt finden. Ich hatte ja gehofft, am Ende jedes Zirkels gegen eine personifizierte Version des jeweiligen Themas antreten zu können und ihn auf bestialische Weise zu bezwingen. Die ersten beiden Bosse im Spiel deuten auch haargenau das an, das Spiel aber hält dieses Niveau nicht.
Dante ist linear und streng nach Schema GoW aufgebaut, allerdings zu Teilen ZU streng. Die Entwickler haben GoW komplett übernommen, nicht nur die Stärken, sondern auch die Schwächen. Und mal ehrlich, so gut das erste God of War auch ist, aber nervige Stellen hatte es zu genüge. Angefangen mit den Sirenen im Sandsturm, die man nie finden konnte, über den Raum mit den Stacheln aus dem Boden, in dem man in einem extrem knappen Zeitlimit eine Kiste um eine Ecke hieven musste, den gesamten Hadeslevel bis hin natürlich zum Kampf gegen Ares, der mit Sicherheit auch keinen Designpreis gewinnen wird. Viele Stellen in Dante's Inferno erinnern an die Fallen aus GoW und vor allem sinkende Plattformen und wehende Winde auf einem kleinen Plateau umgeben von angreifenden Feinden sind extrem nervig.
Mit nur guten sieben Stunden auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist Dante außerdem recht kurz geraten und davon müsste man eigentlich noch einiges abziehen, denn das Spiel liebt es, den Spieler einfach mal mehrere Minuten lang an ein und derselben Stelle festzuhalten, bis auch die letzte Welle Gegner endlich besiegt ist. Ein neuer Durchgang mit dem hochgepowerten Dante ist einladend, aber das bot ein God of War bei deutlich längerer Spielzeit ebenfalls.
Bitte wechseln Sie die Memory Card!
Gespeichert wird übrigens nur an Statuen, obwohl das Spiel zwischen zwei Speicherpunkten faire Rücksetzpunkte hat. Warum dieses Old-School-Memory-Card System? Wahrscheinlich, weil God of War es hatte. Kurios: Nach einem Ableben füllt das Spiel Dantes Gesundheit nicht wieder auf. Erst nach drei, vier Toden und Neustarts gibt das Spiel etwas Gesundheit zurück. Weitere Designpatzer beinhalten das Triggern der Kreistaste bei jedem Gesundheits- oder Mana-Brunnen im Spiel. Es gibt sogar ein Relikt, das diese Prozedur überflüssig macht, was nur zeigt, dass den Entwicklern klar gewesen sein muss, wie sehr das nervt.
Grafisch beeindruckt Dante in erster Linie durch sein Design. Denkt euch den Hadeslevel aus GoW auf sieben Stunden ausgedehnt vor. Noch mal drüber nachgedacht, lasst es lieber sein! Das Design ist so ekelhaft und Angst einflößend, dass man wirklich das Gefühl bekommt, man sei am denkbar schlimmsten Ort, den man sich vorstellen kann. Dabei wird eine der größten Aufgabe für die Designer gewesen sein, nicht, wie Ellie Gibson auf eurogamer.net meint, am Ende nur einen einzigen, übergroßen Lavalevel zu gestalten. Tatsächlich ist das Spiel optisch homogen, aber abwechslungsreich und jedes der Themen hat seinen eigenen Stil inklusive Farbgebung und Gegnern. Sogar ein kurzer Eisabschnitt findet sich im Spiel. Whoda thought?
Rein technisch zeigt das Spiel in Zwischensequenzen einen überraschend hohen Detailgrad inkl. dem Flaum an Beatrices Kinn, aber ingame hat man das meiste schon gesehen und vor allem das Feuer enttäuscht etwas. Die Monster hätten teilweise auch gerne größer ausfallen dürfen und vor allem gibt es nur etwa vier verschiedene Typen, die dann in Varianten auftreten. Vier ist über die Dauer des Spiels etwas wenig. Allerdings streamt das Spiel nach einer einmaligen (kurzen) Ladezeit zu Beginn ohne Ruckler, Tearing und weitere Ladezeiten bis zum Schluss durch, kommt dabei ohne Installation aus. Vielleicht sollte SEGA mal einen Spion rüber schicken, um zu sehen, wie man die PS 3 programmiert.
Für die Ohren gibt es neben viel Gejaule und Gejammer vor allem von Seiten der Synchronsprecher was aufs Dach. Dante ist kaum erträglich. Wahrscheinlich stand im Skript vor jedem seiner Sätze in Klammern: angry! Erst in der letzten Cutszene zeigt sich, dass der Mann offenbar auch anders (aka besser) kann, aber: Too little, too late. Besser ist im Vergleich Lucifer als Gegenspieler. Gute Nachrichten: Die AT Fassung bietet im Gegensatz zu Dead Space vom gleichen Entwickler eine deutsche Synchronisation und das englische Original auf einer Disc. Anekdote am Rande: Spiel und Anleitung sind sich nicht über die Schreibweise von Virgil einig.
Höllisch gu... ach, verdammt!
Dante's Inferno überrascht. Dass eine derartig dreiste Kopie eines Erfolgstitels nach einer solch schwachen Demo ein so überzeugendes Endprodukt wird, hätte ich nicht gedacht. Schlussendlich bietet Dante etliche starke Punkte, setzt aber fast jedem selber wieder etwas entgegen. Das Kampfsystem ist erstklassig und bietet zwei außergewöhnliche Waffen mit vielen, individuellen Upgrademöglichkeiten, lässt aber in 90% aller Fälle durch Dante's Wurf regelrechte Unverwundbarkeits-Loops zu, die weder spielerisch anspruchsvoll sind noch auf Dauer interessant aussehen. Die Grafik ist stilistisch astrein, verschenkt aber Potential bei den Kreaturen der Hölle. Zu Beginn kann das Spiel etwas zu schwer sein, spätere Upgrades kommen aber einem Godmode unheimlich nahe. Die Story ist düster und schaurig mit einem kräftigem Schuss Tragik, wird aber verschwendet an einen Hauptcharakter, dessen erzwungenes Brüllen so unfreiwillig komisch ist, dass es die gesamte Atmosphäre zunichte machen kann.
Rein objektiv betrachtet hat man wohl schon besseres gesehen und wenn es um geklautes God of War Gameplay geht, ist mir Heavenly Sword immer noch lieber. Dante bedient sich einiger billiger Tricks, um das zu kurze Abenteuer etwas zu strecken und endet mit einem Verweis auf den Nachfolger. Aber hey, genug gemeckert. Das Spiel hat einen gewissen, wenn auch trashigen Charme, spielt sich astrein und die Kämpfe machen einfach tierisch Spaß. Selbst die Plattformsegmente gehen locker und flüssig von der Hand. Mit Knochensense und heiligem Kreuz Jagd auf die Kreaturen der Hölle zu machen hat einen Reiz, dem man sich schwer entziehen kann und handwerklich solide gemacht ist es allemal. Ja, es ist eine nahezu vollständige Kopie eines besseren Spiels. Aber eine gelungene Kopie eines grandiosen Spiels ist im Ergebnis immer noch ein sehr gutes Spiel und das ist Dante auf jeden Fall.
Kurioserweise haben Dante und das nach ihm benannte Spiel ein gemeinsames Problem: Sie haben sich mit einem übermächtigen Gegner angelegt und bekommen dafür die Quittung. Dante, der Charakter, völlig zu Recht. Dante, das Spiel, hingegen, ist deutlich besser als die ganzen angepissten God of War Fans in ihren professionellen Reviews wahr haben wollen. Daher mein Rat an alle und den wollte ich immer schon mal los werden:
Fahrt zur Hölle! Und viel Spaß dabei.

