Yzerman
Alle Konsolen sind grün
Sieben Jahre nach der Veröffentlichung habe ich das Spiel nun auch für mich entdeckt. Crackdown wurde von einem der GTA-Erfinder entwickelt und war eines neuen Exklusivspiel-IPs aus der Anfangszeit der 360.
Mich hat es damals nie wirklich angesprochen. Ich bin zwar ein grosser GTA-Fan, aber irgendwie sagte mir der Grafikstil nicht zu und ausserdem konnte ich es mir nicht vorstellen, als Polizist zu spielen. Auch der Halo 3-Betacode der damals beilag überzeugte mich nicht. Ich wartete für ein Sandboxspiel lieber auf GTA IV (den ersten Saint’s Row Ableger habe ich auch nicht gekauft).
Wie dem auch sei: Mit der Xbox Live Gratis Spieleaktion für Goldmitglieder, konnte man es vor einigen Monaten mal gratis runterladen. Da ich mehrheitlich nur Positives über das Spiel gehört habe (und es ja sowieso gratis war), schlug ich natürlich zu. Wie so oft bei Downloadspielen, habe ich es erst Monate später angefangen zu spielen. Und wurde überrascht!
Wer braucht eine Story, wenn man Action haben kann?!
Eine richtige Story im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Ok es gibt sie schon, aber die ist nicht gerade der Hammer und hätte es eigentlich überhaupt nicht gebraucht. Man startet das Abenteuer in der futuristischen Metropole Pacific City (die Handlung spielt in der nahen Zukunft), in der Anarchie herrscht. Die Polizei steht machtlos der Vielzahl an skrupellosen Verbrechern gegenüber. Die Bevölkerung ist nirgends sicher, der Bevölkerungsanteil zu Beginn des Spiels besteht aus gefühlten 40% Gangstern, 55% Passanten und die restlichen sind Polizisten. Es gibt insgesamt (wie bei den alten GTA-Teilen) drei Inseln mit drei grossen Verbrecherkartellen. Die Agency hat keine Chance gegen die Übermacht mehr und greift in dieser Notlage auf die Arbeiten des geächteten Wissenschaftlers Dr. Baltasar Tschernenko zurück. Durch sein Programm wurden Agenten geschaffen, denen beispiellose Entwicklungs- und Regenerationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Mit einem solchem Typen beginnt man dann auch gleich das Spiel. Die Charaktere sind stumm und verdammt austauschbar. Ist ja klar, sie sind genetisch verändert und können somit nach jedem ableben wieder regeneriert werden. Man kann sogar zwischen den verschiedenen Protagonisten während der Story hin und her wechseln. Die Attribute übernimmt man einfach, was heisst, dass ausser dem Aussehen sich absolut nichts verändert.
Aller Anfang ist mühsam
Zu Beginn startet man in der Garage der Agency. Dies ist die vierte Insel der Stadt und liegt mittig auf der Karte. Durch Verbindungstunnel kommt man zu den anderen drei Stadteilen. Zu Beginn erhält man eine Karre der Agency und stürzt sich ins Getümmel.
Zu Beginn macht das Spiel keinen grossen Spass. Denn der Held hat fünf Superkräfte, deren Attribute sich sukzessiv weiterentwickeln. Es gibt Attribute für die Schusswaffen, Explosionswaffen (k.A. wie man das nennt, einfach Raketen-, Granatenwerfer sowie normale Handgranaten), Stärke und Fahrfähigkeit, die man durch das ausüben seiner Tätigkeit automatisch einsammelt. Schiesst man einen Gangster nieder, erhält man dafür ein paar blaue Orbs für die Schusswaffenfähigkeit. Dazu gibt es noch Orbs für die Flinkheit. Diese sind allerdings auf den Dächern und Hinterhöfen der Spielwelt verteilt und müssen eingesammelt werden. Dies ist absolut süchtig machend und sehr motivierend.
Bis man allerdings ein gewisses Level erreicht hat, muss man sich ein wenig durch das Spiel kämpfen. Denn um irgendwelche Häuser zu erklimmen, muss man sich den Weg mühsam nach oben suchen, während man später mit einem Sprung schon auf dem Dach landet…
Die Steuerung… zweckmässig
Die Steuerung ist nicht wirklich sehr überzeugend. Vor allem das Fahren mit Autos macht keinen Spass. Dagegen ist GTA IV ein Forza 5. Das ist allerdings nicht sehr tragisch, da man auf das Auto sowieso verzichten kann und man als Superbulle mehr zu Fuss und über die Dächer zum Ziel gelangt, als mit den unsteuerbaren Karren. Leider hat auch das Zielsystem seine Tücken. In den meisten Fällen funktioniert es ganz gut. Man visiert, ganz Genregetreu, den Gangster mit dem LT-Button an, während man mit dem mit RT-Schulterknopf losfeuert. Was stört ist die Zielerfassung. Da man meistens gegen eine Horde von Gegner antritt, ist das sehr ärgerlich. Oft nimmt nämlich unser Held, irgendein Auto oder bereits erledigter Gegner in den Zielfokus, statt einer der aus allen Rohren ballernder Gangster. Man gewöhnt sich daran, aber mit ein wenig Feintuning, hätte man das sicherlich besser in den Griff gekriegt.
Dafür ist die Bewegung zu Fuss sehr gut gelungen. Die Levelarchitektur sorgt zu einem guten Flow und man hechtet von Haus zu Haus, über Schluchten, Strassen, Schiffe und Autos. In der Luft oder auf dem Wasser ist man übrigens nie mit einem Fahrzeug unterwegs. Denn es gibt keine. Dies macht allerdings nichts, da man als Superbulle sprichwörtlich durch die Gegend fliegt.
Die „Story“
Man muss in jedem Gebiet die 7 Gangsterbosse eliminieren. Das ist die Story. Nicht gerade weltbewegend. Der Ablauf ist so, dass man in jedem Stadtteil die Bosse suchen muss. Sobald man in die Nähe ihres Standortes kommt, lädt ein Dossier, in dem man sieht wo sie genau sind und was sie machen. Die Informationen sind sehr langweilig, jedes Syndikat hat einen bösen Typ, der für das Geld zuständig ist, einen bösen Typ der für die Waffen zuständig ist, etc. Die besten Gegner sind jene die in einem Gebäude zu Hause sind. Als gutes Beispiel ist der Asiate der ganz zu oberst auf dem grössten Gebäude des Spiels (neben der Agency) auf einen wartet. Man muss sich zuerst durch unzählige Etagen gegen seine Gefolgsleute kämpfen, bis man ganz oben bei ihm landet. Leider sind diese Bosskämpfe nicht gerade ein riesiges Highlight. Die Bosse haben einfach eine grössere Lebensleiste als die normalen Standardgegner. Aber eine spezielle Taktik erfordern sie nie. Sobald man zu ihnen gelangt, haben diese im Nahkampf absolut keine Chance sich auch nur ein bisschen zu wehren. Das ist sehr schade, denn manche Abschnitte sind wirklich gut gemacht. Die Herausforderung besteht eigentlich nur darin, es einigermassen unbeschadet zum Endgegner zu schaffen. Bei manchen ist dies wirklich schwer, meistens kann man aber (mit gut ausgebildeten Attributen) irgendwo eine „Abkürzung“ nehmen und erledigt so den Boss ohne grossen Aufwand. Scheitert man, liegt dies daran, dass man in einem engen Raum von 40 Standardgegner aufs Korn genommen wird. Vor allem Treffer von Raketenwerfer sind da hervorzuheben. Diese machen den Charakter für einen Moment lang K.O. und man verliert für ein, zwei Sekunden lang die Kontrolle über ihn. Bei 10 Raketenwerfern in einem Raum, ist es dann schwer sich aus diesem Dilemma zu befreien. Rusht man durch, dürfte die Story in 12h geschafft werden. Ich bin eher jemand der Spiele schnell durchhaben will und ich habe für die Story sicherlich 20h gebraucht. Und dies ohne den Nebenbeschäftigungen nachzugehen (ausser der Jagd nach den grünen Orbs).
Was kann man sonst noch so machen?
In der Stadt gibt es auch noch einige Strassenrennen (Checkpointrennen gegen die Zeit) und Parcourrennen. Bei erfolgreichem Abschluss, gibt es ein paar Fähigkeitspunkte für die Attribute (Fahrkönnen und Flinkheit). Diese dauern aber manchmal sehr lange und sind oft ziemlich schwierig. Ich habe diese ausgelassen (bis auf je eines Rennen), da man auch ohne diese Punkte sich aufleveln kann (ok, beim Fahrzeug nicht unbedingt, aber da ich sowieso nie rumcruiste…). Im Gegensatz zu einem GTA sind die Nebenbeschäftigungen ein Hohn. Es gibt abseits dem Sammeln von Orbs und abknallen von Gangstern einfach nichts zu tun. Dies störte mich aber rein gar nicht. Denn sind wir ehrlich: Die meisten Nebenbeschäftigungen in anderen Spielen macht man einmal und dann nie wieder. Da es halt Nebenbeschäftigungen sind.
Auf die Augen!
Grafisch reisst das Spiel natürlich keine Bäume mehr aus. Die Weitsicht ist zwar sehr gut und die Explosionen sind noch heute sehr eindrucksvoll. Der Rest ist aber nicht sehr ansehnlich. Die Gebäude bestehen aus zwei, drei Texturen und sind vor allem zweckmässig modelliert. Dafür läuft es immer flüssig, was nicht selbstverständlich ist. Denn das Gegneraufkommen ist manchmal schon sehr gross und Explosionen gibt es zu Hauf.
Indizierung
Das Spiel wurde in Deutschland bekannterweise indiziert. Wieso kann ich mir aber nicht ausmalen. Es ist weder sehr blutig, noch kann man ungestraft Passanten abschiessen. Und die Grafik ist im Gegensatz zu einem GTA sehr comichaft gehalten. Wieso es also indiziert wurde, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Gibt es da irgendwo einen Bericht der USK? Würde mich wirklich mal interessieren.
Fazit
Schade habe ich das Spiel nicht schon früher gespielt! Als Supercop durch die Gegend zu „pflügen“ macht enorm Spass. Dazu kommt das Süchtig machende Attribute System. „Noch kurz ein Fähigkeitslevel nach oben kommen, dann höre ich auf“, nur um dann Stunden weiterzuspielen ist bei diesem Spiel eher die Regel als Ausnahme. Klar gibt es auch einige Kritikpunkte: Die KI ist äusserst dürftig. Diese wurde nach dem Motto „Masse statt Klasse“ modelliert. Auch die Grafik ist nicht gerade der Oberbrüller (war sie schon 2007 nicht), die Welt wirkt an manchen Orten ein wenig leer und von der Story müssen wir gar nicht erst sprechen. In diesem Spiel hat man sich aber auf die wichtigsten Punkte konzentriert: Gute Architektur der Welt, spassige Schiessereien mit viel Wumms und die Orbs. Das gibt eine Spielspassgranate, die genau richtig ist um nach dem Arbeiten ein wenig abzuschalten und um sich zwischendurch etwas die Zeit zu vertreiben.
8/10



