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REVIEW Call of Juarez: Gunslinger [Review]

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Manchmal wird man enttäuscht. Fuse fing stark an, ließ dann aber noch stärker nach. Leicht gelangweilt testete ich daher die Demo von Call of Juarez: Gunslinger. Kost ja nix. Dass das Ding nur scheiße sein konnte, war klar. Teil 2, Bound in Blood, war gut, aber danach kam von den Pollen nur mehr Müll. Über The Cartell, die brilliante Idee, einen Western im heutigen Mexiko spielen zu lassen, hüllen mal wieder das Mäntelchen des Verdreschens (frei nach Yosemite Sam) und mit Dead Island veröffentlichen die Jungs (und Mädels?) das langweiligste Spiel dieser Generation... zwei Mal! Und jetzt sind sie dazu degradiert, Arcadespiele zu machen. Aber was soll's? Demo ist Demo.

Wos des?

Ok, nette Cel-Shading Grafik. Hui, was ein Splattereffekt. Waffen fühlen sich nett an und der Comic-Look ist cool. Was soll das, jetzt korrigiert der Ich-Erzähler seine Geschichte? Sehr nett... Demo aus... und nun? Wie viele Punkte hab ich denn noch? 1600? Man, wieso hab ich denn so viele Punkte? Aber egal... no risk no fun.

Der wilde Westen, 19zwieback. Ein alter Mann betritt einen Saloon und erzählt eine Geschichte. Er behauptet, der legendäre Kopfgeldjäger Silas Greaves zu sein und berichtet von dem tragischen Tod seiner Brüder durch die Hand von Roscoe Bob Bryant, ein Ereignis, das ihn dazu brachte, 30 Jahre lang nach dem Mörder seiner Familie zu suchen und auf dem Weg dort hin viele Leichen zu hinterlassen. Man spielt also quasi die Erinnerungen eines Mannes, dessen Schilderungen ebenso blumig wie lückenhaft sind. Und mit einem Mal sind alle Genre-Klischees erklärt.

Hundert Gegner gegen einen? Klar, der Mann schneidet etwas auf. Keine Treppe? Es dauert nur, bis sich Greaves daran erinnert. Urplötzlich liegt Dynamit rum, wenn man es grad braucht? Erneut, Greaves saugt sich die Story aus den Fingern, wie es ihm grad passt. Nicht selten kommentieren seine Zuhörer diese Unzulänglichkeiten bei jeder Gelegenheit. Greaves selbst korrigiert sich gerne mal oder dichtet absichtlich etwas hinzu, nur um seine Zuhörer zu testen. Die Ergebnisse, die sich direkt auf die Level auswirken, sind skurril und witzig. Erstaunlicherweise funktioniert dieser Humor hier sogar. Oftmals ist es so, dass sich Spiele über lange, sinnlose Tutorials lustig machen, indem sie ein langes, sinnloses Tutorial anbieten und am Ende einen Charakter sagen lassen, wie lang und sinnlos dieses Tutorial doch war. Das verstehen Gamer unter Parodie. Nicht, dass Gunslinger das cleverste Spiel seit Portal 2 wäre, aber es ist amüsant und ironisch, spielt mit Klischees und verpackt das alles in eine interessante Story. Die permanenten Dialoge und vor allem die blumigen Schilderungen Greaves' sind eine willkommene Abwechslung zu den üblichen schweigenden Ballermännern, die sonst die Heldenriege solcher Spiele stellt. Highlights sind Szenen, in denen Greaves in einen klassischen Song verfällt oder die Story anhält, weil er pinkeln muss. All dies wirkt sich immer direkt auf die eine oder andere Art im eigentlichen Spiel aus, was für einen erfrischenden „Alles-ist-möglich“ Faktor sorgt.

Gunslinger ist der erste Titel der Reihe, der keinen direkten Bezug zu den McCalls hat. Dafür findet so ziemlich jeder halbwegs berühmte Outlaw seinen Weg in Greaves Geschichte, von Jesse James über Butch Cassidy bis zu Billy the Kid. Natürlich kann letztlich niemand Greaves das Wasser reichen, so sehr seine Zuhörer dies auch anzweifeln. Ein netter Twist am Ende und zwei Endsequenzen runden die Sache ab.

Was habt ihr bei einem Namen wie Gunslinger denn erwartet?

Spielerisch ist Gunslinger, wie der Titel vermuten lässt, ein reinrassiger, gradliniger FirstPersonShooter. Greaves hat Zugang zu Revolvern, Gewehren und Shotguns, wobei die Auswahl, gerade im Vergleich zu den Vorgängern, bedauerlich gering ist. Hier mag man das limitierte Budget merken. Die vorhandenen Waffen sind aber höchst befriedigend im Gebrauch mit tollem Handling, guten Sounds und sehr markigen Effekten bei tödlichen Treffern. Mit an Bord ist der Konzentrationsmodus der Serie, der die Zeit verlangsamt (da gibt es einen Begriff für, der mir grad nicht einfällt) und ein LastStand Mode. Bevor euch die letzte Kugel trifft, könnt ihr dieser geschickt ausweichen, wenn ihr die richtige Richtung wählt. Dies geht nur, soweit eine Leiste voll ist, welche sich aber erstaunlich schnell von selbst wieder füllt. Die Mechanik ist cool, hält den Spielfluss oben und sieht gut aus. Für ein solch potentes Manöver hat man vielleicht etwas zu oft Zugriff darauf, aber was soll's.

Die einzelnen Kapitel sind äußerst abwechslungsreich, was die Szenarien betrifft und haken alles ab, was man sich von einem Western wünscht, von der Geisterstadt über den Friedhof bis zu den mit „injuns“ übervölkerten Bergen. Am Ende eines Kapitels wartet oft ein Boss, welche in zwei Varianten kommen. Die eine wird im Duell erlegt. Duelle erfolgen diesmal so, dass man sowohl seine Hand als auch den Gegner anvisiert. Mit dem linken Stick legt ihr eure Hand möglichst nah an euren Colt, um schneller ziehen zu können, mit dem rechten visiert ihr den Gegner an. Anschließend zieht ihr mit dem Trigger, zielt und schießt. Je nachdem wie hoch eure Prozente vorher waren, wie geschickt ihr also mit den Sticks gewesen seid, seid ihr erfolgreich oder tot. Manchmal seid ihr auch nur tot. Das ist das Problem mit den Duellen, das noch kein Spiel gelöst hat außer Red Dead Redemption, welches dem Spieler erlaubte, den Gegner auf dem Weg zum Duell in den Rücken zu ballern.

Die zweite Variante ist noch schlimmer und zwar ist dies die, die sich hinter Gatlings verschanzt und Dynamit frisst wie Bonbons. Zum Glück stimmt der Rest der Kapitel.

Mehr Waffen, mehr Leichen!

Ein Upgradesystem versorgt euch immer mit neuen Fähigkeiten oder gar Waffen (bzw. verbesserte Varianten dessen, was ihr schon habt). Ihr sammelt Punkte durch schnelle Treffer in Folge, was das Spiel in bester Arcademanier anzeigt. Nach dem Durchspielen könnt ihr alle Moves behalten und von neuem loslegen. Alternativ könnt ihr einen reinen Arcademode probieren oder die Duelle in einem speziellen Modus erneut spielen.

Technisch präsentiert sich Gunslinger extrem stylisch. Es kommt zwar wieder vor, dass manche Gegner auf Grund der Lichtverhältnisse nicht zu sehen sind, aber insgesamt sieht Gunslinger klasse aus und muss sich hinter keinem Vollpreisspiel verstecken. Ebenso verhält es sich mit dem Sound, dessen stilechte Westernmusik und Waffeneffekte nur von den hervorragenden Sprechern überboten werden, die hörbar mit Spaß an der Sache dabei sind.

Dead Island kriegt einen vollwertigen Release und das hier nicht????

Manchmal kommt es anders und ein Spiel, das auf dem Papier nichts taugen kann, überrascht. Mit dem neuen Stil, der innovativen Story und Präsentation, der vollen Westernatmosphäre und einem überwiegend spaßigen Gameplay bin ich fast geneigt, Gunslinger als bisher besten Teil der Serie zu bezeichnen. Mit knapp sechs Stunden Spielzeit ist es nicht kürzer als so mancher Vollpreistitel, bietet mehr Wiederspielwert durch die zusätzlichen Modi und kostet kaum ein Viertel. Gunslinger macht Spaß, allein schon durch Greaves dauernden Kommentar, ist technisch auf der Höhe und bietet was für's Geld. Schade, dass er nur zum Download steht, als Budget Titel wäre er auch so das Geld wert gewesen.

Game of the Year? Eher nicht, aber für ein paar Kröten wesentlich unterhaltsamer als so mancher Hype-Release.
 
Die Seitenhiebe auf Dead Island finden meine Zustimmung. :grins:

Gunslinger habe ich noch nicht gespielt, mein Shooterdurst wird immer noch von God Mode gestillt.
 
Demo gespielt und für gut befunden. Klar hat es verdammt viele Gegner, aber hier gibt es immerhin einen Grund dazu. :D
Wird geholt!
 
Klasse Review, Richter Wux, :dhoch: die Hühner sind gesattelt und ich bin bereit loszureiten um endlich mal wieder ein paar blaue Bohnen zu verteilen!!! :woohoo:
 
Gunslinger ist echt eine kleine XBLA-Perle. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge am Spiel, die mich nicht begeistern. 1) Duelle und 2) Gatling-Gun-Abschnitte. Das war's aber auch schon. Sogar die Story mit den alten Haudegen aus dem Wild Wild West ist gut umgesetzt und präsentiert worden. :dhoch:
 
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