Mehr tut es aber auch nicht. Okay, das Kampfsystem ist sehr flott und darf gerne die Zukunft des Genres sein. Das ist nämlich das erste mal, dass ein MMORPG ein funktionierendes und unterhaltsames Echtzeit-Kombosystem bietet. Der Rest ist aber zum Davonlaufen.
Erfahrung kriegt man lediglich für das Killen der Mobs, Quests werfen Beitragspunkte & Co. ab, mit denen man unter anderem seinen Einfluss in einer Region ausweiten kann. Klingt in der Theorie zwar interessant, ist aber derart sinnbefreit, konfus, nervig und langweilig gelöst, dass man es lieber links liegen lässt, wenn man seinen Rechner nicht 24/7 am Netz zapfen lassen will. Nicht umsonst wird das Spiel ein AFK-Simulator genannt.
Eine weitere Ressource kriegt man für das Ansprechen quasi sämtlicher NPCs in der Welt, die auf der Minimap markiert sind. Es werden dabei immer nur zwei, drei zusammenhanglose und unterirdisch übersetzte Floskeln getauscht und man hat sein Insight sicher. Die Gespräche sind auch in mehreren Phasen unterteilt, sodass man sie nicht alle auf einmal wegklicken kann, sondern sie freispielen muss. Man rennt also von Aussenposten zu Aussenposten, Stadt zu Stadt und klappert pro Siedlung ungelogen 2635173 NPCs ab.
Das ist ein Asia Grinder, wie er im Buche steht - lasst euch von der verhältnismässig guten Grafik nicht blenden. Wenn man also nichts weiter will, als immer und immer und immer und immer nur Mobs zu killen, ohne Loot als Incentive wie in einem ARPG, dann kann man sich das ruhig mal anschauen. Endgamecontent besteht übrigens nur aus PvP. Instanzierten Kram wie Dungeons und Raids gibt es nicht, es ist eine pure, offene Welt. Wer sich von sowas nicht viel Spielspass erhofft, der dämpft am besten seine Erwartungen.
Dann kommt noch dazu, dass das ganze Handelssystem für den Arsch ist. Das Auktionshaus ist nämlich RNG basiert, sprich wenn man sich ein bestimmtes Item erhandeln will, muss man nicht nur den Marktplatz-NPC belagern und warten, bis es ein anderer Spieler zum Verkauf anbietet, sondern auch hoffen, dass sein Angebot vom akzeptiert wird. Sobald ein Item zum Verkauf freigegeben wird, kann man als Spieler drauf bieten und der Betrag ist immer für alle Bieter fix. Hat man geboten, wird das Item ausgegraut und in den folgenden 20 Sekunden entscheidet das Spiel selbst, welcher Spieler das Item kriegt - und alle anderen gehen leer aus und dürfen es erneut probieren. Das ist dermassen bescheuert, dass ich vor zwei Wochen 4 Stunden am NPC sass, nur um laufend an Yuria-Gloves für meinen Striker zu scheitern.
Der Support wird auch völlig vernachlässigt. Spielmenüs und -Features, die nicht funktionieren, sind an der Tagesordnung. Während der koreanische Client regelmässig und die entsprechende Community stark gepflegt werden, passiert im Westen gar nichts. Trolle, dumme rassistische Baitkacke & Co. sind BDOs Brot und Butter. Eine so toxische Community habe ich in all meinen Jahren, in denen ich mehr MMO/RPGs gespielt habe, als man es für möglichen halten lönnte, nicht begegnet. Da vergehen keine 5 Sekunden ohne Bullshit, sodass man den Chat mangels Feinschliff entweder bei jedem Login manuell filtert, oder ein Browserfensterchen mit Netflix über den Chat zieht.
Sehr abenteuerlich, das Spiel in dieser Form auf irgendwelche Konsolen bringen zu wollen, ohne erst die Ursprungsversion zu fixen.
Vom ganzen Pay2win-Faktor will ich gar nicht anfangen. Da entscheidet jeder selbst, inwiefern er zahlungsbereit ist. Das Basisspiel kostet auch nicht mehr als 10.-, aber damit wird man mangels Inventarplätze, Mountpfeife & Co. schnell an seine Grenzen stossen. Auch sonst kostet alles entweder Geld oder Spielwährung. Pets sind für ein flüssiges Spielen nahezu elementar, da sie für den Spieler looten, verschlingen pro Tag aber mehr Nahrung, als man als Gelegenheitsspieler für aufkommen kann. Hat man kein Pet, ist man zum manuellen Looten gezwungen, was übrigens nicht das gesamte Kram im Umkreis sammelt, sondern einzeln pro Leichnam/Kadaver. Sehr geschickter Schachzug, damit sich auch jeder ein Pet kauft. Lässt man sein Pferd mal irgendwo ausserhalb eines Aussenpostens stehen, wird dieser schnell zu Monsterfutter. Als Strafe muss man den Gang zum nächstbesten Stall antreten, wo man sein Fohlen wieder teuer auferstehen lässt. Sind jetzt nur zwei Beispiele von vielen.
Das Spiel ist einfach der reinste Timesink und bietet im Gegenzug nichts von Bedeutung. Das tolle Kampfsystem kann nicht über den endlosen, sinnbefreiten Grind hinwegtäuschen.
Mal sehen, ob sie da noch was geradebiegen können.