Manchmal muss man Glück haben. Wenn mir langweilig ist (was es vier Wochen vor der wichtigsten Prüfung meines Lebens eigentlich nicht sein sollte), hol ich mir einen Streifen aus der Videothek, von dem ich bis dato noch nichts gehört habe. Heuer stand ich vor der Wahl zwischen Hunt to Kill, ein Film, dessen Cover einen grimmig drein schauenden Steve Austin mit Schusswaffe in der Hand zeigt und Faster, ein Film, dessen Cover einen grimmig drein schauenden The Rock mit Schusswaffe in der Hand zeigt. Jeez... aber wenn ich eins gelernt habe, dann dass Dwayne Johnson für unterhaltsame Action steht und ein Steve Austin für den Stone Cold Stunner und mehr nicht.
Faster erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach einer zehnjährigen Haftstrafe wegen Bankraubes aus dem Gefängnis entlassen wird. Ohne Zusammenhang oder Erklärung sehen wir den Driver, wie er sich einen alten, amerikanischen Musclewagen, offenbar vorbereitet, annimmt, eine Waffe und eine Liste ansieht, in die Stadt fährt, ein Bürogebäude betritt, ohne links und rechts zu schauen durch die abgetrennten Cubicles läuft, bevor er einen Mitarbeiter, der sichtlich erschrocken ist, als er den Driver erblickt, aus point-blank-range mit einem Treffer seines Revolvers niederstreckt.
Holy fuck, what just happened?
Von da an folgt Faster dem Prinzip „Rache ist süß“. Wenn man viel Blut und Gewalt rechtfertigen will, reicht es in der Regel aus, zu zeigen, wie eine Bande Gangster das Meerschweinchen des Helden ertränken. Was in so vielen Medien wie Filmen (jeder Charles Bronson und jeder zweite Steven Seagal), Spielen (Max Payne), und Liedern (I did what I did for Maria von Tony Christie) funktioniert, kann nur ein todsicheres Rezept sein. Ganz so einfach macht es sich der Film jedoch nicht.
Während Driver nach und nach die Schuldigen von damals jagt, versucht die Polizei natürlich, ihn zu stoppen. Vorne an steht dabei der Cop, gespielt von Billy Bob Thornton. Er ist zehn Tage vor der Pensionierung, ist geschieden, hat einen Sohn, dessen Sportveranstaltungen er verpasst und ein Drogenproblem.
Wirklich? Wie viele Klischees kann man in einen verdammten Charakter packen? Selbst für eine Parodie wär der Kerl zu viel des Guten gewesen.
Den dritten Teil der Story liefert der Killer. Er präsentiert sich als eiskalter Profi, der, wie in alten Fotos und durch kurze Aufnahmen seiner vernarbten Beine gezeigt, wohl ein Problem körperlicher Natur in der Kindheit hatte. Schnell wird klar, dass er unter gewaltigen Komplexen leidet, die er kompensieren muss. Seine Waffensammlung ist beeindruckend, seine Physis nahezu unerreicht. Er wohnt in einem schicken Anwesen und fährt einen sündhaft teuren Sportwagen. Aufträge erfüllt er nicht des Geldes wegen, sondern wegen des Sports. Er will eine Herausforderung und sich beweisen und weigert sich aus Prinzip, vom Ziel abzulassen.
Gleichzeitig wird er als der sympathischste aller Hauptfiguren präsentiert. Der jugendliche Look des britischen Schauspielers Oliver Jackson-Cohen erinnert an Josh Lucas, wie man ihn aus Filmen wie Sweet Home Alabama kennt. Er agiert verliebt wie im besten Liebesfilm mit seiner Freundin Lily (Maggie Grace aus Lost) und spricht sich mit täglich mit seiner Psychiaterin aus, der er von seinen Träumen und Zukunftsnöten erzählt.
Der Kontrast zwischen Sonnyboy und Lebemann einerseits und eiskaltem Profikiller und Adrenalinjunkie andererseits hebt die Figur aus den Klischees des restlichen Casts hervor. Gleichzeitig entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die Rangfolge der Sympathien der Charakter von unten nach oben lautet: Cop, Driver, Killer.
Die drei Geschichten laufen mehr oder weniger parallel, überlappen sich jedoch an Schlüsselpunkten.
Drivers Geschichte ist der Katalysator. Seine Racheakte erinnern an die Braut aus Kill Bill und jedes Treffen mit den Opfern ist einzigartig in Szene gesetzt. Das Highlight könnte der Auftritt Adewale Akinnuoye-Agbajes (Lost, Bourne) sein, wenngleich Dwayne Johnson in dieser Szene nicht ganz mit der Leistung des britischen Schauspielers nigerianischer Abstammung mit halten kann. Überhaupt hat Johnson weniger Text als Schwarzenegger im ersten Terminator. Meist passt die stoische, fokussierte Mine zwar zum Charakter, doch spätestens als seine Exfreundin ihm eröffnet, dass sie sein Kind abgetrieben hat, hätte er etwas emotionaler reagieren können als „Naja, gut, dann bin ich mal weg. Schönes Leben noch.“
Sollte aber mal God of War verfilmt werden, dann MUSS Johnson die Rolle des Kratos bekommen. Kratos und Johnson verbindet die absolute Blindheit für alles andere außer ihrer Rache. Ohne Rücksicht auf Verluste reißt Johnson sein Auto rum, betritt ein Krankenhaus und erschießt sein Opfer noch auf dem OP Tisch. Entschlossenheit hat einen neuen Namen.
Gleichzeitig versucht Cop Cop, im Alleingang den mordenden Driver zu stellen. Dafür hat er ein persönliches Interesse, ein Wendepunkt, der wenig überraschend kommt und sehr klischeehaft wirkt (erneut). Billy Bob Thornton spielt diese Art Figur nicht zum ersten Mal und präsentiert sich demnach tadellos.
So gar nicht recht ins Bild passen will die Geschichte um den Killer. Er hat als einziger der dreien keine wirkliche persönliche Bindung zu dem Geschehen. Zu wenig wird auf seine Kindheit und die Beinprobleme eingegangen. Anfangs sieht man ihn bei einigen extrem Körperübungen, doch ein Kampf zwischen dem großen, muskelbepackten Driver und dem athletischen, kampfsportgestählten Killer wird uns vor enthalten. Die Figur wirkt nicht wirklich voll ausgenutzt.
Am Ende sollen alle Stränge zusammen laufen und es kommt auch zum Showdown, der leider ein wenig enttäuscht. Nach dem gesamten Aufbau der Story bis zu diesem Punkt schien mal wieder eine Idee für eine befriedigende Auflösung zu fehlen. Erneut ist es der Killer, der hier fast komplett hätte fehlen können ohne dass dies Auswirkungen auf den Rest des Finales gehabt hätte.
Die übliche Frage der Logik ist wie immer fehl am Platze, aber kann mir einer sagen, wie offensichtlich ein Mann auf seine Identität scheißen muss, um von der Polizei gestellt zu werden? Driver rennt am Tag seiner Entlassung in ein Büro mit 50 Zeugen und erschießt vor einer Kamera einen Mann und kann noch fünf Tage später genauso unbehelligt in ein Krankenhaus marschieren, erneut einen Mann erschießen und wieder unbehelligt selbiges verlassen? Und das, obwohl die Verbindung der Opfer untereinander bereits nach dem zweiten für die Polizei offensichtlich geworden war? Ganz schön harter Tobak.
Bin ich übrigens der einzige, der Carla Gugino in jeder Rolle zum Anbeißen findet?
Unterm Strick ist Faster ein Film, der unter seinen Möglichkeiten bleibt. Viele Szenen sind superb präsentiert und verbreiten Gänsehaut, die Geschichte ist erstaunlich emotional und mit dem Killer hat man eine wunderbar exotische Figur geschaffen. Auf der anderen Seite verbinden sich diese Teile am Ende nicht zu einem harmonischen Ganzen und viele Versprechungen bleibt der Streifen schuldig. Eine etwas stringentere Führung während des Schreibprozesses hätte vielleicht dafür sorgen können, dass sich das Ende als eine logische Konsequenz der Handlung ergibt. So hingegen steht am Ende über der vorletzten Szene ein: „Was nun, soweit haben wir nicht voraus gedacht?“
Das ist schade, schlussendlich aber nur ein kleiner Wermutstropfen. Über weite Strecken ist Faster sehr kurzweilig und spaßig. Für einen perfekten Videoabend mit Popcorn und einem Döschen Cola kann man definitiv zu Schlechterem greifen. Wie Hunt to Kill beispielsweise. Allein der Gedanke schaudert mich...
Faster erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach einer zehnjährigen Haftstrafe wegen Bankraubes aus dem Gefängnis entlassen wird. Ohne Zusammenhang oder Erklärung sehen wir den Driver, wie er sich einen alten, amerikanischen Musclewagen, offenbar vorbereitet, annimmt, eine Waffe und eine Liste ansieht, in die Stadt fährt, ein Bürogebäude betritt, ohne links und rechts zu schauen durch die abgetrennten Cubicles läuft, bevor er einen Mitarbeiter, der sichtlich erschrocken ist, als er den Driver erblickt, aus point-blank-range mit einem Treffer seines Revolvers niederstreckt.
Holy fuck, what just happened?
Von da an folgt Faster dem Prinzip „Rache ist süß“. Wenn man viel Blut und Gewalt rechtfertigen will, reicht es in der Regel aus, zu zeigen, wie eine Bande Gangster das Meerschweinchen des Helden ertränken. Was in so vielen Medien wie Filmen (jeder Charles Bronson und jeder zweite Steven Seagal), Spielen (Max Payne), und Liedern (I did what I did for Maria von Tony Christie) funktioniert, kann nur ein todsicheres Rezept sein. Ganz so einfach macht es sich der Film jedoch nicht.
Während Driver nach und nach die Schuldigen von damals jagt, versucht die Polizei natürlich, ihn zu stoppen. Vorne an steht dabei der Cop, gespielt von Billy Bob Thornton. Er ist zehn Tage vor der Pensionierung, ist geschieden, hat einen Sohn, dessen Sportveranstaltungen er verpasst und ein Drogenproblem.
Wirklich? Wie viele Klischees kann man in einen verdammten Charakter packen? Selbst für eine Parodie wär der Kerl zu viel des Guten gewesen.
Den dritten Teil der Story liefert der Killer. Er präsentiert sich als eiskalter Profi, der, wie in alten Fotos und durch kurze Aufnahmen seiner vernarbten Beine gezeigt, wohl ein Problem körperlicher Natur in der Kindheit hatte. Schnell wird klar, dass er unter gewaltigen Komplexen leidet, die er kompensieren muss. Seine Waffensammlung ist beeindruckend, seine Physis nahezu unerreicht. Er wohnt in einem schicken Anwesen und fährt einen sündhaft teuren Sportwagen. Aufträge erfüllt er nicht des Geldes wegen, sondern wegen des Sports. Er will eine Herausforderung und sich beweisen und weigert sich aus Prinzip, vom Ziel abzulassen.
Gleichzeitig wird er als der sympathischste aller Hauptfiguren präsentiert. Der jugendliche Look des britischen Schauspielers Oliver Jackson-Cohen erinnert an Josh Lucas, wie man ihn aus Filmen wie Sweet Home Alabama kennt. Er agiert verliebt wie im besten Liebesfilm mit seiner Freundin Lily (Maggie Grace aus Lost) und spricht sich mit täglich mit seiner Psychiaterin aus, der er von seinen Träumen und Zukunftsnöten erzählt.
Der Kontrast zwischen Sonnyboy und Lebemann einerseits und eiskaltem Profikiller und Adrenalinjunkie andererseits hebt die Figur aus den Klischees des restlichen Casts hervor. Gleichzeitig entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die Rangfolge der Sympathien der Charakter von unten nach oben lautet: Cop, Driver, Killer.
Die drei Geschichten laufen mehr oder weniger parallel, überlappen sich jedoch an Schlüsselpunkten.
Drivers Geschichte ist der Katalysator. Seine Racheakte erinnern an die Braut aus Kill Bill und jedes Treffen mit den Opfern ist einzigartig in Szene gesetzt. Das Highlight könnte der Auftritt Adewale Akinnuoye-Agbajes (Lost, Bourne) sein, wenngleich Dwayne Johnson in dieser Szene nicht ganz mit der Leistung des britischen Schauspielers nigerianischer Abstammung mit halten kann. Überhaupt hat Johnson weniger Text als Schwarzenegger im ersten Terminator. Meist passt die stoische, fokussierte Mine zwar zum Charakter, doch spätestens als seine Exfreundin ihm eröffnet, dass sie sein Kind abgetrieben hat, hätte er etwas emotionaler reagieren können als „Naja, gut, dann bin ich mal weg. Schönes Leben noch.“
Sollte aber mal God of War verfilmt werden, dann MUSS Johnson die Rolle des Kratos bekommen. Kratos und Johnson verbindet die absolute Blindheit für alles andere außer ihrer Rache. Ohne Rücksicht auf Verluste reißt Johnson sein Auto rum, betritt ein Krankenhaus und erschießt sein Opfer noch auf dem OP Tisch. Entschlossenheit hat einen neuen Namen.
Gleichzeitig versucht Cop Cop, im Alleingang den mordenden Driver zu stellen. Dafür hat er ein persönliches Interesse, ein Wendepunkt, der wenig überraschend kommt und sehr klischeehaft wirkt (erneut). Billy Bob Thornton spielt diese Art Figur nicht zum ersten Mal und präsentiert sich demnach tadellos.
So gar nicht recht ins Bild passen will die Geschichte um den Killer. Er hat als einziger der dreien keine wirkliche persönliche Bindung zu dem Geschehen. Zu wenig wird auf seine Kindheit und die Beinprobleme eingegangen. Anfangs sieht man ihn bei einigen extrem Körperübungen, doch ein Kampf zwischen dem großen, muskelbepackten Driver und dem athletischen, kampfsportgestählten Killer wird uns vor enthalten. Die Figur wirkt nicht wirklich voll ausgenutzt.
Am Ende sollen alle Stränge zusammen laufen und es kommt auch zum Showdown, der leider ein wenig enttäuscht. Nach dem gesamten Aufbau der Story bis zu diesem Punkt schien mal wieder eine Idee für eine befriedigende Auflösung zu fehlen. Erneut ist es der Killer, der hier fast komplett hätte fehlen können ohne dass dies Auswirkungen auf den Rest des Finales gehabt hätte.
Die übliche Frage der Logik ist wie immer fehl am Platze, aber kann mir einer sagen, wie offensichtlich ein Mann auf seine Identität scheißen muss, um von der Polizei gestellt zu werden? Driver rennt am Tag seiner Entlassung in ein Büro mit 50 Zeugen und erschießt vor einer Kamera einen Mann und kann noch fünf Tage später genauso unbehelligt in ein Krankenhaus marschieren, erneut einen Mann erschießen und wieder unbehelligt selbiges verlassen? Und das, obwohl die Verbindung der Opfer untereinander bereits nach dem zweiten für die Polizei offensichtlich geworden war? Ganz schön harter Tobak.
Bin ich übrigens der einzige, der Carla Gugino in jeder Rolle zum Anbeißen findet?
Unterm Strick ist Faster ein Film, der unter seinen Möglichkeiten bleibt. Viele Szenen sind superb präsentiert und verbreiten Gänsehaut, die Geschichte ist erstaunlich emotional und mit dem Killer hat man eine wunderbar exotische Figur geschaffen. Auf der anderen Seite verbinden sich diese Teile am Ende nicht zu einem harmonischen Ganzen und viele Versprechungen bleibt der Streifen schuldig. Eine etwas stringentere Führung während des Schreibprozesses hätte vielleicht dafür sorgen können, dass sich das Ende als eine logische Konsequenz der Handlung ergibt. So hingegen steht am Ende über der vorletzten Szene ein: „Was nun, soweit haben wir nicht voraus gedacht?“
Das ist schade, schlussendlich aber nur ein kleiner Wermutstropfen. Über weite Strecken ist Faster sehr kurzweilig und spaßig. Für einen perfekten Videoabend mit Popcorn und einem Döschen Cola kann man definitiv zu Schlechterem greifen. Wie Hunt to Kill beispielsweise. Allein der Gedanke schaudert mich...

