Ich habe hier zwei kleine Geschichten, die ich vor einem Jahr schon mal in einem anderen Thread gepostet habe. Ja es ist viel Text, aber dem ein oder anderen würde es nicht schaden folgende Auszüge zu lesen.
Die Tasse Tee
Der Professor kam zu dem Haus des Zen-Meisters und stellte sich ihm vor. Dabei nannte er prahlend all die Titel und akademischen Grade, die er während der langen Jahre seines Studiums erreicht hatte. Dann sagte der Professor ihm den Grund seines Besuches, nämlich dass er alle Geheimnisse der Zen-Weisheit erlernen wollte.
Statt ihm Erklärungen zu geben, lud der Meister ihn dazu ein, sich zu setzen und servierte ihm eine Tasse Tee. Als die Tasse voll war, goss der weise alte Mann, der scheinbar zerstreut war, weiterhin Tee in die Tasse, sodass die Flüssigkeit überlief und sich über den Tisch ergoss.
Der Professor konnte nicht anders und rief warnend: “Die Tasse ist voll, es geht kein Tee mehr hinein!” Der Meister stellte die Teekanne beiseite und sagte: “Du bist wie diese Tasse, du bist randvoll mit Meinungen und Vorurteilen angekommen. Wenn du deine Tasse nicht leerst, dann wirst du nicht in der Lage sein, etwas zu lernen.”
Die erste unserer fünf buddhistischen Erzählungen lehrt uns, dass es unmöglich ist, etwas zu lernen und neue Ansichten in Betracht zu ziehen, wenn man den Kopf voller Vorurteile hat. Es ist notwendig, “sich selbst zu leeren” und sich von alten Prinzipien zu befreien, damit man für neue Lehren offen sein kann.
Das Geschenk
Buddha war gerade dabei, seine Lehren an einige Anhänger zu vermitteln, als ein Mann zu ihm kam, mit der Absicht ihn zu attackieren, und ihn schlimm beleidigte. Unter den Blicken aller Anwesenden reagierte Buddha mit äußerster Gelassenheit und blieb vollkommen ruhig und still.
Als der Mann ging, fragte einer seiner Anhänger, der von solchem Verhalten verärgert war, warum Buddha zugelassen hatte, dass ihn ein Fremder so beleidigt.
Buddha antwortete ruhig: “Wenn ich dir ein Pferd schenke, du es aber nicht annimmst, wem gehört das Pferd dann?” Sein Schüler antwortete nach kurzem Zögern: “Wenn ich es nicht annehme, dann wäre es immer noch dein Pferd.”
Buddha nickte und erklärte: “Auch wenn einige Menschen sich dazu entscheiden, ihre Zeit damit zu verschwenden, uns zu beleidigen, können wir dennoch entschieden, ob wir diese Beleidigungen annehmen oder nicht, genauso wie wir es mit jedem anderen Geschenk machen würden. Wenn du es annimmst, akzeptierst du es. Und wenn nicht, bleibt derjenige, der dich beleidigt, einfach mit einer Beleidigung in den Händen zurück.”
Wir können die Person, die uns verletzt, nicht beschuldigen, denn es ist unsere Entscheidung, deren Worte zu akzeptieren, statt sie einfach mit den Worten auf den Lippen stehen zu lassen.