Nichts für ungut, aber das kannst du mit deinen 38 Jahren überhaupt nicht beurteilen. Ich persönlich würde die Zeit auch nicht mehr zurückdrehen wollen – obwohl ich gerne noch mal jung wäre. Ich bevorzuge ein Leben im Hier und Jetzt mit all seinen Vorzügen.
Wenn heute jemand sagt, früher in der DDR ging es ihm besser, dann empfindet er das eben so. Wo liegt das Problem? Fakt ist: Das Leben in der DDR war einfacher. Nach der Schule bekam man eine Lehrstelle und konnte anschließend bis zur Rente im selben Betrieb arbeiten. Niemand musste Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes haben, und das Leben war eigentlich bis zur Rente durchstrukturiert. Man musste sich um nichts weiter kümmern.
Geldprobleme gab es kaum, weil die Lebenshaltungskosten extrem niedrig waren. Solche krassen sozialen Unterschiede wie heute gab es nicht. Gerade in ländlichen Gegenden führte das zu einem guten Miteinander. Die Leute trafen sich im Konsum oder in der Kneipe, um zu quatschen. Solche Treffpunkte gibt es heute auf den Dörfern gar nicht mehr, weil sie alle schließen mussten.
Durch die soziale Ungleichheit sind die Menschen heute weniger offen; man zieht sich mehr zurück, was auch zu Verbitterung führen kann. Viele hatten ein unbeschwertes Leben in der DDR und waren zufrieden – so ging es mir auch, selbst wenn ich oft über den Staat gemeckert habe.
Wer nicht in der DDR gelebt hat, kann das überhaupt nicht beurteilen. Ich denke, die meisten Menschen sind glücklich, dass die Mauer gefallen ist, und würden sich kein Leben in der DDR mehr wünschen – mich eingeschlossen. Aber wer das nicht miterlebt hat, sollte einfach nicht abfällig über Leute sprechen, die nostalgisch auf diese Zeit zurückblicken.