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Der Ukrainekrieg

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Und so macht er sich (unter Applaus) auf dem Weg:

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Wenn wir ehrlich sind, hätte Prigoschin aber auch nichts erreichen können. Was wäre denn passiert, wenn er Moskau erreicht hätte? Putin bleibt unerreichbar für ihn, und auch wenn er ein paar Regierungsgebäude besetzt, heißt das nicht gleich, dass er das Land beherrscht. Es hätten sich schon bedeutende Teile der Armee auf seine Seite schlagen müssen, um einen Unterschied zu machen. Aber das ist augenscheinlich nicht geschehen.
 
Schon bissel was ne ältere News, hatte mich aber länger nicht mehr mit der wirtschaftlichen Lage der Russischen Föderation befasst:



Der Krieg wird für Russland immer teurer - Tagesschau
Der Angriffskrieg gegen die Ukraine kommt Russland zunehmend teuer zu stehen. Laut russischem Finanzministerium ist der Etat im ersten Quartal klar ins Minus gerutscht. Gleichzeitig wertet der Rubel ab.

Der russische Staatshaushalt ist in den ersten drei Monaten des Jahres tief in die roten Zahlen gerutscht. Laut Finanzministerium in Moskau lag das Defizit von Januar bis März bei 2,4 Billionen Rubel - das sind umgerechnet 26,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum verzeichnete der russische Etat noch ein Plus von 1,13 Billionen Rubel.

Grund für das Minus sind hohe Rüstungsausgaben infolge des Angriffskriegs gegen die Ukraine bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen aus Energieexporten. Während die Einnahmen im ersten Quartal im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2022 um gut 20 Prozent auf 5,7 Billionen Rubel einbrachen, stiegen die Ausgaben um 34 Prozent auf 8,1 Billionen.

Zugleich verliert der russische Rubel massiv an Wert. Sein Kurs fiel heute auf den niedrigsten Stand im Vergleich zu Euro und Dollar seit April 2022. Dabei durchbrach er die Schwelle von 90 Rubel pro Euro. Grund ist Händlern zufolge eine ganze Reihe von Problemen, darunter der Verkauf westlicher Vermögenswerte an inländische Investoren, was die Nachfrage nach dem Dollar anheizt.

Nach Analysen der europäischen Ratingagentur Scope ist kein Ende der negativen wirtschaftlichen Entwicklung Russlands absehbar. So würden die geringeren Einnahmen durch Energieexporte das Loch im Staatsetat auch in diesem Jahr insgesamt vergrößern, und zwar auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). 2022 hatte das Defizit noch bei gut zwei Prozent gelegen.

Allerdings gehen die Scope-Analysten davon aus, dass der Staat das Haushaltsloch zunächst noch ohne größere Probleme stopfen kann: "Bis auf Weiteres kann Russland sein Defizit relativ leicht finanzieren, indem es den Nationalen Vermögensfonds in Anspruch nimmt", betonte die Ratingagentur.

Dieser dürfte allerdings schmelzen: Ende 2024 werde der Fonds voraussichtlich nur noch 3,7 Prozent des BIP entsprechen, nachdem er Ende 2021 - also kurz vor Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine - noch 10,4 Prozent ausmachte. Ein anderer Weg, das Haushaltsloch zu stopfen, sei die Ausgabe inländischer Anleihen an staatliche Banken.

Im russ. Nationalen Vermögensfond liegen wohl noch so $154,5 Milliarden stand April 2023.
Scheint seit diesem Jahr aber rapide wegzuschmelzen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Naja Russland bringst du finanziell nicht in Not, während die EU und auch Deutschland mit 70-150% des BIP verschuldet sind ist es in Russland immer noch bei 20-30%. Also sie sind quasi Schuldenfrei. Dazu habe Sie eben den Staatsfond (Vermögensfond) wo Geld geparkt ist. Davon kann ausser Norwegen ja nur ganz Europa träumen.

Was war das denn heute? Irgendwie wie in einem schlechten B-Movie.
Putin hat das doch jetzt massiv ansehen gekostet, erst redet er von Sie werden bestraft und jetzt darf der Prigoschin davonkommen?
 
Wenn wir ehrlich sind, hätte Prigoschin aber auch nichts erreichen können. Was wäre denn passiert, wenn er Moskau erreicht hätte? Putin bleibt unerreichbar für ihn, und auch wenn er ein paar Regierungsgebäude besetzt, heißt das nicht gleich, dass er das Land beherrscht. Es hätten sich schon bedeutende Teile der Armee auf seine Seite schlagen müssen, um einen Unterschied zu machen. Aber das ist augenscheinlich nicht geschehen.

Es hätte zumindest zu einer maximalen Destabilisierung des Systems geführt. Putin ist jetzt schon massiv angezählt, da die ganze Situation ihn schwach aussehen lässt. Mir kam es gestern so vor, als würde man ein weiteres Mal öffentlich sehen können, dass es sich bei Russland um einen aufgeblasenen Scheinriesen handelt. Es wurde auf eindrucksvolle Weise deutlich gemacht, dass es sich hier nicht um eine Regierung handelt, bzw. was wir darunter verstehen. Es zeigte sich überdeutlich, dass wir es hier mit einer Verbrecherbande, einem Mafiastaat zu tun haben, der nur staatstragend tut und dem es in Wirklichkeit um die Selbstbereicherung geht. Ich glaube, es gab bisher keinen Moment, wo das so klar und deutlich nach außen hin zu erkennen war. Alles nur Show in Moskau. Und wenn Progischin bis nach Moskau gekommen wäre, die Gefahr wäre groß gewesen, dass das ganze System implodiert wäre. Und ich denke auch, dass es dazu viel Anlass zur Hoffnung gibt. Das könnte der Anfang vom Ende sein. Die Frage wir dann sein, ob die Zivilgesellschaft dann die Zeichen der Zeit erkennt, oder ob der Staat dann in seine Einzelteile zerfällt.
 
Gibt es aus den letzten Jahrzehnten denn Beispiele, wo eine Zivilgesellschaft einen zerfallenden Staat aufgefangen hätte? Ist ne ernstgemeinte Frage, denn soweit ich in Erinnerung habe ist es danach meist eher schlimmer geworden.

Das stimmt schon. Möglicherweise kann man einen multiethnischen Flickenteppich wie Russland nur mit Gewalt zusammenhalten und der schrittweise Zerfall in seine Einzelteile st unaufhaltsam. Anderseits gibt es ja nun mal etablierte staatliche Strukturen, die für alle Vorteile haben. Vorgezogene Wahlen wären sicher als erster Schritt wichtig, um der Zvilgesellschaft wieder neues Leben einzuhauchen.
 
Es hätte zumindest zu einer maximalen Destabilisierung des Systems geführt.
Ich vermute das er genau das eben verhindern wollte, denn Prigoschin ist ja selber ein Profiteur der Russischen Kleptokratie, der in dem System vom verurteilten Schwerverbrecher zum Milliardär geworden ist. Es kann also durchaus sein das er wirklich nur Veränderungen beim Militär und etwas mehr Macht innerhalb des Systems wollte.

Und ich frage mich auch ob eine echte Demokratie in Russland jetzt schon funktionieren könnte.
Denn Putin ist ja nur da wo er ist weil die Bevölkerung so desillusioniert von der kurzen Demokratischen Zeit war. Das war für viele viele Russen die schwerste Zeit ihres Lebens. Extrem um sich greifende Armut, ein belehrend und durchaus schadenfroh auftretender Westen, Kriminalität usw.
Und jetzt sind ja sogar noch viele gebildete Junge Menschen ins Ausland geflohen, also genau die Menschen die man jetzt bräuchte um einen Neuanfang von innen heraus zu Organisieren. Da werden viele, jetzt nachdem sie weg sind, eben auch weg bleiben.
Dazu die ganzen Oligarchen die sich jetzt auch noch Söldner Truppen aufbauen um sich abzusichern, Bereiche in Russland die auch eine Unabhängigkeit anstreben könnten wenn sie eine Chance sehen usw.
Also die Chancen das es für die Menschen sogar noch schlimmer werden könnte wenn das System kollabiert sind nicht grade gering.
 
Ich vermute das er genau das eben verhindern wollte, denn Prigoschin ist ja selber ein Profiteur der Russischen Kleptokratie, der in dem System vom verurteilten Schwerverbrecher zum Milliardär geworden ist. Es kann also durchaus sein das er wirklich nur Veränderungen beim Militär und etwas mehr Macht innerhalb des Systems wollte.

Und ich frage mich auch ob eine echte Demokratie in Russland jetzt schon funktionieren könnte.
Denn Putin ist ja nur da wo er ist weil die Bevölkerung so desillusioniert von der kurzen Demokratischen Zeit war. Das war für viele viele Russen die schwerste Zeit ihres Lebens. Extrem um sich greifende Armut, ein belehrend und durchaus schadenfroh auftretender Westen, Kriminalität usw.
Und jetzt sind ja sogar noch viele gebildete Junge Menschen ins Ausland geflohen, also genau die Menschen die man jetzt bräuchte um einen Neuanfang von innen heraus zu Organisieren. Da werden viele, jetzt nachdem sie weg sind, eben auch weg bleiben.
Dazu die ganzen Oligarchen die sich jetzt auch noch Söldner Truppen aufbauen um sich abzusichern, Bereiche in Russland die auch eine Unabhängigkeit anstreben könnten wenn sie eine Chance sehen usw.
Also die Chancen das es für die Menschen sogar noch schlimmer werden könnte wenn das System kollabiert sind nicht grade gering.

Sicher sind die Bedingungen nicht besonders gut. Aber wie wahrscheinlich war ein arabischer Frühling? Oder die anhaltenden Proteste im Iran? Ich denke, vieles hängt immer auch davon ab, welche charismatischen Führungspersönlichkeiten sich an den Kopf einer Bewegung stellen und an denen sich die Menschen orientieren können. Wenn ein Nawalny aus dem Knast käme, zum Bespiel. Der wartet nur darauf.
 
Putin ist gestern vor den Augen der Welt und vor seinem Volk gedemütigt worden - und hat selbst viel dazu beigetragen, wie ein Feigling auszusehen. Das werden die Russen nicht vergessen - das wird aber Putin auch Prigoschin nicht vergessen. Wie kann Prigoschin ernsthaft glauben, nach der Aktion in Belarus sicher zu sein? Ich würde sagen, der Mann hat gestern sein Todesurteil unterschrieben.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass Prigoschin möglicherweise aus purer Verzweiflung gehandelt hat.

Das Verteidigungsministerium wollte, dass Prigoschin diesen Vertrag unterzeichnet. Was wäre eigentlich gewesen, wenn er das nicht getan hätte? Wagner funktioniert nur, so lange Sold, Munition und Waffen fließen. Woher kommt all das? Vom Kreml! Würde der Kreml Wagner nicht mehr beauftragen, wäre Prigoschin aufgeschmissen. Er müsste seinen Leuten dann erklären, dass es keinen Sold mehr gibt, denn er kann die Jungs sicher nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Kein Geld, keine Waffen, kein Nachschub - Wagner wäre in kürzester Zeit erledigt gewesen. Auf der anderen Seite konnte sich Prigoschin auch ausrechnen, dass er erledigt ist, sollte das Verteidigungsministerium die Kontrolle über Wagner erlangen.

Also hat er womöglich aus purer Verzweiflung heraus diesen Aufstand angezettelt (allein der Zeitpunkt ist bemerkenswert: wenige Tage, ehe der Vertrag mit dem Ministerium in Kraft treten sollte) in der Hoffnung, genug Russen würden sich anschließen. Das ist nicht geschehen. Also befindet er sich gestern auf dem Weg nach Moskau und ihm geht zunehmend die Düse. Er weiß, dass Putin ihn an den Eiern aufhängen lassen wird, wenn sein Putsch scheitert. Und auch Prigoschin kann sich ausrechnen, dass 25.000 Söldner nicht gegen die russische Armee bestehen können - und was, wenn das länger dauert und Sold wirklich ausbleibt? Werden ihm seine Söldner dennoch folgen?

Dann ruft Lukaschenko an und Prigoschin ist heilfroh. Er lässt sich auf den Deal ein, verschwindet nach Belarus und wird sich für den Rest seines Lebens nicht mehr sicher fühlen. Was derweil aus Wagner wird, ist völlig offen. Aber ich bin mir sicher, der Kreml wird schon dafür sorgen, dass sie Prigoschins Kontrolle entzogen wird.
 
Sicher sind die Bedingungen nicht besonders gut. Aber wie wahrscheinlich war ein arabischer Frühling? Oder die anhaltenden Proteste im Iran? Ich denke, vieles hängt immer auch davon ab, welche charismatischen Führungspersönlichkeiten sich an den Kopf einer Bewegung stellen und an denen sich die Menschen orientieren können. Wenn ein Nawalny aus dem Knast käme, zum Bespiel. Der wartet nur darauf.
Ich sage ja nicht dass das nicht passieren könnte. Ich wollte damit nur auf die Geschichte in Russland und eben die gefahren hinweisen.
Denn den Arabischen Frühling kann man wohl getrost als gescheitert betrachten und auch die Proteste im Iran haben bis jetzt zu nichts geführt. Es muss also nicht Automatisch besser werden wenn das Putin Regime abgesetzt wird, das ganze könnte auch gehörig eskalieren und noch schlimmer werden.

Und Lukaschenko ist ja nur eine Marionette, wenn die Anweisung aus Russland kommt wird der schon ein Fenster öffnen oder einen Schmackhaften Polonium Tee zubereiten ^^
 
Dann ruft Lukaschenko an und Prigoschin ist heilfroh. Er lässt sich auf den Deal ein, verschwindet nach Belarus und wird sich für den Rest seines Lebens nicht mehr sicher fühlen. Was derweil aus Wagner wird, ist völlig offen. Aber ich bin mir sicher, der Kreml wird schon dafür sorgen, dass sie Prigoschins Kontrolle entzogen wird.

So wie ich das gelesen habe soll Wagner wohl aufgelöst und den Soldaten normale Verträge im Militär angeboten werden.
 
Sicher sind die Bedingungen nicht besonders gut. Aber wie wahrscheinlich war ein arabischer Frühling? Oder die anhaltenden Proteste im Iran? Ich denke, vieles hängt immer auch davon ab, welche charismatischen Führungspersönlichkeiten sich an den Kopf einer Bewegung stellen und an denen sich die Menschen orientieren können. Wenn ein Nawalny aus dem Knast käme, zum Bespiel. Der wartet nur darauf.

Aber der arabische Frühling ist doch ein Paradebeispiel dafür, wie etwas eigentlich Gutes in der Katastrophe endet. Gäbe es Sadam, Gaddafi & Co. heute noch würde es den meisten Menschen in der Region trotz der verbrecherischen Regime vermutlich deutlich besser gehen als aktuell. Bei ein paar hunderttausend Toten weniger. Da wird einem dann ne zynische Sichtweise vorgeworfen, aber ändert imo nichts daran, dass es so wäre.
 
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