Gestern den Prolog (Tutorial) und die erste Mission angezockt.
Atmosphäre ist top. Bietet schicke Rendersequenzen, die geschmeidig in Gameplay übergehen und beide vermitteln dabei eine wirklich dichte und der Vorlage würdige Stimmung. Ist da mit seinem CGI-In-Engine-Verhältnis ähnlich wie ein Diablo IV aufgezogen. Wobei es natürlich kein Multimillionen Dollar Blizzard Game ist und entsprechend nicht alles so sehr glänzt wie bei der AAA Konkurrenz. Das sollte man immer im Hinterkopf haben. Dafür ist es aber handwerklich gut und vorlagengetreu inszeniert. (Gibt nur englischen Ton mit deutschen Untertiteln.)
Gameplay ist tatsächlich wie seinerzeit in Full Spectrum Warrior, nur in einer Top-Down Perspektive. Wer Full Spectrum Warrior kennt, wird wissen, was er hier ungefähr vorgesetzt bekommt. Wer es nicht kennt, dem erkläre ich es ganz kurz: Dark Descent ist ein Echtzeit-Strategiegame. Du steuerst zeitgleich ein Squad von vier Marines mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Sagst ihnen via Tastendruck wo sie hinlaufen sollen, welche Geräte sie bedienen möchten usw. Geschossen wird automatisch, sobald ein Gegner im Sichtfeld ist. So weit, so einfach. Interessant wird es dann bei den Fähigkeiten. Die Aliens sind nämlich kein Kanonenfutter. Jeder Marine hat verschiedene Fähigkeiten, Waffen oder Gadgets. Der eine trägt z.b. eine Shotgun für höheren Nahkampfschaden, der andere kann Granaten werfen usw. Dann kannst du noch Sperrfeuer befehligen, Türen versiegeln, damit die Aliens dir nicht sofort folgen können und vieles mehr. Während du dein Handeln planst und Fähigkeiten auswählst, läuft das Spiel in Zeitlupe ab (bzw. pausiert komplett, kann im Menü eingestellt werden).
Im Grunde schickst du dein Squad also durch Alien verseuchtes Gebiet, erfüllst dabei bestimmte Aufgaben (Personen retten, Informationen bergen usw.) und musst bei Feinkontakt deine Marines gewissenhaft und gekonnt einsetzen, um dem hässlichen Xenomorph erfolgreich die grüne Aliensuppe aus der Rübe ballern zu können.
Was gar nicht so einfach ist. Denn die ganzen Fähigkeiten wollen gut verstanden, eingesetzt und vorher überhaupt erst ausgerüstet werden.
Zwischen den Missionen befindest du dich nämlich in deinem Hauptquartier. Ganz ähnlich wie in einem XCOM. Hier rüstest du deine Marines aus, erforschst und verbesserst Waffen und Fähigkeiten, verarztest verwundetes Personal und wählst Missionen. Verwundetes Personal, weil sich Marines während Missionen auch mal ein Bein brechen und deswegen nur noch langsam laufen können. Die kommen dann auf die Krankenstation, fallen für die nächste Mission aus und werden schneller wieder gesund, wenn du ihnen manuell einen Arzt zuteilst. So musst du dir dauernd einen Überblick verschaffen und deinen Trupp und deine Ressourcen gut managen.
Das Spiel hat deutlich mehr Tiefgang als angenommen. Und das bereits in den ersten 90 Minuten. Gibt viel zu entdecken, upzugraden und in den Kämpfen geschickt einzusetzen. Ist nicht ganz einfach, macht durch die Echtzeitkomponente aber auch super viel Spaß. Mir sogar deutlich mehr als etwa ein XCOM. Rundenstrategie ist mir nämlich meist zu dröge. Hier stehst du ständig unter Zeitdruck, weil du eben verfolgt wirst und dabei die Lage im Blick halten und deine Marines gescheit einsetzen musst.
Atmosphärisch dabei wie gesagt echt super. Hier und da lädt mal eine Textur nach, manchmal auch erst ziemlich spät, und anfangs wird man von den Möglichkeiten etwas erschlagen, aber es ist eben auch nur ein AA Game zum Budgetpreis und daran gemessen viel besser als gedacht. Schwierigkeitsgrad lässt sich übrigens detailliert einstellen. Zum Beispiel separat die Lebensenergie der Aliens, den Stressanstieg deiner Marines, die Häufigkeit der Autosaves und ähnliches.
Vielversprechender Einstieg und definitiv ein Spiel für Alien Fans, wenn man auf Full Spectrum Warrior-esque Echtzeitstrategie steht.