Habe mir letzte Woche den Razer Wolverine V2 Chroma gekauft und als hätte ich es gewusst, shadowdroppen sie einige Tage später Hi-Fi Rush, das prädestinierte Spiel für diesen Controller.
Wieso? Weil der Wolverine V2 Chroma mechanische Facebuttons hat! Was für mich auch der Kaufgrund war.
Aber kurz noch die übrigen Features aufgelistet, bevor ich weiter darauf eingehe:
- wie vom Elite gewohnt: austauschbare Analogsticks in verschiedenen Längen. Fühlen sich gut an, wenn auch etwas "leichtgängiger" als beim Original. Am Widerstand kann hier auch nichts geändert werden.
- wie vom Elite gewohnt: einstellbare Trigger-Wege (normal und kurz). Funktioniert. Nicht besser, aber auch nicht schlechter als bei den Konkurrenzprodukten und nicht so "Buttonklick-kurz" wie beim Scuff. Trigger bedienen sich sauber, bieten aber kein Trigger-Rumble.
- wie vom Elite gewohnt: 4 zusätzliche, hier fest verbaute Backbuttons/Pedale auf der Unterseite. Die sind auch mein größter Kritikpunkt, denn während sie prinzipiell gut erreichbar sind, ist ihre Ausrichtung einfach nicht optimal. Ich komme zwar problemlos an die Buttons, rutsche dann aber meistens irgendwie ab, weil sie nicht in "Finger-Richtung" positioniert sind. Perfekt wären diese "eingelassenen" Buttons wie beim Scuff. Dort liegen eh die Finger und man kann sie easy betätigen. Auch noch besser wären Paddles wie beim Elite. Beim Razer fühlt sich immer etwas verkrampft an. Glücklicherweise nutze ich die "Backbuttons" eh nur sehr selten bis gar nicht - vor allem, wegen der zusätzlichen Schulterbuttons (siehe unten).
- wie immer bei Fremdherstellern: kabelgebunden (glaube 3m). Doof, wenn man damit durchs Zimmer tanzen oder ewig weit weg sitzen möchte. Mich tangiert es nur bedingt, weil ich eh sehr nah vor der Konsole hocke. Dass ich jetzt keine Akkus mehr laden und noch bessere Reaktionszeiten habe, verzeichne ich mal als positiv. Trotzdem hast du durch das Kabel natürlich immer diesen gewissen "Zug" am Controller. Gewöhnungssache.
- RGB-LED Beleuchtung. Wer es braucht. Leuchtet halt. Kann frei eingestellt und auch ausgeschaltet werden.
- ähnlich wie beim Elite: gummierte/texturierte Grips. Fühlen sich auch echt griffig an. Überhaupt liegt der Controller überraschend gut in der Hand. Er ist jedoch deutlich leichter als der Elite (gefühlt sogar noch minimal leichter als ein Standard Controller). Fehlen eben Akkus und Trigger-Rumblemotoren, was Gewicht spart. Persönlich habe ich lieber schwerere Controller, weil die sich etwas "satter" fassen lassen und dadurch irgendwie wertiger anfühlen. Macht der Wolverine V2 aber durch seine allgemein sehr gute Verarbeitung fast wieder wett.
- eine brauchbare App mit allerlei Einstellungsmöglichkeiten, Button-Mapping, Anlegen verschiedener Profile (wenn ich das richtig gesehen habe unbegrenzt viele) usw. gibt es natürlich auch
So weit im Grunde nichts neues. Eine Featureliste vergleichbar mit dem Elite Controller, wenn auch überall etwas weniger Möglichkeiten, und auch sonst erstaunlich gut verarbeitet.
Der große Pluspunkt sind aber die vier Facebuttons. A,B,X,Y und auch das Steuerkreuz (!) haben mechanische Anschlagpunkte. Sie fühlen und hören sich auch an wie eine mechanische Tastatur, was sie sehr "direkt" macht. Bei den üblichen Controllern sind die Buttons einfach nicht so "klicky" und ich hatte immer mal wieder das Gefühl, dass Eingaben verschluckt werden. Nicht so häufig, dass ich von einem Defekt oder Designfehler sprechen würde, es ist eher Bauartbedingt, aber je nachdem wo ich den Button andrücke (z.b. mal nicht ganz mittig), wird die Eingabe übersehen oder verzögert ausgeführt.
Das ist hier nicht der Fall. Bis jetzt wurde jeder einzelne Druck präzise erkannt - ich habe nachgezählt.

Nicht zu unterschätzen ist auch das "mechanische" Steuerkreuz. Gerade bei schnellen Menüeingaben oder Beat 'em Ups zu spüren. Finde das "klicken" unheimlich befriedigend.
Und damit kommen wir zu meinem zweiten Highlight, nach der Button-Mechanik an sich: den zusätzlichen Schultertasten. Ja genau, er hat noch jeweils einen weiteren Button zwischen LB/RB und Triggern. Und diese Buttons sind ebenfalls mechanisch.
Zuerst dachte ich "Eeh, ist das nicht too much da oben?". Nein, ist es nicht. Es ist perfekt. Für die Schulterbuttons muss ich mit den Fingern nämlich immer ein My nach oben rutschen. Ist schwer zu beschreiben und jeder sieht das wahrscheinlich auch anders, weil er größere/kleinere Hände hat, aber ich hebe den Finger immer spürbar an, wenn ich LB/RB betätige. Ist beileibe kein Beinbruch, da denkst du während des Zockens ja nicht drüber nach, aber die neuen Buttons liegen halt genau an meiner Fingerspitze. Heißt: ich betätige den Trigger mit dem ganzen "inneren" Finger und kann dann blitzschnell den Button klicken, indem ich nur die Fingerspitze antippe. Da sie auch mechanisch sind, ist das Ergebnis dann auch sofort da. Entsprechend habe ich jetzt standardmäßig einfach LB/RB auf die zusätzlichen Buttons "erweitert", könnte sie aber natürlich auch anderweitig programmieren.
Da kam mir Hi-Fi Rush für diesen Controller Test nun natürlich sehr gelegen, denn das erfordert gut getimte Eingaben. Und für das Dashen und Parieren braucht man RB. Lustigerweise gelingt mir das mit den Bonus-Schulterbuttons jetzt immer perfekt. Genau so wie das Kampfsystem mit den Facebuttons einfach nur super präzise von der Hand geht. Blöd nur, dass meine Reaktionszeit deutlich langsamer ist als die des Controllers.
Der Gerät hat eine UVP von 160€, was meiner Meinung nach zu viel ist. Also schon fast aus Prinzip. Ist zwar gut verarbeitet und Buttons wie Steuerkreuz sind ernsthaft genial, aber ich weiß nicht, ob es das wert ist, wenn der eh schon sehr gelungene Standard Controller häufig nur 40€ kostet. Das steht in meinen Augen in keiner Relation. Habe ihn die Tage bei Amazon aber für rund 100€ bekommen und da wird er für Vielzocker definitiv interessant.
Bei meinem Nutzungsverhalten würde ich die mechanischen Buttons, vor allem die beiden Schultertasten, jedem Paddle vorziehen. A,B,X,Y sind am Ende dann halt doch die Buttons, auf die ich beim Zocken am meisten eindresche und wenn die perfekt sind, lässt das über etwaige Schwächen irgendwelcher Sondertasten oder die Kabel-Verbundenheit hinwegsehen. Schneller und direkter habe ich an einem Controller noch nie "geklickt".
Wer natürlich auf die Backbuttons/Paddles schwört und sie ernsthaft braucht, wird bei anderen Controller besser bedient.
Ansonsten ist das ein ernstzunehmender Controller-Konkurrent von Razer und spätestens Hi-Fi Rush hat mich überzeugt: das wird mein neues "to go" Pad für den Zockalltag.