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Auf Zeit.online habe ich gerade ein interessantes Interview mit einem Militärökonomen aus Zürich gelesen. Kernaussage: Putin hat den Krieg längst verloren. „Ich rechne mit einer Niederlage Russlands im kommenden Jahr“. Leider nur für Abonnenten. Hier ein paar Aussagen:
Keupp: Der Krieg war für Russland eigentlich schon nach der Niederlage vor Kiew Ende März strategisch verloren. Die ursprüngliche russische Invasionsarmee, die im Februar einmarschiert ist und aus professionellen Soldaten bestand, ist weitgehend aufgerieben. Der Rest dieser Truppen, die kampferfahren und gut ausgebildet sind, steht nun am Dnipro. Aus russischer Sicht aber auf der falschen Seite. Und die Flussübergänge sind weitgehend zerstört. Sie kommen dort nicht weg. Wenn es den Ukrainern gelingt, diese Verbände einzukesseln und gefangen zu nehmen, haben die Russen nichts mehr.
ZEIT ONLINE: Und was ist mit der Wagner-Linie und anderen Stellungen, mit denen der Vormarsch der Ukrainer aufgehalten werden soll?
Keupp: Kleine Betonpyramiden, die nicht im Boden verankert sind, halten keinen Kampfpanzer aus. Und auch die Wagner-Söldner und ihre Linie werden überschätzt. Die Wagner-Kämpfer haben wochenlang versucht, Bachmut im Donbass zu erobern und sind dabei grandios gescheitert. Russland ist weder in der Lage, die Initiative zu ergreifen, noch die Truppen zu verlegen, deswegen graben sie sich ein. Im Ersten Weltkrieg hat das funktioniert, aber damals gab es keine Präzisionsartillerie. Heute gibt es Drohnen, die präzise GPS-Koordinaten an die ukrainischen Kanoniere übermitteln, die mit ihren modernen Mehrfachraketenwerfern die Stellungen der Russen pulverisieren.
Ich vermute, dass es eher die ethnischen Minderheiten sind, die besonders viele Soldaten stellen müssen und große Verluste im Krieg aufweisen, die für Unruhen sorgen könnten. Sie wurden in der Vergangenheit oft mit massiver Gewalt unterdrückt. Der heutigen Russischen Föderation dürfte das deutlich schwerer fallen als den Sowjets. Jetzt hat die Zentralregierung nicht mehr die Mittel, mit Gewalt für Ruhe zu sorgen, weil zu viele Soldaten in der Ukraine gebunden sind.
Keupp: Irgendwann, vielleicht im Frühjahr, werden die Ukrainer massiv in die Offensive gehen und versuchen, die Front zu spalten, die russischen Verbände zu trennen. Das könnte in Saporischschja geschehen. In der völkerrechtswidrig vom Kreml zum russischen Staatsgebiet erklärten Oblast stehen kaum noch russische Truppen. Die Frontlinie ist dort so dünn, dass einem massierten ukrainischen Angriff nicht standgehalten werden kann. Das wird in einem russischen Rückzug enden und vielleicht auch in einem Abzug aller Kreml-Truppen aus der Ukraine.
Keupp: Die Russen konnten Cherson einnehmen vor allem wegen Verrats von innen. Funktionsträger haben sich den Invasoren angedient, deswegen ist die Stadt im März so schnell gefallen. Das haben aber nicht alle Einwohner akzeptiert. Es entstanden Partisanengruppen, die immer wieder Anschläge verübt und Überläufer getötet haben. Militärisch konnten sie sich aber nicht gegen die reguläre russische Armee durchsetzen. Nun haben die ukrainischen Streitkräfte die Front vor der Stadt so eingedrückt, dass sie die Russen vor unlösbare logistische Probleme stellen. So gehen die Ukrainer immer wieder vor. Mit einer Unterbrechung des Nachschubs gelingt es ihnen, die Russen vor die Wahl zu stellen, entweder ihre Verbände abzuziehen oder sie dem Schicksal zu überlassen
Keupp: Die erste Aufgabe nach dem Krieg wird sein, die Grenze zwischen der Ukraine und Russland zu befestigen. Die Ukraine wird massiv aufrüsten müssen, um einer Bedrohung aus Russland begegnen zu können. Das gilt aber auch für das Baltikum und Polen. Um Kaliningrad wird gerade ein Zaun hochgezogen. So etwas wird auch die Ukraine brauchen. Das ist der neue Eiserne Vorhang.
Keupp: Der Krieg war für Russland eigentlich schon nach der Niederlage vor Kiew Ende März strategisch verloren. Die ursprüngliche russische Invasionsarmee, die im Februar einmarschiert ist und aus professionellen Soldaten bestand, ist weitgehend aufgerieben. Der Rest dieser Truppen, die kampferfahren und gut ausgebildet sind, steht nun am Dnipro. Aus russischer Sicht aber auf der falschen Seite. Und die Flussübergänge sind weitgehend zerstört. Sie kommen dort nicht weg. Wenn es den Ukrainern gelingt, diese Verbände einzukesseln und gefangen zu nehmen, haben die Russen nichts mehr.
ZEIT ONLINE: Und was ist mit der Wagner-Linie und anderen Stellungen, mit denen der Vormarsch der Ukrainer aufgehalten werden soll?
Keupp: Kleine Betonpyramiden, die nicht im Boden verankert sind, halten keinen Kampfpanzer aus. Und auch die Wagner-Söldner und ihre Linie werden überschätzt. Die Wagner-Kämpfer haben wochenlang versucht, Bachmut im Donbass zu erobern und sind dabei grandios gescheitert. Russland ist weder in der Lage, die Initiative zu ergreifen, noch die Truppen zu verlegen, deswegen graben sie sich ein. Im Ersten Weltkrieg hat das funktioniert, aber damals gab es keine Präzisionsartillerie. Heute gibt es Drohnen, die präzise GPS-Koordinaten an die ukrainischen Kanoniere übermitteln, die mit ihren modernen Mehrfachraketenwerfern die Stellungen der Russen pulverisieren.
Ich vermute, dass es eher die ethnischen Minderheiten sind, die besonders viele Soldaten stellen müssen und große Verluste im Krieg aufweisen, die für Unruhen sorgen könnten. Sie wurden in der Vergangenheit oft mit massiver Gewalt unterdrückt. Der heutigen Russischen Föderation dürfte das deutlich schwerer fallen als den Sowjets. Jetzt hat die Zentralregierung nicht mehr die Mittel, mit Gewalt für Ruhe zu sorgen, weil zu viele Soldaten in der Ukraine gebunden sind.
Keupp: Irgendwann, vielleicht im Frühjahr, werden die Ukrainer massiv in die Offensive gehen und versuchen, die Front zu spalten, die russischen Verbände zu trennen. Das könnte in Saporischschja geschehen. In der völkerrechtswidrig vom Kreml zum russischen Staatsgebiet erklärten Oblast stehen kaum noch russische Truppen. Die Frontlinie ist dort so dünn, dass einem massierten ukrainischen Angriff nicht standgehalten werden kann. Das wird in einem russischen Rückzug enden und vielleicht auch in einem Abzug aller Kreml-Truppen aus der Ukraine.
Keupp: Die Russen konnten Cherson einnehmen vor allem wegen Verrats von innen. Funktionsträger haben sich den Invasoren angedient, deswegen ist die Stadt im März so schnell gefallen. Das haben aber nicht alle Einwohner akzeptiert. Es entstanden Partisanengruppen, die immer wieder Anschläge verübt und Überläufer getötet haben. Militärisch konnten sie sich aber nicht gegen die reguläre russische Armee durchsetzen. Nun haben die ukrainischen Streitkräfte die Front vor der Stadt so eingedrückt, dass sie die Russen vor unlösbare logistische Probleme stellen. So gehen die Ukrainer immer wieder vor. Mit einer Unterbrechung des Nachschubs gelingt es ihnen, die Russen vor die Wahl zu stellen, entweder ihre Verbände abzuziehen oder sie dem Schicksal zu überlassen
Keupp: Die erste Aufgabe nach dem Krieg wird sein, die Grenze zwischen der Ukraine und Russland zu befestigen. Die Ukraine wird massiv aufrüsten müssen, um einer Bedrohung aus Russland begegnen zu können. Das gilt aber auch für das Baltikum und Polen. Um Kaliningrad wird gerade ein Zaun hochgezogen. So etwas wird auch die Ukraine brauchen. Das ist der neue Eiserne Vorhang.
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