@el_barto mein Problem ist halt, das ich keinen Ausweg aus diesem Konflikt sehe. Russland überfällt die Ukraine und Putin nimmt die Welt als Geisel. Man hat ihm im Februar vor diesem Schritt gewarnt als man schon vor der Grenze stand, interessiert hat ihn das bisher nicht besonders. Die Linie bleibt hart und an mögliche Friedensverhandlungen braucht man garnicht mehr zu denken. Der Westen sieht mehr oder weniger hilflos zu und bringt ein Sanktionspaket nach dem anderem auf den Weg und schadet sich damit gefühlt mehr als Putin. Das russische Volk wird Putin nicht stützen und dieser steht mit jedem Tag mehr mit dem Rücken an der Wand und droht dem Westen mit Vergeltung...
Oh, wir schaden damit Putin und Russland sehr! Er versucht es nur mit Propaganda nach innen und außen anders darzustellen. Die russische Wirtschaft liegt aber in Scherben, dazu haben sie ihre bisherige Hauptabnehmer für fossile Energieträger (uns) dauerhaft verloren. Und das ist mit Abstand (!!) der wichtigste Einkommensstrom des Landes. Sie erleiden einen riesigen Brain Drain, da hunderttausende Menschen - vorrangig aus hohen Bildungsschichten - das Land dauerhaft verlassen haben. Damit sind die Kapazitäten, autark die durch weggefallenen Wirtschaftsverflechtungen verlorenen Skills intern aufzubauen, eigentlich nicht vorhanden.
Hilflos ist der Westen nicht. Wir haben wohl die schärfsten und nachhaltigsten Sanktionen gegen ein relativ starkes Land etabliert, die es in der modernen Zeit je gab. Wir haben die EU in nur Monaten aus der Energieabhängigkeit von Russland befreit. Wir versorgen die Ukraine mit Unmengen an Kriegsgerät und Ausbildung, die einen wesentlichen (!!) Anteil am Kriegsverlauf haben. Allgemein mach der kollektive Westen so ziemlich alles, was man machen kann um Russland zu bekämpfen, was kein direkter Kriegseintritt ist. Das ist für mich keine Hilflosigkeit, sondern Resilienz und Geschlossenheit.
Und ja, momentan gibt es keinen direkten Ausweg abseits des plötzlichen Ablebens von Putin. Er selbst wird niemals einlenken, schon gar nicht unter Rückgabe der annektierten Gebiete - inklusive Krim.
Wenn die Ukraine doch klein beigibt, bekommt Putin wieder zumindest teilweise recht in seiner nationalistischen Expansionspolitik. Und auch wenn die Armee stark gebeutelt ist und die Wirtschaft die verlorenen und verschossenen Geräte, Munition etc. nicht problemlos wieder auffüllen kann - wer sagt, dass Putin nicht trotzdem auf Biegen und Brechen wo anders einmarschiert?
Und immer im Hinterkopf behalten: Ein Putsch, eine Revolution bahnt sich oft nicht langsam an. Irgendwann gibts den großen Knall und Putin ist weg und die Karten komplett neu gemischt. Wenn das passiert, wird es sich nicht vorher ankündigen - zumindest nicht mehr als es die momentan immer lauter werdenden Gerüchte über Unzufriedenheit in der Machtelite RUsslands derzeit auch schon tun.