Wie gestern in Aussicht gestellt, sage ich nun ein paar Worte zum Vergleich t500rs/Fanatec CSW V2.5/OSW. Ich entschuldige mich für die Länge sowie Wiederholungen; das meiste habe ich hier oder in anderen Threads schon gesagt... muss ja nur lesen, wer mag. Es gibt zudem auch noch andere gute Wheels (in sämtlichen Preissparten), welche ich aber weder besitze noch jemals selber gefahren bin – deshalb sage ich dazu auch nichts.
Eines vorne weg: Das Erfahren eines Wheels ist höchst subjektiv. Zudem macht ein Vergleich nur Sinn, wenn man die unterschiedlichen Wheels an demselben Rig mit derselben Sim testen kann und unter diesem Aspekt hinken dann die meisten Vergleiche bereits von Anfang an... das trifft zumindest teilweise auch auf die folgenden Zeilen zu. Zumindest aber kann ich das t500rs und die V2.5 einigermassen gut vergleichen, da ich beide Wheels unter gleichen Bedingungen in verschiedenen Sims über Jahre gefahren bin. Das OSW bin ich demgegenüber in Indys Überrig gefahren, wodurch natürlich ohnehin eine euphorische Stimmung bei mir da war (zuletzt war das ja im KT der Terminator unter den Rigs: Monster-Motionrig mit so ziemlich allem dran, was man sich so vorstellen und wünschen kann; mehr gibt es da nur in den einschlägigen Foren der SimRacing-Kranken).
Ich sage mal einfach ein paar Worte zu dein einzelnen Wheels:
T500rs:
Die Base des t500rs ist komplett aus Plastik, das Quick-Release ist aus Plastik, die Rims sind zu Teilen aus Plastik, die Buttons (wenn nicht Fake) machen grösstenteils einen lausigen Eindruck und man merkt dem ganzen System die im Vergleich zu Fanatec minderwertigen Materialien durchwegs an. So ist grundsätzlich weniger Steifigkeit und Stabilität in den Rims und v.a. deren Befestigung (auch mit Zusatzschraube) vorhanden. Das Drücken der Knöpfe und teilweise der Schaltwippen (F1-Rim... grausig, GTE dagegen wirklich gut) fühlt sich einfach nach Spielzeug an. Auch optisch sehen gewisse Dinge halt eher nach Kinderzeugs- statt nach SimRacing aus.
Auf der Habenseite steht meiner Meinung nach das beste Preis-/Leistungsverhältnis der drei Systeme. Ordentliche Kraft für eine non-DD-Base (auch im direkten Vergleich zur V2.5). Austauschbare (teils qualitativ gute; GTE z.B.) Rims sowie eine hohe Zuverlässigkeit. Mein t500rs hat mich nie im Stich gelassen und ich kenne auch keinen einzigen, der Probleme damit hatte (das trifft bei mir im Übrigen auf alle Thrustmaster Wheels zu, welche ich im Lauf der Jahre besessen habe). Ich kann das t500rs bzw. Modelle aus der entsprechenden Familie wirklich empfehlen, wenn man etwas Grundsolides will, aber nicht bereit ist, Mondpreise zu bezahlen. Wenn man aber – wie ich – total auf Rennsportoptik und edle Materialien steht, innerlich weiss, dass man früher oder später an der Konkurrenz ohnehin nicht vorbei kommen wird, und das entsprechende Budget vorhanden ist, kann man sich den Thrustmaster Zwischenschritt heute gleich sparen, denn Base und verschiedene Rims schenken preislich irgendwann auch ordentlich ein und die Wiederverkaufspreise sind eher dürftig.
CSW:
Das CSW von Fanatec durfte ich bereits in der Version 1 ausgiebig testen, habe mich aber lange gegen einen Kauf gesträubt, einfach weil die Dinger so dermassen unzuverlässig waren. Als Endkunde in der Schweiz hatte ich auch keine Lust, alle paar Wochen mein Equipment ins Ausland zu schicken... Zuverlässigkeit ist und bleibt für mich ein ganz zentrales Thema bei Wheels. Bei der V2 war ich dann dabei, sobald für mich klar war, dass die Qualität diesmal stimmt.
Die Base ist äusserst edel, schwer und macht einfach einen Bombeneindruck. Auch die Rims (ich besitze mittlerweile ein F1-Rim, das BMW-Rim, einen Hub mit Flat und GT-Rim sowie ein Aftermarket Rim; das McLaren Rim ist bestellt) machen einen fantastischen Eindruck, fühlen sich unglaublich wertig an und liegen perfekt in der Hand. Das Quick Release ist super (und im Gegensatz zum t500 wirklich "quick") verarbeitet, wobei es da durchaus Fertigungstoleranzen gibt: Manche Rims gehen leichter, andere schwerer auf die Base. Zudem variert das Spiel trotz hochwertiger Materialien je nach Rim. Die Schalt-LEDs und Displays sind ein nettes Gimmick, da ich aber ohnehin ein separates Dash nutze, war und ist das für mich zentrales Thema. Äusserst angenehm ist, dass man Einstellungen am Wheel on the fly vornehmen kann und auch mehrere Presets speichern kann – absolut vorbildlich. Ich stehe einfach total auf dieses Cockpitfeeling, was mir die Fanatec Produkte perfekt bieten.
Ist einem dies aber nicht wichtig, so ist der Mehrpreis gegenüber den Thrustmasterprodukten imo aber schwer zu rechtfertigen, denn die rohe Performance des Wheels ist meiner Meinung nach nicht so viel besser als die Konkurrenz (was sich durch die Leistungsdaten der Bases auch ohne Weiteres belegen lässt). Was die V2.5 da an Vorsprung hat, büsst sie durch die schweren und grossen Rims grösstenteils ein. Nutzt man nur z.B. das kleine Flat-Rim oder das F1-Rim, so reicht die Kraft bei Weitem. Mit dem GT und dem BMW-Rim geht der Base aber sowas von der Saft aus... Man kann sich gar nicht vorstellen, wie das gute Hebelgesetz hier wirkt: Jeder cm mehr an Durchmesser schenkt gewaltig ein. Das sollte man sich einfach bewusst sein, will man mit ordentlich Schmackes fahren. Das ist natürlich auch wiederum Geschmacksache und brachiale Lenkkräfte sind sicherlich – gerade in modernen Autos – nicht realistisch. Ich fahre trotzdem gerne mit viel Force.
OSW:
Die DD-Erfahrung war eindrücklich. Es beginnt halt schon dem Not-Aus-Knopf im Cockpit... das macht Eindruck. Die Kraft ist selbst mit dem "kleinen" Mige-Motor einfach nur brutal, egal welches Rim dran ist. Das Rim kann zudem um Faktoren schneller drehen als bei einem klassischen Belt- oder Getriebewheel. Ich denke, es macht nicht so viel Sinn, das erklären zu wollen, man muss es einfach mal erlebt haben. Ich muss hie und da schon ein wenig schmunzeln, wenn hier manch einer von Muskelkater wegen der V2.5 berichtet – das kann ich mir ehrlich gesagt kaum vorstellen. Ein DD ist da schon eine komplett andere Liga. Man sollte tunlichst aufpassen, wo man seine Finger platziert – es kann für die zarten Däumlein schon sehr schmerzhaft sein, wenn man diese wo reinsteckt, wo sie nicht hingehören und das Rim zurückschnellt... Bei kleineren Rims mit hohen Kräften beginnt das dann schon ordentlich zu Brennen in den Armen nach ein paar Runden... Für mich müssen dermassen extreme Kräfte nicht auf Dauer sein, aber eindrücklich zu Erfahren war es schon... Auf der Strecke kann ich nur sagen: Perfektes Feeling, perfektes Feedback, alles super-duper...
Das hat aber alles seinen Preis. Die Bases sind teuer, die Rims tatsächlich eigentlich noch teurer, will man da auch Buttons, Drehregler oder andere Dinge drauf haben... das geht echt heftig auf den Geldbeutel. Hinzu kommt, dass der Aufwand nicht zu vernachlässigen ist, bis so ein Wheel funktioniert: Erst einmal braucht man ein rocksolides Rig, ansonsten lenkt die ganze Bude mit. Ich denke, dass ich selbst mit meinem Alu-Rig konstruktiv einiges werde ändern müssen, sollte DD mal Einzug halten. Es gibt soooo viele Paramter zum Einstellen, das muss man auch einfach mögen. Zudem gilt: Wenn was nicht läuft, muss man sich halt i.d.R. selber helfen bzw. in Foren schlau machen. Dann kommen u.U. noch so Unzulänglichkeiten hinzu wie Ghosting oder einfach das Wissen, dass man da mit krassen Industriemotoren rumhantiert, auf welche – vereinfacht gesagt – in einem Garagenprojekt ein Rim draufgeschraubt wurde. Keine Ahnung, ob und welche Standards da eingehalten werden (mussten) – muss jeder für sich entscheiden. Für mich war klar: Wenn ich mir ein DD zulege, dann will ich etwas Marktreifes. Da hoffe ich jetzt auf Fanatec, wo ich dann meine Rim-Armada auch weiter nutzen könnte.
Ich denke, dass das Gesagte grösstenteils auch für das Simucube gilt (OSW gibt es ja so nicht mehr).
Zum Schluss gibt es halt nur das zu sagen, was immer gilt: Es hilft, wenn man testen kann. Und versprecht euch nicht bessere Rundenzeiten, sondern einfach ein besseres Feeling, besseres Feedback, eine bessere Optik, ein breiteres Grinsen...