Mingo
wohnt mietfrei in deinem Kopf
Wer tut das hier denn bitte? Weil man selber schreibt, daß es FÜR EINEN SELBST, nicht rassistisch ist, heißt das doch nicht, daß andere es sehr wohl als rassistisch ansehen können. Ich will hier doch keinen davon überzeugen, daß meine Meinung die richtigere ist. Anders herum passiert das hier aber die ganze Zeit. Hier muss man sich dann anhören, dass es unfassbar ist, dass man hier keinen Rassismus sieht und das da eh jegliche Diskussion unnötig ist.
Das ist doch ein Punkt, bei dem man sich einig sein kann und an dem man gleichzeitig nochmal verdeutlichen kann, warum man als weißer Mensch in Bezug auf seine Hautfarbe privilegiert ist.
Hier haben viele User das Gefühl, dass die Werbung nicht rassistisch ist, weil sie persönlich die Verbindung zur Hautfarbe anfänglich gar nicht gemacht haben, getreu nach dem Motto 'I don't see race'. Diesen Usern erscheint es an den Haaren herbeigezogen, dass etwas rassistisch sein soll, von dem man ihnen erst mal mühsam verdeutlichen muss, warum denn überhaupt eine Verbindung zwischen Botschaft des Pullis und Hautfarbe des Jungens bestehen soll.
Das kommt einem natürlich befremdlich vor: Warum soll man erst eine Verbindung zur Hautfarbe herstellen - und damit wieder die Unterschiede betonen, die man ja eigentlich versucht zu bekämpfen - wenn doch ohne diese konstruierte Herstellung alles in Ordnung wäre?
Und ja, im Grunde genommen hat man damit recht. Es wäre erstrebenswert, wenn diese Verbindung in den Köpfen der Menschen gar nicht mehr gemacht würde, wenn der Kategorie "Hautfarbe" überhaupt keine Relevanz mehr zugesprochen würde und wenn man dort nicht einen weißen und einen schwarzen Jungen sehen würde, sondern einfach nur zwei Jungen gleichen Alters.
Genau hier sollte jedoch deutlich werden, was das Privilegium ist, das man (in unserer Gesellschaft) als weißer Mensch hat. Man kann es sich erlauben, Hautfarbe als irrelevant zu betrachten, weil für einen selbst die eigene Hautfarbe tatsächlich irrelevant erscheint.
Als weißer Mensch wird man aller höchstens in Ausnahmefällen mit seiner Hautfarbe konfrontiert, als schwarzer Mensch bekommt man jedoch ungleich häufiger gespiegelt, dass man nicht weiß ist.
Das fängt vielleicht im Kleinen an, dass man selbst in dem Land, in dem man geboren ist, quasi ständig gefragt wird, wo man denn eigentlich her käme. Das geht weiter damit, dass man komischerweise wesentlich häufiger von der Polizei angehalten wird, als seine weißen Freund*innen. Es mag passieren, dass man aufgrund seiner Hautfarbe schwieriger eine Wohnung findet, sich bei gleicher Qualifikation schwerer bei der Jobsuche tut. Und so weiter, und so fort.
Als schwarzer Mensch hat man also unter Umständen gar keine Chance, der Kategorie Hautfarbe die Relevanz abzusprechen, weil einem tagtäglich und praktisch demonstriert wird, dass diese Kategorie durchaus Relevanz besitzt (und zwar in aller Regel mit negativer Konsequenz).
Und genau hier beißt sich dann die Katze in den Schwanz wenn man nun gerade diesen Menschen (oder Menschen, die für diesen Umstand sensibilisiert sind) vorhält, sie seien die eigentlichen Rassist*innen und diejenigen, die doch mal endlich davon ablassen sollten einen Unterschied zwischen Hautfarben zu sehen (auch wenn ich @Bautinho88 zitiert habe, will ich damit nicht sagen, dass dieser Vorwurf von dir kam; aber er kam).
Das ist doch der Punkt, auf den hier einige User aufmerksam machen wollen. Es geht mitnichten darum, krampfhaft eine rassistische Botschaft zu konstruieren, sondern es geht darum aufzuzeigen, dass es möglicherweise an unseren eigenen Priviliegien liegen könnte, dass wir diese Verbindung nicht erkennen (wollen).
Und das ist es auch, was man einem Unternehmen wie H&M zum Vorwurf machen kann und muss: dass hier vollkommen unsensibel mit dem Thema umgegangen wurde und offensichtlich nicht kritisch betrachtet wurde, warum diese Werbung möglicherweise als rassistisch aufgefasst werden könnte.
Letztendlich ist so etwas natürlich relativ einfach zu vermeiden; und zwar indem man in seiner Unternehmensstruktur auf Vielfalt setzt und die eigenen Mitarbeiter*innen dem Querschnitt durch die Gesellschaft entsprechen.

. Wenn es wirklich keine Symbolik hätte, ja dann würde ich dir definitiv zustimmen. Aber wach bitte auf.