Mantis
Ich bin für Werder.
http://m.spiegel.de/netzwelt/web/a-1127759.htmlKlar, sollte nicht sein. Das sind aber Dinge, auf die wir uns alle einigen können, denke ich.
Das Problem an dieser Diskussion sehe ich woanders. Wir haben relativ viele fremdenfeindliche Menschen. Es gibt viele Deutsche, mit und ohne Migrationshintergrund, die mögen keine Türken, Araber, Nordafrikaner, Polen und Russen, Roma und Sinti. Und den Flüchtling sehe ich als eine Art Strohpuppe, an dem jetzt der Hass katalysiert und ausgelebt wird. Und ich denke nicht, dass dieser Hass auf Zahlen beruht. Meistens noch nicht einmal auf Erfahrungen, wenn man sich ansieht, in welchen Regionen der Hass am stärksten ist.
Auf der anderen Seite gibt es tatsächlich Probleme mit diesen Personengruppen. Ich bin relativ oft nachts unterwegs, ich arbeite nachts, ich fahre dabei mit der Bahn durch halb Berlin, meine Familie wohnt in verschiedenen problematischen Ortsteilen Berlins und ich gehe auch gerne mit Freunden weg. Ich bin selbst Asylantenkind, einer meiner zwei besten Freunde ist stolzer, politisch peinlicher Deutschrusse, ich war letztes Jahr auf einer türkischen Hochzeit ohne einen deutschen Gast, ich liebe alle Kulturen und Nationen, aber wir haben Probleme mit Flüchtlingen und Migranten und nicht alles lässt sich so einfach mit Statistiken belegen. Ich habe zumindest genug negative Erfahrungen gemacht, die es niemals zur Anzeige, geschweige denn weiter schaffen würden und trotzdem beeinträchtigen sie mein Sicherheitsgefühl. Dann haben wir aber anscheinend sogar auch eine große Zahl nachweislicher Straftaten. Auf jeden vierten Asylsuchenden fällt eine Straftat. Das ist krass und auch wenn man Schwarzfahrerei wegrechnet, bleibt es krass. Und wenn gesuchte, bekannte Straftäter hier Anschläge verüben, ist das auch krass.
Und jetzt entsteht das Problem. Wir Gutmenschen versuchen mit vielen Abers irgendwie das alles kleinzureden. "Aber auf dem Oktoberfest", "Aber viele Deutsche", "Betrachtet man aber die soziale Herkunft", usw. Und diese Argumente sind absolut gerechtfertigt, aber sie sie schaffen es nicht das Ausmaß der Verbrechen zu kompensieren. Und so lässt man viel Angriffsfläche für Rechte und Rechtspopulisten, die zum Glück über weite Teile zu dumm sind, Statistiken für sich zu nutzen und lieber mit Einzelfällen aus der Bild, aus Facebook-Gruppen und anderen populistischen, unseriösen Medien argumentieren.
Ich denke, es ist wichtig, dass wir Gutmenschen Punkte anerkennen und mit mehr Selbstbewusstsein die Probleme angehen. Nehmen wir den Anschlag in Berlin. Der Terrorist ist seit seiner Jugend kriminell, verübte immer wieder schwere Verbrechen, wurde in der Haft radikalisiert. Alles war bekannt. Ich sehe in diesem Anschlag kein großes Argument gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Ich sehe da Probleme im System, in der Justiz, in der Exekutive, Probleme, die sich für mich als Laien relativ leicht auf dem Papier lösen sollten. Wir sollten da lösungsorientierter handeln, so lässt man dem Hass viel weniger Nährboden als immer wieder zu versuchen alles zu rechtfertigen.
Inhaltlich Relativ nah dran an der neuen Sascha lobo kolumne.

