@Mingo
Deine Diskussionskultur in allen Ehren, aber:
Du gehst – z.T. zu Recht – gegen einzelne Aussagen anderer User vor, weil diese in irgendeiner Weise der Logik entbehren; so z.B., dass ein Dritter nicht für einen Betroffenen entscheiden kann, ob dieser sich diskriminiert fühlt. Trotz aller Akribie verzichtest du aber auf eine Stellungnahme, ob du nun die Milchflasche für diskriminierend hälst oder nicht. Und – wenn ja – was das denn im Ergebnis für unsere liebe Gesellschaft bedeuten würde.
Das ist irgendwie unverständlich, denn Aussagen wie "daran kann sich unmöglich jemand stören" mögen zwar logisch falsch sein (siehe oben) haben aber auch einen zentralen Inhalt, nämlich dass der Verfasser eine Werbung mit einer schwarzen Frau für Schokolade offensichtlich für nicht diskriminierend hält.
Das ist zwar nur ein (fragwürdiger) Einzeiler, aber immerhin einer mit einem Statement.
Von einem völlig verkorksten Gesellschaftsbild zeugt im Übrigen die zitierte Aussage gemäss Quelle, wonach "Das Problem ist, wenn die Definition bei Nichtbetroffenen liegt und nicht bei Betroffenen."
Im Ernst? Vertritt tatsächlich jemand die Meinung, es sollte derjenige "Diskriminierung" definieren, der sich diskriminiert fühlt? Es muss die Gesellschaft als Ganzes sein – inkl. eines i.d.R. überwiegenden Anteils nicht diskriminiert fühlender –, welche darüber entscheidet, ob Aussage x nun als diskriminierend zu verstehen ist oder nicht (bzw. von dieser direkt oder indirekt gewählte Parlamentarier und Richter). Wo kämen wir denn anderenfalls hin, wenn z.B. von einer öffentlichen Rede in welcher Art auch immer betroffener Schwarzer aufgrund seiner Empfindungen entscheiden dürfte, ob nun z.B. der Tatbestand der Rassendiskriminierung erfüllt ist oder nicht... Ein Rechtsstaat – und nur dieser garantiert die so feinen Menschenrechte, diese sind weder gottgegeben noch naturbedingt – funktioniert nun mal anders. In diesem Sinne muss es auch für jeden einzelnen in einer Gesellschaft erlaubt sein für sich zu entscheiden – und dies auch zu äussern – ob z.B. eine Werbung seiner Auffassung nach Schwarze und Frauen im Rahmen des gemeinsamen Verständnisses diskriminiert oder nicht.
Ich bin mir der Problematik des Bildes auf der Flasche bewusst, halte das aber im Ergebnis für unproblematisch. Genau das ist es, was für mich eine funktionierende Gesellschaft ausmacht: Man sieht etwas, ist sich einer allenfalls vorhandenen Problematik bewusst und entscheidet dann in einer Interessenabwägung, ob sich der Ärger darüber lohnt und ob allenfalls was dagegen zu unternehmen ist oder ob man einfach weitergeht und sich denkt "nun gut".
Dass Begriffe wie Political Correctness oder auch Begriffe aus der gender Diskussion oft aufs äusserste negativ belastet sind hat zu ganz wesentlichen Teilen damit zu tun, dass einige ausser Stande sind in diesem Sinne zu unterscheiden und statt dessen bei jeder Kleinigkeit den Weltuntergang prophezeien und sich schliesslich grundlos an Winzigkeiten aufreiben...
In diesem Sinne hat der "onliner" im Ergebnis vielleicht manchmal mehr verstanden als der "wall of text".