300: Rise of an Empire (3D)
300 Athener, 300 Hektoliter Blut, 30 Schiffe und 3 paar blanke Brüste. Damit dürften alle wichtigen inhaltlichen Punkte der 300-Fortsetzung genannt sein. Im Grunde verhält es sich also wie im Erstling: Style over Substance. Man bedient sich lose an den historischen Fakten der Perserkriege, versetzt sie mit heroischer und übernatürlich angehauchter Fiktion und fertig ist der banale Griechen-Actionioner, dessen Handlung beileibe keinen Blumentopf gewinnt, aber locker ausreicht, um dem visuell beeindruckenden Treiben einen Sinn zu geben.
Und in dieser Beziehung ist auch das Quasi-Sequel - eigentlich verlaufen die Geschichten von Teil 1 und 2 nämlich parallel - wieder eine Wucht. Bildvisionär und Effektzauberer Zack Snyder, auf dessen Kappe noch der Vorgänger ging, führt diesmal zwar nicht mehr Regie, stand dem Team aber als Produzent zur Seite, was man glücklicherweise auch in jeder Einstellung merkt. Man könnte doch fast meinen, der Chef hätte hier wieder persönlich auf dem Regiestuhl platzgenommen. So elegant und brachial zugleich sind die zahllosen Zeitlupenaufnahmen vor effektgespickter CGI-Kulisse. Ich wage sogar zu behaupten, dass
Rise of an Empire sogar noch ein ganzes Stück hübscher ist als der erste Teil, was zum einen an der vorangeschrittenen Tricktechnik, zum anderen an dem weitläufigeren, sowie eindrucksvolleren Handlungsort (Schiffe + Meer + umliegende Küsten) und nichts zuletzt der famosen 3D-Umsetzung liegt. Endlich noch mal ein 3D-Film, der zeigt wie's geht und dem Zuschauer Eva Greens Prachtbrüste förmlich ins Gesicht drückt. Visuell ist auch die Fortsetzung wieder ein wahrer Genuss, ein filmgewordener Comic, ein Effektrausch in blau-grün, ein orgasmisches Massenschlachtsballett. Wie gewohnt arg künstlich, aber echt hübsch anzusehen.
Leider fehlt es der männerdominierten Schlachtplatte ein wenig an Charme. Gegen das Charisma eines Gerard Butler & Gefolge kommen die neuen 300 schlicht und ergreifend nicht an. Da fehlt es vor allem an Ausstrahlung und Wiedererkennungswert seitens der Schauspieler, die Bauchmuskeln sind nicht so ausgeprägt, die Reden nicht so schwülstig und erinnerungswürdige
"Das ist Spartaaa!!"-Momente gibt es auch nicht - mal abgesehen vom extraordinären Kriesengesprächs-Sex. Vorgeführt wird die blasse Männertruppe dann sogar noch zusätzlich durch die Tatsache, dass gerade die einzige Frau, nämlich Eva Green, den badass-igsten Charakter an den Tag legt, den Skrupel (und zuweilen auch die Kleidung) über Bord wirft und ordentlich austeilt. Sowohl mit verführerisch-bösen Blicken als auch mit Schwerthieben. Natürlich ist auch sie schauspielerisch weit entfernt von irgendeiner Auszeichnung, aber darum geht es bei 300 ja auch nicht: Die Jungs und das Mädel sollen einfach auf die Kacke hauen, cool gucken und lässig Körperteile abtrennen. Und das tut die rechte Hand des Gottkönigs überraschenderweise mit am besten.
Summa summarum würde ich sagen: Knorke Fortsetzung. Nicht ganz so episch aufgeladen wie der erste Teil, dafür aber noch beeindruckender in der visuellen Umsetzung. Ist kurzweilig und hat, allein schon wegen des Settings und der außergewöhnlichen Präsentation, auch absolut seine Daseinsberechtigung. Auch wenn
Rise of an Empire, wie schon sein Vorgänger, inhaltlich eine ziemlich überzeichnete, platte und manchmal sogar dezent lächerliche Sache ist. Meine Lieblingsreihe wird es wahrscheinlich nie werden, fand auch schon 300 überbewertet, einmalig anschauen kann man sich das Spektakel aber trotzdem gut. Wobei das hauptsächlich am grandiosen Effekt-Overkill liegt und sicher nicht an der Geschichte und Schauspielerei.
7/10 Sixpacks