Alien Isolation (PC)
Lange hat mich ein Spiel nicht mehr so polarisiert wie Alien Isolation und nun kann ich sagen: ENDLICH hab ichs durch.
Das Spiel ist auf der einen Seite wahnsinnig gut und liebevoll gemacht, auf der anderen aber wiederum so extrem frustrierend und langweilig, dass ich mich nach wie vor nicht entscheiden kann ob ichs lieben oder hassen soll.
Die Grafik ist wirklich gut. Tolle Beleuchtungseffekte, sauber designte Levels - da gibts kaum etwas zu meckern. Lediglich die schwache Leistung des AA und gelegentlich etwas zu clean wirkende Texturen trüben diesen Eindruck etwas (im speziellen für das verwöhnte Auge eines PC-Masterracelers

). Noch besser als die Grafik ansich ist aber der Sound. Ich habe selten in einem Spiel eine dermaßen gut gemachte Soundkulisse erleben dürfen wie in AI. Hier wird die Akustik tatsächlich essentieller Spielbestandteil und ist nicht nur eine Pflichtübung als Beiwerk. Die Ohren sind bei diesem Spiel tatsächlich oft so wichtig wie Augen. Hier zeigt sich auch das was für mich als alter Alien-Fan das wohl Beste und Herausragendste überhaupt an Alien Isolation ist: Die unglaubliche Detailverliebtheit und die extrem atmosphärische und liebevolle Anlehnung an die originale Alien Trilogie! Frei nach Angry Joe: Alien Isolation ist eine Liebeserklärung an die Alien Fans! Alle paar Sekunden erkennt man in einer Bewegung, einem Soundeffekt, einem Spruch, einer Handlung, einem Objekt oder sonstwas ein Detail aus den Filmen wieder. Ein Toter der im Stuhl hängt und mit einer Zeitung erstickt wurde, ein Android der ein einem vermeintlich unbeobachtetem Moment auf der Stelle trippelt, die Geräusche von Türen und Computer - das ist alles so genial und detailverliebt auf die ersten 3 Alienfilme bezogen, dass ich mir wünschen würde, die Macher von Resurrection oder Prometeus hätten bei diesen Filmen mal so gehandelt.
Die Story von AI ist zwar sicherlich etwas flach, aber das passt nunmal zu einem echten Teil in der Alien Reihe - wenn wir mal ehrlich sind. Sie ist aber trotzdem stimmig und fügt sich passend und nahtlos in die Alienstory ein, ohne großartige Lorebreaker zu liefern.
Die KI der Gegner ist weiterhin recht gut. Echte Sicherheit hat man nie und Kontrahenten reagieren meist sehr natürlich und intelligent auf ihre Umgebung. Standardreaktionen, die man vorherberechnet taktisch ausnutzen kann, oder gar vordefinierte Laufwege der Gegner sucht man normalerweise vergeblich. Gerade das Alien Ist fast immer völlig unberechenbar und zieht einen auch gerne mal völlig unerwartet aus der Deckung.
Hier hört aber mein Lob für dieses Spiel leider schon auf. Eine passende Überleitung zum meckern finde ich nicht, da es soviel gibt über das ich meckern möchte.
Die KI ist zwar gut und auf diese Weise vielleicht auch sehr realistisch, allerdings ist sie auch für jede Menge Frustmomente verantwortlich, gerade weil die Gegner oft so berechenbar unberechenbar handeln. Ich hatte immer wieder das Gefühl einen Level nicht durch Skill, sondern aus purem Glück beim X-ten Anlauf geschafft zu haben und das halte ich Spieledesignerisch für sehr gefährlich, da es dem Spieler das Erfolgserlebnis nehmen kann. Ansich ist das Gamedesign extrem lahmarschig und teils auch sehr langweilig. Man schleicht sich im Schneckentempo vom einen Ende des Levels ans andere, nur um dort eine Taste zu drücken, und darf sich dann durch dieselben, immer gleichen Gänge wieder zurückschleichen, immer in der Hoffnung, dass nicht plötzlich direkt neben einem das Alien aus dem Luftschacht fällt, für einen Instadeath sorgt und man den ganzen Quatsch nochmal machen darf, bevor man den rettenden Speicherpunkt erreicht. Diese sind übrigens teilweise echt weit auseinander und da sie die einzige Speichermöglichkeit darstellen (und zwischendurch nichtmal Dinge wie ID Cards, Pläne oder eingesammelte Munition zusätzlich gespeichert werden) somit Grund für sehr repetives Gameplay. Bei Licht betrachtet ist das Spiel nichtmal extrem lang. Die Spielzeit zieht sich nur deshalb so in die Länge, weil man nur mit angezogener Handbremse durch die Levels schneckt, und bei jedem Tod oft gleich die letzten 20min Spiel wiederholen darf. Auch die wenigen Tötungsanimationen sind zwar am Anfang ganz nett, wenn man sie aber zum gefühlt hundertsten Mal sieht einfach nur noch nervig und immer gleich.
Dazu kommen einige Bugs, die zwar das Spiel nicht wirklich enorm schädigen aber durchaus nerven und die Atmosphäre stören. Ein Spielabbruch weil man einen Gegner getötet hat der einen eindeutig beschossen hat, weil das spiel annimmt, das er nur ein Zivilist war, Clippingfehler, Animationsfehler, Schwebende Waffen, usw... - das alles habe ich häufiger beobachten dürfen.
Das Schlimmste für mich ist aber, dass ich Alien Isolation einfach ums Verrecken nicht gruselig finde. Für mich ist das Spiel in dieser Hinsicht ein absoluter Griff ins Klo! Am Anfang dachte ich mir noch "Naja, jeder empfindet das irgendwie anders, und vielleicht bin ich einfach zu abgebrüht durch meinen Horror-Medienkonsum." Aber mittlerweile kann ich die vielen Schockberichte nicht mehr nachvollziehen und muss ehrlich sagen, dass ich das irgendwo für einen Hype mit Massenhysterie halte. Am Anfang reagierte ich noch auf ein paar Jumpscares, aber irgendwann wurde gerade das Alien einfach nur noch zu einem lästigen, nervigen Verfolger, vor dem man sich minutenlang regungslos und völlig gelangweilt verstecken musste, um nicht schon wieder den ganzen Kram von vorne machen zu müssen.
Unterm Strich ist Alien Isolation eine Spitzenmäßige Alien-Geschichte, aber maximal ein mittelmäßiges Spiel mit vielen Krankheiten. Wegen der liebevollen Gestaltung kann ich als Alien Fan damit grade noch so folgende Wertung geben:
7/10 Punkten