Habe eben Episode 2 beendet und fühle mich nun auch dazu genötigt, einen kleinen Ersteindruck zu verfassen...
Die Vorfreude auf das Spiel war ja immens und irgendwie gab es mir dann doch einen kleinen Dämpfer, als das Spiel zum Großteil "nur" Wertungen im 80er Bereich abgesahnt hat. Klar sind derartige Wertungen alles andere als schlecht, aber ich hätte mir einfach mehr erwartet.
Egal, heute zum nahe gelegenen Gamestop gefahren und mein Exemplar in Empfang genommen. Kurz vorher noch eine Thunfisch-Pizza verdrückt, während Alan Wake installiert wurde und ab gings...
Könnte hier jetzt einen richtigen, analysierenden Erfahrungsbericht schreiben, aber der würde einfach zu viel spoilern und Spoiler sind bei diesem Spiel tödlich - wie bei jedem guten Film bzw. bei jeder guten Serie auch. Versuche daher jetzt mehr die Atmosphäre, das Gameplay und visuelle Seite zu beschreiben.
Optisch gibt sich das Spiel bisher kaum die Blöße und hat mir gleich mal die Kinnlade nach unten geklappt, als man da, ganz am Anfang des Spiels, auf dieser kleinen Insel, inmitten eines Sees steht und dem Sonnenuntergang entgegen blickt.
Die Licht- und Schatteneffekte bräuchte ich eigentlich gar nicht mehr erwähnen, aber ich tue es trotzdem, weil sie mich permanent beeindrucken und einen großen Anteil zur Atmosphäre beitragen. Ich glaube ich kann hier ohne zu übertreiben behaupten, dass man bisher, zumindest auf den Konsolen, nichts Vergleichbares zu Gesicht bekommen hat.
Insgesamt kann es Alan Wake technisch zwar nicht mit einem Uncharted 2 aufnahmen, da hierzu die Qualität der Texturen einfach zu niedrig ist, aber Remedy hat eine umwerfende Arbeit geleistet, wenn es um das Detail verliebte Design der Spielwelt geht. Noch nie zuvor gab es realistischere, schönere und atmosphärisch dichtere Wälder, in einem Videospiel.
Als Kritik, neben der teilweise etwas matschigen und qualitativ nicht so hochwertigen Texturen, sollte man auch noch die Gesichtsanimationen der Charaktere heranziehen. Zwar weit davon entfernt, als schlecht durch zugehen, aber hier ist man bereits besseres gewöhnt, wenn man einmal kurz in Richtung eines Uncharted 2 oder Mass Effect 2 schielt. Man kennt hier schon deutlich den Unterschied zwischen den In-Game Szenen und den Cut-Scenes, in denen Alans Gesichtsausdrücke viel weniger hölzern und seltsam wirken. Bis auf das Gesicht und seine Sprünge, befallen mir Wakes Animationen aber sehr gut.
Optisch kränkelt Alan Wake an manchen Stellen etwas (siehe Texturen und Wakes InGame Gesichtsanimationen), aber in seiner Gesamtheit betrachtet und mit dieser unglaublichen Liebe zum Detail, darf sich Alan Wake zum schönsten 360 Titel küren und braucht sich auch nicht vor der großen Playstation Konkurrenz verstecken - wenngleich man nicht an die optische Brillanz eines Uncharted 2 heran reicht, aber gut, hier muss man auch das Level Design betrachten, welches bei Alan Wake weitaus weitläufiger und offener ist. Es sind nicht die typischen Schläuche, wie man sie aus Gears oder Uncharted kennt, sondern eine etwas weitläufigere Waldlandschaft, die dem Spieler doch noch ein Fünkchen mehr Freiheit vorgaukeln will.
Zur Lip-Sync, die ja überall bemängelt wurde, hätte ich mir auch etwas mehr Feinschliff gewünscht. Besonders schlimm ist es mit der deutschen Synchro, die vollkommen asynchron wirkt, während es mir bei der englischen zwar auch aufgefallen ist, aber nicht weiter störend wirkt.
Allgemein kann ich nur raten, die Systemsprache der 360 auf Englisch zu stellen. Nicht nur dass Wakes Synchro kein Vergleich zum Original ist, es wurde zudem auch noch sehr trivial und meiner Meinung nach ziemlich "plump" übersetzt, was der Atmosphäre doch einen erheblichen Abbruch tut.
Wer sich mit Englisch etwas hart tut, kann sich in den Optionen die Untertitel einblenden lassen, auch wenn (bisher zumindest noch) nicht wirklich genuschelt wird und man das Gesprochene eigentlich hervorragend mitverfolgen kann.
Der Sound allgemein ist absolut grandios, mit dieser Geräuschkulisse, die mir da aus der Anlage entgegen fliegt und dem stimmigen, extrem atmosphärischen Soundtrack, der perfekt an die jeweilige Situation angepasst ist...hier kann ich mich absolut nicht beklagen.
Das Gameplay, Kritikpunkt und großer Angriffpunkt des Spiels im Vorfeld...
Nach den ersten beiden Episoden, kann ichs aber absolut nicht nachvollziehen. Kein anderer Third-Person-Shooter, in dieser Gen, hat es bisher geschafft mich derartig unter Spannung zu setzen, bei diesen augenscheinlich trivialen Gefechten.
Er geht nicht nur unheimlich gut und intuitiv von der Hand, sondern fühlt sich zudem auch noch sehr intensiv an, was nicht nur der grandiosen Atmosphäre des Spiels zu verdanken ist, sondern dem doch sehr nahen Feindkontakt und der hervorragenden, zusammenarbeitenden KI. Man wird eingekreist, umzingelt, umher gejagt und zumindest auf Hard kleben sie einem ständig direkt auf der Pelle. Ausweichen, gezieltes Brechen der Dunkelheit und mittels Flares etwas Abstand gewinnen, steht an der Tagesordnung, will man nicht in kleine Stücke gehackt werden.
Mir gefällt diese sehr intensive Gameplay um einiges mehr, als diese langweiligen Cover-Shooter.
Munition ist auch so eine Sache...zumindest auf Hard darf man nicht verschwenderisch damit umgehen, da es sich bei Wake nicht um ein wandelndes Waffenlager handelt.
Positiv fällt auch noch auf, dass man bei Wake zu keiner Zeit das Gefühl hat, einen Uber-Soldaten aus Gears oder einen Indiana Jones, Schrägstrich Rambo aus Uncharted 2 zu spielen. Wake ist ein „einfacher“ Kerl, der mit einer Waffe hantieren kann, um sich selbst zu verteidigen und am Leben zu bleiben.
Der eigentliche Star des Titels, ist diese unglaubliche Atmosphäre, welche mich, mit leicht verschwitzten Händen, gebannt vor dem Bildschirm sitzen lässt, einsaugt und unter eine gewisse, ständige präsente Spannung setzt.
Es ist schon ein Gefühl der Erleichterung, den Sonnenaufgang zu sehen. Die Sonne als alte, lange herbei ersehnte Freundin.
Alan Wake setzt nicht auf Schock-Elemente, Gore und abartig hässliche Kreaturen, wie wir es zB von Dead Space gewohnt sind.
Hier wird wirklich Stimmung erzeugt, die sich mit einem intensiven Gameplay und einer tollen Inszenierung weiter hoch schaukelt.
Zur Story kann ich bisher nicht allzu viel sagen, nach diesen zwei Episoden, außer dass sie bisher einen sehr guten und interessanten Eindruck hinterlässt. Man erkennt ihre Wurzeln sofort, egal ob nun Stephen King oder David „Mindfuck“ Lynch. Auf jeden Fall will ich unbedingt wissen, wie es weiter geht.
Ich rate auch jedem, sich etwas Zeit zu nehmen und die winzigen Details des Spiels zu genießen. Wie wäre es zum Beispiel damit, einfach mal den Radio aufzudrehen und etwas zu lauschen oder bei einem Fernseher kurz eine Verschnaufpause einzulegen und sich beispielsweise die neueste Folge von "Night Springs" anzusehen?
Selbiges gilt für die Seiten des Manuskripts, die man auf seinem Weg findet. Zu lesen bzw. vorgelesen zu bekommen, was einen demnächst erwartet, versetzt einen teilweise schon in eine etwas prekäre Lage und gehört zu jenen kleinen, aber feinen Dingen, welche eine nicht zu verachtende Auswirkung auf die gesamte Atmosphäre haben.
Musste mich selbst regelrecht vom Pad wegbekommen, nachdem der Abspann von Episode 2 lief. Apropos Episoden...
Dieser Aufbau sagt mir auch sehr zu und spornt einen regelrecht zum Weiterspielen an. Die Melodien im Abspann sind auch wunderschön, sodass ich bisher noch nicht auf die Idee gekommen wäre, sie einfach zu überspringen.
Bin gespannt wie es weiter geht, aber wenn das Niveau gehalten werden kann bzw. sich noch steigert, kann ich die Bewertungen absolut nicht verstehen.
Das schreit mir bisher förmlich nach Cinematic Experience at it's best, mit einem sehr hohen Production Value.