Xenoblade 3 (Switch)
55 Stunden gespielt. Ich liebe Rollenspiele, bin ein großer Fan von Animes und generell jemand, der gute Geschichten sehr schätzt.
Xenoblade 3 macht es mir unheimlich schwer, es zu mögen. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich nicht ganz verstehen kann, woher diese ganzen Lobeshymnen kommen. Aber zuerst zum Positiven: Es ist für ein Switch-Spiel wunderschön! Ich finde die weiten Areale mit dem dynamischen Wettersystem unglaublich gut! Die Welt, auch wenn sie hauptsächlich nur aus Monstern besteht, macht Spaß. Weiterhin ist die Hauptstory, die sich nach 30 bis 40 Stunden mehr und mehr entfaltet, sehr interessant. Sie ist sogar so interessant, dass ich wissen möchte, was noch kommen wird. Die Charaktere sind alle gut ausgearbeitet und bekommen sehr viel Zeit, sich zu entfalten – das ist bei den meisten Spielen nicht der Fall.
Jetzt zum negativen Teil. Das Kampfsystem ist der langweiligste Rotz, den ich je gespielt habe. Ich bin froh, dass ich nach über 20 Stunden draufgekommen bin, dass es auch eine automatische Kampffunktion gibt, sonst hätte ich es nicht weiterspielen können. Aber es macht selbst als Zuschauer keinen Spaß! Das liegt aber auch zum großen Teil daran, dass sich die Kämpfe extrem lang anfühlen – selbst gegen einfache Gegner. Auch wenn ich 20 Level über einem Gegner bin, mache ich ihn nicht sofort mit einem Schlag platt, sondern muss erst 20 bis 30 Sekunden mit der ganzen Gruppe auf ihn eindreschen. Da das Leveln für mich ein wichtiger Aspekt in einem Rollenspiel ist, geht dadurch extrem viel Zeit drauf.
Die Charaktere bekommen zwar sehr viel Zeit, um sich zu präsentieren und zu entwickeln, aber beim Namen des Gottimperators sind viele Szenen langweilig und extrem in die Länge gezogen! Ich bin ein großer Metal Gear-Fan und verstehe alle, die speziell Teil 4 wegen der langen Cutscenes kritisieren, aber das ist kein Vergleich zu diesem Spiel. Bei MGS sind die ganzen Szenen wenigstens interessant oder sogar sehr aufregend und spannend inszeniert, aber bei X3 spuckt der Entwickler regelrecht auf die Lebenszeit des Spielers! Und das hat nichts damit zu tun, dass sie den Figuren und der Geschichte Raum bieten. Ich habe wahrscheinlich hunderte Animes gesehen, dutzende japanische Rollenspiele gespielt und wahrscheinlich über 100 Romane gelesen, aber das hier ist grausam langsam und uninteressant. Ein weiterer wichtiger Aspekt, den ich total vermisse, ist, dass das Spiel keine Rüstungen und Waffen bietet. Auch kann man keine Erfahrungspunkte irgendwie verteilen. Es gibt ein eigenes System, bei dem man neue Kampfklassen und folglich neue Skills erlernen sowie durch "Gems" Bonusfertigkeiten kreieren und spezielle Items anlegen kann. Leider ist es für mich nicht vergleichbar motivierend wie bei einem üblichen Rollenspiel.
Meine Kritik ist vielleicht etwas zu hart. Das liegt aber an meiner Frustration, weil das Spiel Komponenten bietet, die mir gefallen, und ich die Geschichte auch komplett erleben möchte. Aber es gibt mir auch immer wieder das Gefühl, dass ich meine Zeit verschwende, was eigentlich ein absolutes Ko-Kriterium für ein Spiel ist. Ich habe mich lange nicht mehr so schwer mit einem Spiel getan. Ich würde es als eine kleine Hassliebe bezeichnen. Hat jemand das Spiel gespielt und würde sagen, dass die Erlebnisse (Events) und die Geschichte im weiteren Verlauf vieles entschädigen?