Spiele jetzt schon seit ein paar Tagen Dead Rising 3 und um ehrlich zu seine werde ich da nicht ganz warm mit. Ich bin wirklich großer Fan der ersten beiden Teile, inklusive und vor allem auch besonders des Spin-Offs "Off the Record", aber der neuste Ableger lässt mich erschreckend kalt. Dabei ist es nicht mal die Tatsache, das sie nun von einem Vergnügungszentrum weg zu einer Open-World gewechselt sind, auch wenn ich z.B. ein Kreuzfahrtschiff oder ähnliche limitierte und überschaubarere Bereiche weiterhin bevorzugt hätte.
Es ist vielmehr die komplette Abkehr von Einfallsreichtum, Irrwitz und Kreativität, welcher den neusten Teil in meinen Augen so fade und trotz dem Gemetzel ungeheuer blutleer erscheinen lässt. Wenn ich mich an den ersten Teil erinnere, dann war das ein vollgestopftes Kuriositätenkabinett mit allerlei irrsinnigen Figuren und absurden Situationen, jeder Psycho hatte seine beeindruckende Sequenz, jeder Schauplatz war einzigartig, die Story, so durchgeknallt sie auch war, hatte zumindest auch dieses Alleinstellungsmerkmal. Dead Rising war vor allem immer bunt, man hat sich wirklich gefühlt wie in einem Vergnügungspark, man konnte sich neugierig austoben, aber auch einer zwar klischeehaften aber turbulenten Story folgen.
Was nun Teil 3 mit dem bis dahin bewährten Spielprinzip, dem Design und seinem Gameplay anstellt ist in manchen Aspekten schon fast fahrlässig. Die Stadt, so verwinkelt und angefüllt sie auch erscheint, versinkt in einem schwer zu ertragenen Matsch aus grauen Texturen und braun-grauer Lichtstimmung. Keine Straße oder Häuserecke hebt sich irgendwie ab, man kann weder sagen in welchem Stadtteil man sich gerade befindet, noch markante Punkte ausmachen. Die Stadt schaut einfach nur langweilig aus, der Vergnügungspark von einst ist einem gesichtslosen Ort gewichen, der zwar an Größe gewonnen, aber an Einfallsreichtum und Abwechslung verloren hat.
Was sich auch zum Schlechten geändert hat ist das essentielle Gameplay, die Zombies sind keine Spielgefährten mehr, mit denen man allen möglichen Unsinn anstellen kann, sondern größtenteils einfach nur nervig. Die Grapple-Attack, mit der einem fast jeder zehnte Zombie angreift ist quasi unblockbar, durchbricht sogar den eigenen Angriff und gravitiert die Zombies wie von Geisterhand selbst aus sicher zu glaubender Entfernung zum Spieler hin. Ein normales Durchlaufen ist gar nicht möglich, ständig muss man wieder irgendeinen Knopf drücken um sich aus den Fängen irgendeines Zombies zu helfen und verliert mit jedem Angriff ein wenig Lebensenergie.
Das Movement der Spielfigur ist im vergleich zu den vorherigen Teilen unglaublich schwammig und ungenau, auf dem Boden kriechende Zombies sind kaum zu erwischen, selbst mit dem großen Stampfer nicht. Mein zuvor immer geliebter Air-Kick, ein müder Witz. Viele Speziel-Attacken scheinen kaum Wirkung zu finden, das Kombo-System greift in den seltensten Fällen und durch die fast endlos erscheinenden (und auch spawnenden) Zombies macht das Wüten durch die Massen sowieso keinen großen Sinn.
Generell ist auch die Physik in dem Spiel ein einziger Witz, die Zombies fliegen bei Schlägen wie Vogelscheuchen mit einem Katapult geschossen durch die Gegend, selbst schwerste Gegenstände wirft die Spielfigur um, wenn sie nur dagegen läuft. Dagegen ist die Splatter-Physik ungemein unspektakulär, das Feedback auf Schläge ist völlig daneben, man hat das Gefühl auf Gummipuppen zu schlagen.
Der größte Abfuck des Spiels allerdings, der mich wirklich schockiert hat, ist die katastrophale Präsentation von Story und Figuren. Ich hab schon lange nicht mehr solche Minus-Gesichter wie die Charaktere in Dead Rising 3 erlebt. Die Dialoge, sofern man diese reflektionsarmen Lächerlichkeiten so nenne mag, wirken als hätte sie irgendein Laie geschrieben. Diese Figuren, der Hauptcharakter alleine, an Langeweile und Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. "Hey, wir machen ein Zombie-Spiel, da baut man seine Waffen und Fahrzeuge zusammen. Ein selbstverliebter Fotoreporter und ein motorradfahrender Vater sind doch viel zu abgehoben, lass uns 'nen Mechaniker nehmen. Außerdem muss er ein absoluter Lutscher sein, weinerlich, damit der Spieler mit ihm mitleiden kann, weil wir gehen das jetzt mal richtig hart ernst und realistisch an."
Persönlichkeit? Wurde wohl drauf geschissen, wie auch auf alle Nebencharaktere und in der Welt verteilten NPCs. Die Vorgänger waren so voll mit einprägsamen Sequenzen und Dialogen, Charakteren und Bosskämpfen. Hier muss ich mich mit blassen Persönlichkeiten in einer grauen Welt herumschlagen und im Grunde ist mir jeder inklusive dem Protagonisten scheißegal. Außerdem, die Kommentare, das Gejammere der Spielfigur beim Kämpfen oder Herumlaufen nerven schon beim zweiten Mal. Vielleicht finde ich ja noch irgendwo die Blaupause um dem Typen ein Paar Eier zu bauen.
Das Zeit-Feature der Vorgänger haben sie ebenfalls verkorkst. Konnte man vorher erst nach dem zweiten oder dritten Durchlauf einen gewissen Überblick über die vielen verschachtelten Events, Survivor und Psychos erlangen, ist der Zeitdruck hier fast obsolet, selbst im Hardcore-Modus. Die Zeitfenster waren in den ersten Teilen so eng gestrickt das man nie und nimmer sofort alles erleben und entdecken konnte, was durch die vielen einfallsreichen Figuren, Events und Sequenzen aber auch seinen Anreiz fand. Keine Survivor-Rettung war langweilig und in vielen Fällen eine richtige Challenge, den Moment abzupassen, in bestimmten Reihenfolgen zu arbeiten um Begleiter zu schonen und abzusichern.
Jetzt sind die Survivor nur noch eine Randnotiz, entweder interaktionslos und umringt von Zombies oder ideenlos wartend mit schwachsinnigen Aufgaben, um sie als Begleiter frei zu spielen. Dabei sind ihre Dienste nicht mal die Mühe wert, die ihre Quests verursachen, stellenweise sind sie nicht mal Begleiter sondern sterben am Ende der Quest. Die Motivation solche Nebenaufgaben überhaupt anzugehen bewegt sich permanent gegen null und hat man sie erst mal als Begleiter sind sie mehr nerviger Ballast, der überall im Weg steht.
Überhaupt, wenn man den NPCs was bringen soll, dann liegt es ein paar Meter weiter um die Ecke, soll man etwas zusammenbauen steht es direkt vor den Füßen, das ist echt die Dummbeutel-Art von Quest-Design. Auch die Bosskämpfe, waren sie in den vorherigen Teilen schon stellenweise wirklich kniffelig und teilweise erst in späteren Durchläufen problemlos machbar, sind die jetzt so gut wie keine Bedrohung mehr. Überall stehen und liegen die richtigen Waffen die man benötigt, Essen und Heil-Items in Massen, als wolle man ja keinem an's Bein pissen, der schon nach dem ersten Ableben frustriert das Pad beiseite legt.
Ich hoffe ja wirklich, das ich in dem Spiel noch irgendwo die Seele der alten Teile finde, irgendein Lichtblick, ein Anzeichen das die Serie nicht ihre komplette Form verloren hat und zu einem traurigen, ausgemergelten und verfallenem Körper der Anbiederung und Ideenlosigkeit geworden ist. Dead Rising war mal ein bunt explodierendes, irres Erlebnis, ein spielgewordener Clown wie Adam, böse, mit zwei Kettensägen, aber auch einer Clownsnase und bunt geschminkt in schrillem Kostüm. Dead Rising scheint jetzt nur noch ein Automechaniker im grauen Overall, vor sich hinkeuchend, wimmernd und zeternd und mit blutverschmiertem Gesicht.