Eigentlich eine gute Entwicklung, wenn die E3 den Weg der CeBIT geht und sich in den Altersstand verabschiedet. Wie auch in so ziemlich allen anderen Branchen ist auch im Videospielsektor die althergebrachte Messe als Konzept veraltet.
Ich finds auch irgendwo schade, da die E3 seit meiner Schulzeit so ein Fixpunkt im Kalender war. Damals konnte ich es kaum erwarten, die E3-Ausgabe der GamePro direkt morgens am Kiosk zu kaufen, sobald sie in Verkauf ging und hab dann alles verschlungen und die Trailer-CD oder DVD mehrfach durchgeschaut.
Danach ging es weiter mit Live-PKs, die ich quasi seit Erfindung des Livestreams verfolge und die im letzten Jahrzehnt die einzige Veranstaltung war, die mich dazu gebracht hat, nachts extra dafür aufzustehen oder bis um 6 Uhr morgens wach zu bleiben.
Diese Art von Event, diese Erneuerung dessen, was man von VIdeospielen erwarten kann, werde ich vermissen.
Aber: Die enorme Lautstärke und die komprimierten INhalte der Messe - jeder Publisher, egal ob groß oder klein, hat hier seine Neuigkeiten vorgestellt - hat auch dazu geführt, dass viele Spiele untergegangen sind, weil jemand anderes noch lauter geschrien hat und ein noch besseres Produkt hatte. Und dazu konnte man sich als Spieler überhaupt nicht alle Neuigkeiten merken, die einem da ins Hirn gepumpt wurden. Jeden Tag Stunden an Trailern, Büchern an Artikeln, Nintendo Treehouse hier, IGN 8 Stunden Programm etc.
Das wird jetzt alles entzerrt, jeder Publisher kann Spiele und Hardware ankündigen, wie und wann sie wollen, ohne auf dieses starre Korsett einer Messe achten zu müssen. Das hat imo riesige VOrteile für die Kommunikationspolitik und die Information der Zielgruppen.
Die drei Hardwarehersteller haben ja schon ihre großen Hausveranstaltungen (bei Nintendo halt die Direct), die jetzt eine noch höhere Relevanz bekommen und die garantiert auch von den großen Publishern so nachgemacht werden wird. Aber halt nicht als "Zwang", wenn es sixch anbietet, etwas unterjährig mit großem Trara anzukündigen, wird das halt spontan gemacht.
Und ja, ich rede mit Absicht so, als wäre die E3 Geschichte. Da führt jetzt imo kaum ein Weg daran vorbei. Die Publisher müssen auch in diesem Jahr ihr Programm vorstellen und werden merken, dass sie es ohne Messer günstiger, selbstbestimmter und trotzdem effektiv selbst machen können. Da bleibt in 2021 wenig Argumentation für die enormen Kosten einer großen Messe...