Warum Peter Moore dem Sonic-Schöpfer nahelegte „sich zu verpissen“
Electronic Arts‘ CCO Peter Moore wird ab Juni beim englischen Traditionsclub FC Liverpool seinen Posten als CEO antreten. Gegenüber
Glixel verriet der Manager nun ein Geheimnis aus seiner Zeit bei Sega, für das er unter anderem den Launch von Dreamcast überwachte. Laut Moore fiel es Sega damals enorm schwer, sich den neuen Marktgegebenheiten der sich wandelnden Videospielbranche anzupassen. Nachdem das japanische Unternehmen bereits die Produktion der Dreamcast-Konsole eingestellt hatte und sich in der Transformationsphase hin zu einem reinen Software-Entwickler befand, hatte Moore enorme Probleme, den führenden Köpfen den Ernst der Lage zu verdeutlichen.
Spiele wie GTA 3 veränderten die Szene
Besonders die Einflüsse von Film und Fernsehen hatten die Entscheidungsträger nicht auf dem Schirm. Moore: „Ich pendelte nach Japan und war einfach sehr sauer auf Sega, da sie die Gewitterwolken nicht sahen, die in der Industrie aufzogen. Spiele wie GTA 3 veränderten den Vibe der Inhalte. Für mich war das der Wendepunkt. Als die Technologie stärker wurde, kamen auf einmal all diese kreativen Elemente aus Hollywood und dem Fernsehen – das bescherte uns Rockstar und was die Houser-Brüder für Videospiele getan haben. Ich meine, man kann auf die Geschichte der Branche zurückblicken, auf diese Momente zeigen und sagen: ‚An diesem Punkt begann sich alles zu wandeln.'“
Wie Moore erklärt, erarbeitete Sega damals Fokusgruppen aus Spielern in Amerika, um zu erfahren, wie diese verschiedene Spielemarken wahrnehmen. „Ich musste den Japanern beweisen, dass unsere Marke gerade im Begriff war von der Bildfläche zu verschwinden. Deshalb fragten wir die Fokusgruppen – eine Gruppe von 18- und 19-Jährigen – eine klassische Frage: ‚Wenn ein Videospielpublisher ein Verwandter oder Freund wäre, wer wäre er dann?‘ Ah, EA. Ein arroganter Quaterback, 1,90m groß, kommt herein, schnappt sich die Mädels, keiner mag ihn und so weiter.“
„Rockstar. Ah, das ist der betrunkene Onkel aus Las Vegas, der sich einmal im Monat mit einer Nutte im Arm blicken lässt, sich Geld abholt und wieder verschwindet. Er kommt herein und ist für einen Augenblick der Mittelpunkt der Party und dann ist er eine ganze Zeit lang wieder weg. Sega: Ja, das ist dein Großvater. Er war mal cool aber selbst er kann sich nicht mehr so richtig erinnern warum eigentlich.“
Die Hassliebe mit Yuji Naka
Als Moore das Video mit der Fokusgruppe zeigte und den japanischen Kollegen präsentierte, weigerten diese sich die Ergebnisse zu glauben. Besonders mit Sonic-Schöpfer Yuji Naka geriet Moore aneinander. „Ich sagte: ‚Wir müssen uns äußerst bewusst werden, vor welchen Herausforderungen wir bei Sega als Marke stehen.‘ Und so spielte ich das Video ab. Yuji Naka, Naka-san, der Macher von Sonic war auch im Raum. Er und ich hatten an einem guten Tag eine Hassliebe zueinander. Als wir ihm das [Video] zeigten, welches in Japanisch untertitelt war und an besagter Stelle angekommen waren, schlug er mit der Hand auf den Tisch: ‚Das is lächerlich! Ihr habt sie dazu gebracht, so etwas zu sagen. Sega ist eine großartige Marke, niemand würde das jemals sagen, das habt ihr gefälscht!'“
„Das war das letzte Mal, dass ich dort einen Fuß hineinsetzte“
„Er regte mich auf, also sagte ich dem Übersetzer: ‚Sag ihm, dass er sich verpissen soll.‘ Und der arme Kerl sieht mich an und sagt: ‚Dafür gibt es im Japanischen keinen Ausdruck.‘ Ich sagte: ‚Ich weiß, dass es einen gibt‘ und das war es. Das war das letzte Mal, dass ich dort einen Fuß hineinsetzte.“
Moore weiter: „Ich werde selten wütend aber wenn man mich beschuldigt, ein Video manipuliert zu haben – es gibt doch niemand blinderen, als den, der sich weigert den Dingen in die Augen zu sehen. Ich habe Sega geliebt, ich liebe es immer noch aber es war zu einem solchen Grad von den Entwicklern dominiert, dass das Unternehmen Sega nicht mehr handlungsfähig war, wenn Nakagawa-San, Yu Suzuki oder Iguchi abwesend waren. Die Welt um sie herum veränderte sich und wir waren verzweifelt. Ich sagte, dass wir erwachsene Inhalte brauchen. Ich finde es ironisch, dass eines ihrer bestverkauften Spiele danach Yakuza ist.“
Lob für Steve Ballmer
Kurz danach wurde Moore von Robbie Bach und dem Xbox-Team angeworben. Dort sei die größte Herausforderung der Red Ring of Death gewesen. Ein Defekt, der kurz nach dem Launch der Xbox 360 zahlreiche Konsolen lahmlegte und die öffentliche Wahrnehmung der Marke stark zu beschädigen drohte. Laut Moore gäbe es heute wohl keine Xbox One oder Scorpio, hätte Steve Ballmer damals nicht zugestimmt, erhebliche finanzielle Lasten in Kauf zu nehmen, um der Defektwelle Herr zu werden.
„Gottseidank gibt es Steve Ballmer. Er hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als ich ihm sagte, dass wir ein 1,15-Milliarden-Dollar-Problem hatten. Er sagte einfach ‚tu es‘. und falls wir das damals nicht getan hätten, würde Xbox heute wohl nicht mehr existieren. Unser Produkt drohte zu scheitern und wir mussten etwas dagegen unternehmen. Wir haben eine Menge [Konsolen] über Nacht ausgeliefert und eine Menge Boxen repariert oder ausgetauscht. Aber es hat das Problem gelöst und die Marke gerettet.“
Das komplette Interview auf Englisch gibt es auf
Glixel.
http://www.gamesbusiness.de/2017/04...-sonic-schoepfer-nahelegte-sich-zu-verpissen/