Nasreddin schrieb:@Glod: Dein Argument mit der Nahrungskette zeigt doch, dass du im Zweifel das Tier zumindest deinem Leben unterordnest.
Im Zweifelsfall ordne ich so ziemlich jedes Leben meinem eigenen unter. Da mache ich keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Und nur weil ich ein Tier esse, heißt dass nicht, dass ich es nicht wertschätze. Ich verfahre nicht nach dem Motto "Ach Drecksvieh - ab in die Pfanne".
Das Beispiel mit der Nahrungskette finde ich aber auch nicht besonders überzeugend. "Die Natur" hat die deiner Ansicht nach "eingerichtet", wer ist bitte "die Natur", was wurde da eingerichtet? Sind Veganer nicht "natürlich"? Ich finde das führt zu keinem Ziel.
"Die Natur" sind die Abläufe, die zum Leben auf unserem Planeten geführt haben und es seit Jahrmillionen am Laufen halten. Und die Nahrungsketten sind ein Teil dieser Vorgänge - schon immer gewesen. Nur weil wir da seit ein paar lächerlichen tausend Jahren rumgurken, ändert sich da nicht das Geringste.
All diese Pseudoargumentationen, die wie Nahrungskette, Gesundheit oder irgendwelche Eckzähne und Enzyme auf den Verstand abzielen, lenken doch nur vom Kernproblem des Konflikts ab: Es geht hier um Moral.
Es geht nicht um Moral. Es geht nur um das Übliche: Unsere Angst vor dem Tod. Wir sind eine der wenigen Spezies, die sich ihrer Existenz bewusst ist und darüber hinaus auch der Tatsache, dass diese eines Tages enden wird. Und davor haben wir mächtig Schiss. Aus diesem Grund haben wir Religionen erfunden. Und aus diesem Grund haben wir Rechte erfunden, die sicherstellen sollen, dass wir so lange wie möglich leben. Wir erachten Leben für heilig und wertvoll und meinen damit vor allen Dingen unser eigenes. Denn der Tod ist was absolut furchtbares in unserer Gesellschaft - eine Einstellung, die jedes Jahr um uns herum unermessliches Leid verursacht.
Was die Veganer angeht, so ist das wieder die extreme Form des menschlichen Denkens, die alles, was wir uns für unsere eigen Spezies zusammengesponnen haben, auch auf den ganzen Rest der Welt ausdehnen müssen. Um Gotteswillen nur nicht die armen Tiere töten, sondern warten, bis sie von selbst tot umfallen. Denn Leben ist ja heilig.
Frage: Wenn alles, was mal lebendig war, tot ist...und alles, was lebt irgendwann tot sein wird - wo kommt da der heilige Part ins Spiel?
Die Menschenrechte sind für mich nichts, was vom Himmel gefallen ist, sondern in einem Einigungsprozess zwischen der Mehrzahl der Menschen entstanden. Ich schlage Glod nicht den Schädel ein, er im Gegenzug mir auch nicht. Das ist ne klassische Win-Win-Situation.
Aha...und diese Menschenrechte...interessieren gleich noch mal wen? Schau dir mal die Menschenrechte an und wird dann einen Blick auf's aktuelle Weltgeschehen. Menschenrechte am Arsch. Nette Idee auf Papier, aber in der Praxis nicht wirklich vorhanden. In der Realität sieht es so aus, dass wir bedingungslos über Leichen gehen, um uns jeden auch nur denkbaren Vorteil zu sichern.
Und ich würde dir den Kopf einschlagen, wenn ich einen guten Grund dafür hätte. Genauso würdest du mir die Rübe runterhacken, wenn ich dir einen Anlass liefern würde. Ist auch Usus. Sieht man ja an den Mord- und Totschlagstatistiken. Und damit unterscheiden wir uns null von den Tieren, oder hast du schon mal gesehen, dass ein Tier ein Mitglied der eigenen Spezies aus Jux und Dollerei getötet hat? Wenn Tiere untereinander kämpfen und sich dabei evtl. auch töten, geht es um die wichtigsten Dinge im Leben: Fressen und Ficken. Ansonsten lassen die sich - auch ganz ohne Paragraphen - in Ruhe. Ist exakt wie bei uns. Nur dass wir uns gegenseitig auch für Geld, Öl, Zigaretten, Autos, Penislängen, Ländereien - im Grunde so ziemlich ALLES, was man besitzen kann, töten. Und manchmal tun wir es auch nur so zum Spaß. Genau wie wir zum Spaß andere Tiere töten. WIR sind der moralische Abschaum auf dieser Welt und nicht die überlegenen Heilsbringer.
Den Löwen interessiert es im Zweifelsfall einen Dreck, ob ich vegan lebe oder nicht.
Genauso interessiert es deine Katze einen Dreck. Oder deinen Hund. Denn die wollen Fleisch und sie BRAUCHEN Fleisch, denn ihr Organismus ist darauf angewiesen, wenn er überleben will. Und dass Fleisch muss irgendwoher kommen. Und dafür muss halt ein anderes Tier sterben, was uns wieder zur Nahrungskette bringt. Du siehst, der Kreis schließt sich.

Und die Veganer stehen außerhalb dieses Kreises und rufen "Ach hört doch bitte alle auf". Allerdings ist das ziemlich behindert, denn der Kreis ist dummerweise das Leben.





