BAZONG schrieb:
Ich lebe aber "tierärmer" oder weniger "tierintensiv" als andere durch meinen weitestgehenden Fleischverzicht (neben anderen, beachtenswerten Dingen, die man tun kann) und das hat definitiv Auswirkungen auf die Anzahl der Tiere, die während meines Daseins auf diesem Planeten gequält werden
Das bildest du dir leider nur ein. Nochmal: Die Tiere werden so oder so getötet und wenn du nicht wirklich Abstand von der kompletten Zivilisation nimmst und dich irgendwo in eine Berghütte zurückziehst, um dort von Gras und Blättern zu leben, wird kein Tier weniger getötet, nur weil du kein Fleisch isst, oder auf das eine oder andere Produkt verzichtest. Du kannst dir gern einreden, dass es so ist. Aber dabei bleibt es dann auch.
Das zeigt mir wieder, dass Du Dich nur sehr oberflächlich mit dem Thema befasst. Evin hat einen interessanten Link gebracht, wo man sehen kann, wieviele Agrarflächen nur für die Ernährung all der Viecher und damit dem Unterhalt unseres masslosen Fleischkonsums "vergeudet" werden. Haste aber schnell vergessen und/oder ausgeblendet
Habe ich weder vergessen, noch ausgeblendet. Nützt nur defacto nicht das geringste, wenn diese Flächen da sind. Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass wir allesamt auf Produkte verzichten, die nur durch den Tod von Tieren gewonnen werden können und das wir weiterhin die abartigen Zustände in den Viehzuchtbetrieben beenden und die Tiere obendrein nicht mehr mit Mastfutter füttern. Was wäre die Folge?
1) Ein großer Teil der Fläche, die jetzt für das Futter der Tiere draufgeht, geht anschließend als Weidefläche für z.B. die Kühe, Schafe etc. drauf. Irgendwas müssen die immerhin auch fressen und wir wollen weiterhin unsere Molkereiprodukte. Weitere Flächen werden vielleicht nicht mehr zum Getreideanbau für die Ernährung der Tiere genutzt. Da wird dann aber einfach Gras gezüchtet, denn irgendwie müssen die ganzen Tiere auch über den Winter kommen. Somit haben wir schon mal einen großen Teil der Flächen wieder verbaut, ohne auch nur den geringsten Nutzen durch den Verzicht auf Fleisch und weitere tierischen Produkte zu haben.
2) Der wichtige Punkt, den du immer noch nicht verstanden hast: UNZÄHLIGE Produkte fehlen jetzt in GRAVIERENDEN Mengen und müssen auf pflanzlicher Basis gewonnen werden. Gehen wir jetzt einfach mal davon aus, dass alles ersetzt werden kann und die Frage der Herstellung auch schon geklärt ist, so dass die Fabriken bloß einen Schalter umlegen müssen, damit von Tier auf Pflanze geswitched wird.
So muss z.B. die GESAMTE Lederindustrie auf alternative Produkte umstellen. Kunstleder wird z.B. auch aus Pflanzenfasern hergestellt. Sprich, die ganzen Schuhe, Jacken, Taschen, Gürtel, Hosen, Mäntel, Geldbörsen etc. etc. etc. - ALLES wird künftig anders hergestellt. Und auch wenn nicht alle möglichen Stoffe, eine natürliche Grundlage benötigen, ist wohl schwer davon auszugehen, dass wir uns künftig alle großflächig mit Polyester & Co. einkleiden, zumal das bei vielen Gegenständen eher kontraproduktiv wäre. Also müssen schon allein für die Textilindustrie massiv Agrarflächen zur Verfügung gestellt werden, damit die an ihre Rohstoffe kommen. Und das ist nur EIN Industriezweig. Es gibt unzählige weitere, die ebenfalls auf die Produkte angewiesen sind.
Nehmen wir z.B. mal die Bäcker. Wo kriegen die z.B. dann künftig ihr Schmalz her? Oder die Gelatine? Richtig - Pflanzen. Und wo wächst das Zeug dann? Und die haben vermutlich einen noch höheren Bedarf an dem Krempel als die Textilindustrie.
Und dann folgen die ganzen anderen Hersteller, die dringend auf ihren Kram warten und nicht jeder von denen wird einen Garten haben, der groß genug ist, um den Bedarf der Fabrik zu stillen.
Was jetzt an Getreideflächen für die Tierzucht draufgeht, ist nix im Vergleich zu dem, was wir brauchen, wenn wir künftig keine Produkte mehr nutzen wollen, für die Tiere getötet werden müssen.
3) Auch ein ganz wichtiger Punkt: Die Schlachtbetriebe laufen rund um die Uhr. Täglich werden da zig tausende Tiere getötet und sofort komplett verarbeitet. Beim Anbau von Pflanzen gibt es da ein kleines Problem. Man kann Pflanzen nicht rund um die Uhr produzieren. Es gibt Jahreszeiten, wo bestimmte Dinge einfach nicht wachsen. Auch wieder blöd. Wenn dann noch Ernteausfälle wegen miesem Wetter dazu kommen, oder Schädlingsbefall etc....oh boy. Ergo müssen wir viele der Rohstoffe einlagern, damit die Industrie nicht irgendwann über Nacht zusammenbricht. Das bedeutet aber, dass wir NOCH MEHR Agrarfläche brauchen, denn irgendwo muss der Überschuss ja herkommen. Und ich schätze mal arg, dass wir irgendwo in den vorangegangenen Zeilen die Fläche, die wir durch den Verzicht auf Getreideanbau zwecks Tierzucht schon längst überschritten haben.
4) Hab ich schon erwähnt, dass durch den Wegfall des Fleisches ein quantitativer Ersatz rangeschafft werden muss, der - you guessed it - auf Pflanzen basiert, die wiederum zusätzlich zum aktuellen Kontingent angebaut werden müssen und ergo Fläche benötigen? Dürfte nicht ganz irrelevant sein, wenn zig Millionen Fleischesser plötzlich u.a. Soja als Eiweißersatz benötigen.
Du siehst, ich habe gar nix ignoriert. Es ist nur so, dass die Annahme "Wenn wir kein Getreide o.ä. für Tiere anbauen, dann haben wir genug Ackerland für pflanzliche Ersatzstoffe" eine ziemliche Milchmädchenrechnung ist.
Natürlich könnte man an einigen Sachen drehen. So könnten wir z.B. gleich komplett zum Veganismus schwenken. Wenn wir komplett auf Tiere verzichten, dann brauchen wir auch keine Weideflächen für die. Wäre wieder ein Gewinn. Wir müssten zwar bloß die kompletten Bestände keulen und somit ganze Spezies ausrotten und...ach scheiße, da würde ja die komplette Molkereiindustrie ausradiert werden. Keine Milch, keine Eier und keine Schafwolle mehr...was wir da an zusätzlichen Flächen brauchen, um die entsprechenden Sojaprodukte etc. zu gewinnen. Eieieiei...