Die beste Möglichkeit, die mir einfällt, um Just Cause 3 und meine Gefühle zu dem Spiel zu beschreiben, ist den finalen Kampf zu spoilern. Wer dies nicht wünscht, möge nicht weiter lesen, aber ich versichere, es gibt nicht viel zu spoilern.
Rico Rodriguez bekämpft einen Helikopter. Mit einem Raketenwerfer.
Jetzt erwartet man in einem Just Cause 3, dass hier weitere Modifikatoren hinzutreten wie „auf einer Rakete“, „ein Einhorn reitend“, „mit einer Armee feuerspuckender Schildkröten“, irgendwas abstruses. Ich könnte hinzufügen, dass man sich in einem Vulkan befindet, aber de facto rennt Rico immer um einen Felsen herum, um den Raketen des Helikopters auszuweichen und feuert dann seinerseits seine Raketen wenn die Gelegenheit es zulässt. Minutenlang. Dann folgt ein kurzer Monolog des bösen Diktators und die Credits rollen. End of Game. Ein Spiel, berühmt geworden durch allerlei Videos von verrückten Stunts und fliegenden Kühen und das Beste, was ihnen zum Finale einfällt, ist Standard Helikopter Kampf anno 2007. Es ist unfassbar.
Escort: The Game
Das heißt, eigentlich sollte ich es erwartet haben, waren die bisherigen Missionen der Story doch eigentlich samt und sonders Schrott.
Rico kehrt zurück in seine alte Heimat, die fiktive Insel Medici, wo Diktator Sebastiano Di Ravello das Volk eisern unterjocht. Zusammen mit CIA Agent Sheldon und der Rebellengruppe angeführt von Ricos Jugendfreund Mario macht er sich an die Arbeit, die Insel zu befreien, eine Statue nach der anderen. Die Story an sich geht völlig in Ordnung. Niemand wird hier ein Charakterdrama erwarten, aber das SetUp ist stimmig und die Charaktere, eindimensional wie sie halt sind, machen Spaß. Rico ist ein ziemlicher arroganter Kotzbrocken, aber wenn ich das könnte, was er hier zeigt, wäre ich das wohl auch. Di Ravello ist böse wie Klischee genau wie seine Milita (Di Ravello Militia, get it?).
Äh, so funktioniert das nicht, Rico!
Die Handlung macht freilich nicht wirklich immer viel Sinn. In einer Mission versuchen die Rebellen, den Spion in ihren Reihen ausfindig zu machen und geben dem Verdächtigen die Information, dass man ein Kraftwerk angreifen wolle. Im sicheren Wissen, dass die Miliz von diesen Plänen in Kenntnis gesetzt wird, fasst unsere Truppe dann den geistreichen Entschluss, genau dieses Kraftwerk auch tatsächlich wie angekündigt anzugreifen.
Aber nein, weder Handlung noch Charaktere sind das Problem. Das Problem ist, dass die 25 Storymissionen wie erwähnt samt und sonders Schrott sind. Rico kann nahezu jedes Gefährt auf der Insel benutzen, vom Moped über einen Formel Wagen bis zu Jets, verfügt über unendlich viele Fallschirme, C4 und einen Wingsuit, mit dem er mehr oder weniger fliegen kann, hat außerdem den berühmten Greifhaken verstärkt, sodass er nun bis zu sechs gleichzeitig benutzen kann. Gleichwohl fiel den Entwicklern nichts ein, was man damit machen kann.
„Wir haben: Fallschirme, Hubschrauber, Wingsuits, C4, Raketenwerfer, Luftangriff und Formel Wagen!“ „Fantastisch! Lasst den Spieler diesem Konvoi folgen!“ „...“
Klar, es gibt die berühmten youtube Clips, wo Leute einfach nur Blödsinn damit machen. Klebt einer Kuh C4 unter den Arsch und lasst sie fliegen. Zerstört eine Brücke, wenn der Zug kommt und lacht, wenn das Gespann in den Fluss taucht. Kreuzigt einen NPC. Das macht vielleicht Spaß für zehn Minuten. Wer dann aber tatsächlich den Icons folgt, bekommt einige der einfallslosesten Aufgaben vorgesetzt diesseits von Assassin's Creed.
Eine Storymission dauert ungelogen kaum zwei Minuten und besteht nur darin, einen unfahrbaren LKW mit Weinfässern zu einem Ziel zu fahren aus... Gründen. Gefühlt 70 % aller Missionen sind Beschützermissionen. Beschütze diesen Storygegenstand! Nutze die AA Kanon! Nutze dieses Geschütz! Jetzt kommen sie von der anderen Seite. Und alles wird mit einem gelben Icon markiert. Am Ende der Mission war der ganze Bildschirm so von gelben Punkten zu gekleistert, dass man meinen könnte, mein Fernseher hätte eine exotische Variante der Pocken bekommen. Kurz vor dem Ende der Mission kamen dann auch noch zwei weitere Charaktere hinzu. „Habt ihr geglaubt, wir lassen uns das entgehen?“ So in etwa sinngemäß wirkte der Auftritt. Ich konnte hingegen nur stöhnend mit den Augen rollen. Rein praktisch bedeutete diese Unterstützung nämlich nichts anderes als zweite weitere Gesundheitsleisten, die, wenn geleert, den Verlust der Mission zur Folge gehabt hätten.
Beschütze diesen Zug! Beschütze den NPC! Bring dieses Fahrzeug heile zu diesem Punkt! Das Meeting für das Design der Storymissionen kann insgesamt kaum länger als eine halbe Stunde gedauert haben. Der direkte Vorgänger endete immerhin mit dem Ritt auf einer Rakete, eine Mission, die Just Cause 3 in einer frühen kopiert und Rico den coolen Part in einer Cutszene ohne Einfluss des Spieler ausführen lässt. Mehr bietet Just Cause 3 nicht.
Neben der Story gibt es dutzende von Siedlungen, Stützpunkten und Basen, die Rico befreien kann. Er befreit sie, indem er die wichtigste Infrastruktur in Schutt und Asche legt. Städte werden von Propaganda befreit, Lautsprecher, Statuen etc., Basen verfügen über Generatoren, Satelliten und dergleichen. Auch hier stellt sich auf Grund der enormen Anzahl der Gebiete schnell Routine, um nicht zu sagen, Monotonie ein. Klar, es macht Spaß, mit verschiedenen Methoden der Zerstörung zu experimentieren. Verbindet ein paar Benzintanks mit den Greifhaken und zieht sie zusammen, setzt C4 an den großen Antennenturm und schaut, wie er einstürzt, verbindet die Statue mit einem Helikopter und zieht diese vom Sockel, alles klasse. Zehn Spielstunden und 25 solcher Basen später und ihr findet euch in einer großen Kiesgrube mit dutzenden zu zerstörenden Einrichtungen, die alle auf der linken Seite des Bildschirms angezeigt werden, inmitten im Kugelhagel von Gatlinggun tragenden Mechs, Ninjas mit Maschinenpistolen, Panzern, Helikoptern und 200 Soldaten. Im Wissen, dass noch mindestens 50 solcher Anlagen warten, schnappt ihr euch den schwersten Helikopter, den ihr zur Verfügung habt und deckt die Landschaft einfach mit Bomben und Raketen zu.
Explosionen-Checkpointrennen-?-Profit
Dieses Freiräumen der Karte ist auch nicht wirklich optional. Naja, im Grunde ist jedes Spiel an sich optional, aber wenn man Just Cause 3 spielt, benötigt man auch diese Basen. Denn durch das Befreien von Militärstützpunkten und Städten schaltet ihr Herausforderungen frei. Diese unterteilen sich in diverse Checkpointrennen (Land, Wasser, Luft) und Zerstörungsorgien sowie Kurse für den Wingsuit und einen Bombrun, in dem ihr in einem mit einer Bombe versehenen Fahrzeug, das explodiert, wenn ihr zu schnell fahrt, ein Ziel ansteuern sollt (Speed lässt grüßen). Riecht ihr förmlich die Originalität? Eure Aufgabe ist es, möglichst viele Punkte zu sammeln, da ihr dafür Zahnräder bekommt. Diese Zahnräder sind die einzige Möglichkeit, neue Modifikationen für eure Ausrüstung zu bekommen, sprich Upgrades. Mehr Greifhaken, mehr C4, neue Fähigkeiten mit dem Wingsuit, die Option, für den Sprengstoff vor der Detonation einen Raketenboost zu bekommen und so weiter und so fort. Sprich, ihr wollt diese Upgrades für die Storymissionen, müsst dafür die Herausforderungen spielen und müsst diese wiederum durch das Befreien von Basen und Städten freischalten. Die Chaospoints aus den Vorgängern sind nach wie vor an Bord, scheinen aber keine Auswirkungen auf das Spiel und den Fortschritt zu haben.
Diese Herausforderungen sind dabei in ihrer Art äußerst seltsam designt. In den Chaosherausforderungen, in denen es um Zerstörung, habt ihr oft ein Thema vorgegeben. So sollt ihr beispielsweise euren neuen Granatenwerfer nehmen. In dem Areal aber findet sich auch ein Kampfhubschrauber. Nichts hindert euch daran, einfach in diesen zu springen und das Gebiet zu atomisieren. Höchste Punktzahl. Gleiches gilt für die Rennen, in denen ihr ohne Probleme alle freigeschalteten Fahrzeuge nutzen könnt. Ich habe in den Luftrennen meistens den Jet genommen und bin mit 400 Sachen durch die Checkpoints gerast. Auf Land habe ich mit dem Formel Wagen nahezu jedes Rennen mit fünf Zahnrädern abgeschlossen. Es fühlt sich nicht wirklich durchdacht an.
Abgesehen davon sind diese Art von Aufgaben der Bodensatz des OpenWorld Games. Jedes OpenWorld Spiel muss diese Teile haben und alle haben eines gemeinsam. Sie sind spaßfrei und ich ignoriere sie. Egal ob es Assassin's Creed ist, Grand Theft Auto 5, Mad Max oder sogar ein Witcher 3. Lasst mich in Ruhe mit euren blöden Rennen! Wenn ich Rennen fahren will, kauf ich mir ein Formel 1 Spiel. Dass ein Spiel wie Just Cause soviel Zeit verplempert mit solchem Blödsinn und die Upgrades hinter diesen Missionen versteckt, ist einfach nur erschreckend.
Kann man eine PS 4 wasserkühlen?
Genauso erschreckend ist die Technik des Spiels. Versucht gar nicht erst, das Spiel ohne den 3 GB Day One Patch zu starten. Die Karte ist zu 100 % unbrauchbar. Sie braucht Minuten, um zu laden und selbst dann wirkt es, als wenn das Spiel jeden Moment abstürzen würde. Nach dem Patch funktioniert die Karte wenigstens. Dann wäre die Onlineanbindung. Das Spiel verfügt über eine Onlinefunktion, die dem geneigten Spieler regelmäßig anzeigt, dass eine willkürliche Kombination aus Buchstaben und Zahlen ihn gerade in der Disziplin „längster Ragdoll“ geschlagen hat. Hierfür benötigt das Spiel eine Verbindung zu irgendwelchen Servern, die wahrscheinlich auch in Medici stehen. Zum Start verbindet sich das Spiel erst mal für ca. 30 Sekunden, bevor es dann in etwa zwei Minuten das eigentliche Spiel lädt. In regelmäßigen Abständen verliert das Spiel die Verbindung, was es mit einem weiteren Verbindungsversuch anzeigt. Dieser Versuch unterbricht das Spiel und lässt sich nicht skippen. Man kann dann einen Offlinemodus einstellen, der solange hält, bis irgendein Menü geöffnet wird. Dann wiederholt sich der Prozess. In den ersten Tagen war die einzige Möglichkeit, das Spiel zu spielen, die Konsole selbst offline zu stellen. Aber auch dann sind die Ladezeiten barbarisch. Insbesondere das Neustarten der Herausforderungen dauert bis annähernd eine Minute, der Rekord war einmal beinahe drei Minuten. Beim Ableben das gleiche Spiel, Schnellreisen ebenso. Das Spiel ist eine einzige Qual.
Sofern mehr als zwei Dinge gleichzeitig explodieren, sprich wenn ihr das Spiel spielt, geht die Framerate massiv in die Knie. Nicht ab und an, nicht je nach Location, nahezu immer. Langsam darf man die Frage aufwerfen, ob es für diese grässliche Technik wirklich eine neue Konsolengeneration gebraucht hätte oder ob die Power der achten Generation schlicht und einfach für große OpenWorlds nicht ausreichend ist.
Die Steuerung an sich ist nur mäßig gelungen. Bei allen Optionen, die Rico hat, verfügt er weder über einen Sprint noch über eine Ausweichrolle. Und sorry, aber der Haken ist keine Alternative. Manchmal will ich einfach nur kurz einen halben Meter nach rechts ausweichen oder etwas schneller hinter diese Deckung kommen ohne gleich abzuheben. Die Flugsteuerung lässt sich nicht invertieren, sodass Rico aufwärts steigt, wenn man den Stick nach unten zieht. Flugzeuge und Hubschrauber steuern sich gut und einfach, Autos sind eher gemischt, aber kein Vergleich mehr zum unspielbaren Vorgänger. Richtig problematisch ist nach wie das Erklimmen von hohen Bergen, von denen Medici viele hat, per Greifhaken. Präzision ist nicht die stärkste Seite der Steuerung. Wenigstens sind die Checkpoints immer fair, durch die Ladezeiten ist jedes Ableben trotzdem erheblich frustrierend.
Warum ist das Spiel so langweilig? Just Cause...
Es gibt Spiele, die sich in Trailern besser verkaufen lassen als andere. Ein Hitman oder Splinter Cell eignet sich weniger dafür als ein Actionfeuerwerk wie Call of Duty oder Uncharted. Spiele wie Just Cause 3 müssen doch glatt den feuchten Traum der Marketingabteilung darstellen, ist das Marketing doch fast ein Selbstläufer. Wie, ja wie um Himmels willen, kann man ein Spiel wie Just Cause 3, mit all seinen Explosionen, Physikspielereien und einem Wingsuit so unfassbar langweilig machen? Das grenzt doch eigentlich schon an eine Form von bösen Vorsatz. Das Befreien der Basen macht die ersten beiden Male Spaß, dann stellt man fest, dass man noch 200 Mal dasselbe machen muss. Das exakt Gleiche gilt für die Herausforderungen mit dem Unterschied, dass diese nicht alle von Beginn an Spaß machen. Über die Hauptmissionen kann man nur noch den Kopf schütteln. Hat Avanlanche die ausgesondert und von einem unterbezahlten Team in Indien designen lassen oder einfach „OpenWorldMissions for Beginners“ gegoogelt? Escortmissions und Timelimits, Bosskämpfe, die alles rausnehmen, was Just Cause zu Just Cause macht, die gesamte Story ist eine kreative Bankrotterklärung. Dazu wirkt das Spiel technisch wie ein PS 4 Spiel, das man auf eine PS 3 gezwungen hat. Selbst ein Mad Max hat insgesamt wesentlich mehr Spaß gemacht und das war die buchstäbliche Definition von „Grind: The Game“.
Mein Tip: Leiht euch das Spiel aus, klebt einer Kuh C4 unter den Arsch und gebt es am gleichen Tag zurück! Oder noch günstiger: Seht euch einfach die Videos von „nerdcubed“ an! Besseres hat das Spiel nicht zu bieten, wenn man nicht auf 30 Stunden stumpfes Abarbeiten von Icons steht.
Rico Rodriguez bekämpft einen Helikopter. Mit einem Raketenwerfer.
Jetzt erwartet man in einem Just Cause 3, dass hier weitere Modifikatoren hinzutreten wie „auf einer Rakete“, „ein Einhorn reitend“, „mit einer Armee feuerspuckender Schildkröten“, irgendwas abstruses. Ich könnte hinzufügen, dass man sich in einem Vulkan befindet, aber de facto rennt Rico immer um einen Felsen herum, um den Raketen des Helikopters auszuweichen und feuert dann seinerseits seine Raketen wenn die Gelegenheit es zulässt. Minutenlang. Dann folgt ein kurzer Monolog des bösen Diktators und die Credits rollen. End of Game. Ein Spiel, berühmt geworden durch allerlei Videos von verrückten Stunts und fliegenden Kühen und das Beste, was ihnen zum Finale einfällt, ist Standard Helikopter Kampf anno 2007. Es ist unfassbar.
Escort: The Game
Das heißt, eigentlich sollte ich es erwartet haben, waren die bisherigen Missionen der Story doch eigentlich samt und sonders Schrott.
Rico kehrt zurück in seine alte Heimat, die fiktive Insel Medici, wo Diktator Sebastiano Di Ravello das Volk eisern unterjocht. Zusammen mit CIA Agent Sheldon und der Rebellengruppe angeführt von Ricos Jugendfreund Mario macht er sich an die Arbeit, die Insel zu befreien, eine Statue nach der anderen. Die Story an sich geht völlig in Ordnung. Niemand wird hier ein Charakterdrama erwarten, aber das SetUp ist stimmig und die Charaktere, eindimensional wie sie halt sind, machen Spaß. Rico ist ein ziemlicher arroganter Kotzbrocken, aber wenn ich das könnte, was er hier zeigt, wäre ich das wohl auch. Di Ravello ist böse wie Klischee genau wie seine Milita (Di Ravello Militia, get it?).
Äh, so funktioniert das nicht, Rico!
Die Handlung macht freilich nicht wirklich immer viel Sinn. In einer Mission versuchen die Rebellen, den Spion in ihren Reihen ausfindig zu machen und geben dem Verdächtigen die Information, dass man ein Kraftwerk angreifen wolle. Im sicheren Wissen, dass die Miliz von diesen Plänen in Kenntnis gesetzt wird, fasst unsere Truppe dann den geistreichen Entschluss, genau dieses Kraftwerk auch tatsächlich wie angekündigt anzugreifen.
Aber nein, weder Handlung noch Charaktere sind das Problem. Das Problem ist, dass die 25 Storymissionen wie erwähnt samt und sonders Schrott sind. Rico kann nahezu jedes Gefährt auf der Insel benutzen, vom Moped über einen Formel Wagen bis zu Jets, verfügt über unendlich viele Fallschirme, C4 und einen Wingsuit, mit dem er mehr oder weniger fliegen kann, hat außerdem den berühmten Greifhaken verstärkt, sodass er nun bis zu sechs gleichzeitig benutzen kann. Gleichwohl fiel den Entwicklern nichts ein, was man damit machen kann.
„Wir haben: Fallschirme, Hubschrauber, Wingsuits, C4, Raketenwerfer, Luftangriff und Formel Wagen!“ „Fantastisch! Lasst den Spieler diesem Konvoi folgen!“ „...“
Klar, es gibt die berühmten youtube Clips, wo Leute einfach nur Blödsinn damit machen. Klebt einer Kuh C4 unter den Arsch und lasst sie fliegen. Zerstört eine Brücke, wenn der Zug kommt und lacht, wenn das Gespann in den Fluss taucht. Kreuzigt einen NPC. Das macht vielleicht Spaß für zehn Minuten. Wer dann aber tatsächlich den Icons folgt, bekommt einige der einfallslosesten Aufgaben vorgesetzt diesseits von Assassin's Creed.
Eine Storymission dauert ungelogen kaum zwei Minuten und besteht nur darin, einen unfahrbaren LKW mit Weinfässern zu einem Ziel zu fahren aus... Gründen. Gefühlt 70 % aller Missionen sind Beschützermissionen. Beschütze diesen Storygegenstand! Nutze die AA Kanon! Nutze dieses Geschütz! Jetzt kommen sie von der anderen Seite. Und alles wird mit einem gelben Icon markiert. Am Ende der Mission war der ganze Bildschirm so von gelben Punkten zu gekleistert, dass man meinen könnte, mein Fernseher hätte eine exotische Variante der Pocken bekommen. Kurz vor dem Ende der Mission kamen dann auch noch zwei weitere Charaktere hinzu. „Habt ihr geglaubt, wir lassen uns das entgehen?“ So in etwa sinngemäß wirkte der Auftritt. Ich konnte hingegen nur stöhnend mit den Augen rollen. Rein praktisch bedeutete diese Unterstützung nämlich nichts anderes als zweite weitere Gesundheitsleisten, die, wenn geleert, den Verlust der Mission zur Folge gehabt hätten.
Beschütze diesen Zug! Beschütze den NPC! Bring dieses Fahrzeug heile zu diesem Punkt! Das Meeting für das Design der Storymissionen kann insgesamt kaum länger als eine halbe Stunde gedauert haben. Der direkte Vorgänger endete immerhin mit dem Ritt auf einer Rakete, eine Mission, die Just Cause 3 in einer frühen kopiert und Rico den coolen Part in einer Cutszene ohne Einfluss des Spieler ausführen lässt. Mehr bietet Just Cause 3 nicht.
Neben der Story gibt es dutzende von Siedlungen, Stützpunkten und Basen, die Rico befreien kann. Er befreit sie, indem er die wichtigste Infrastruktur in Schutt und Asche legt. Städte werden von Propaganda befreit, Lautsprecher, Statuen etc., Basen verfügen über Generatoren, Satelliten und dergleichen. Auch hier stellt sich auf Grund der enormen Anzahl der Gebiete schnell Routine, um nicht zu sagen, Monotonie ein. Klar, es macht Spaß, mit verschiedenen Methoden der Zerstörung zu experimentieren. Verbindet ein paar Benzintanks mit den Greifhaken und zieht sie zusammen, setzt C4 an den großen Antennenturm und schaut, wie er einstürzt, verbindet die Statue mit einem Helikopter und zieht diese vom Sockel, alles klasse. Zehn Spielstunden und 25 solcher Basen später und ihr findet euch in einer großen Kiesgrube mit dutzenden zu zerstörenden Einrichtungen, die alle auf der linken Seite des Bildschirms angezeigt werden, inmitten im Kugelhagel von Gatlinggun tragenden Mechs, Ninjas mit Maschinenpistolen, Panzern, Helikoptern und 200 Soldaten. Im Wissen, dass noch mindestens 50 solcher Anlagen warten, schnappt ihr euch den schwersten Helikopter, den ihr zur Verfügung habt und deckt die Landschaft einfach mit Bomben und Raketen zu.
Explosionen-Checkpointrennen-?-Profit
Dieses Freiräumen der Karte ist auch nicht wirklich optional. Naja, im Grunde ist jedes Spiel an sich optional, aber wenn man Just Cause 3 spielt, benötigt man auch diese Basen. Denn durch das Befreien von Militärstützpunkten und Städten schaltet ihr Herausforderungen frei. Diese unterteilen sich in diverse Checkpointrennen (Land, Wasser, Luft) und Zerstörungsorgien sowie Kurse für den Wingsuit und einen Bombrun, in dem ihr in einem mit einer Bombe versehenen Fahrzeug, das explodiert, wenn ihr zu schnell fahrt, ein Ziel ansteuern sollt (Speed lässt grüßen). Riecht ihr förmlich die Originalität? Eure Aufgabe ist es, möglichst viele Punkte zu sammeln, da ihr dafür Zahnräder bekommt. Diese Zahnräder sind die einzige Möglichkeit, neue Modifikationen für eure Ausrüstung zu bekommen, sprich Upgrades. Mehr Greifhaken, mehr C4, neue Fähigkeiten mit dem Wingsuit, die Option, für den Sprengstoff vor der Detonation einen Raketenboost zu bekommen und so weiter und so fort. Sprich, ihr wollt diese Upgrades für die Storymissionen, müsst dafür die Herausforderungen spielen und müsst diese wiederum durch das Befreien von Basen und Städten freischalten. Die Chaospoints aus den Vorgängern sind nach wie vor an Bord, scheinen aber keine Auswirkungen auf das Spiel und den Fortschritt zu haben.
Diese Herausforderungen sind dabei in ihrer Art äußerst seltsam designt. In den Chaosherausforderungen, in denen es um Zerstörung, habt ihr oft ein Thema vorgegeben. So sollt ihr beispielsweise euren neuen Granatenwerfer nehmen. In dem Areal aber findet sich auch ein Kampfhubschrauber. Nichts hindert euch daran, einfach in diesen zu springen und das Gebiet zu atomisieren. Höchste Punktzahl. Gleiches gilt für die Rennen, in denen ihr ohne Probleme alle freigeschalteten Fahrzeuge nutzen könnt. Ich habe in den Luftrennen meistens den Jet genommen und bin mit 400 Sachen durch die Checkpoints gerast. Auf Land habe ich mit dem Formel Wagen nahezu jedes Rennen mit fünf Zahnrädern abgeschlossen. Es fühlt sich nicht wirklich durchdacht an.
Abgesehen davon sind diese Art von Aufgaben der Bodensatz des OpenWorld Games. Jedes OpenWorld Spiel muss diese Teile haben und alle haben eines gemeinsam. Sie sind spaßfrei und ich ignoriere sie. Egal ob es Assassin's Creed ist, Grand Theft Auto 5, Mad Max oder sogar ein Witcher 3. Lasst mich in Ruhe mit euren blöden Rennen! Wenn ich Rennen fahren will, kauf ich mir ein Formel 1 Spiel. Dass ein Spiel wie Just Cause soviel Zeit verplempert mit solchem Blödsinn und die Upgrades hinter diesen Missionen versteckt, ist einfach nur erschreckend.
Kann man eine PS 4 wasserkühlen?
Genauso erschreckend ist die Technik des Spiels. Versucht gar nicht erst, das Spiel ohne den 3 GB Day One Patch zu starten. Die Karte ist zu 100 % unbrauchbar. Sie braucht Minuten, um zu laden und selbst dann wirkt es, als wenn das Spiel jeden Moment abstürzen würde. Nach dem Patch funktioniert die Karte wenigstens. Dann wäre die Onlineanbindung. Das Spiel verfügt über eine Onlinefunktion, die dem geneigten Spieler regelmäßig anzeigt, dass eine willkürliche Kombination aus Buchstaben und Zahlen ihn gerade in der Disziplin „längster Ragdoll“ geschlagen hat. Hierfür benötigt das Spiel eine Verbindung zu irgendwelchen Servern, die wahrscheinlich auch in Medici stehen. Zum Start verbindet sich das Spiel erst mal für ca. 30 Sekunden, bevor es dann in etwa zwei Minuten das eigentliche Spiel lädt. In regelmäßigen Abständen verliert das Spiel die Verbindung, was es mit einem weiteren Verbindungsversuch anzeigt. Dieser Versuch unterbricht das Spiel und lässt sich nicht skippen. Man kann dann einen Offlinemodus einstellen, der solange hält, bis irgendein Menü geöffnet wird. Dann wiederholt sich der Prozess. In den ersten Tagen war die einzige Möglichkeit, das Spiel zu spielen, die Konsole selbst offline zu stellen. Aber auch dann sind die Ladezeiten barbarisch. Insbesondere das Neustarten der Herausforderungen dauert bis annähernd eine Minute, der Rekord war einmal beinahe drei Minuten. Beim Ableben das gleiche Spiel, Schnellreisen ebenso. Das Spiel ist eine einzige Qual.
Sofern mehr als zwei Dinge gleichzeitig explodieren, sprich wenn ihr das Spiel spielt, geht die Framerate massiv in die Knie. Nicht ab und an, nicht je nach Location, nahezu immer. Langsam darf man die Frage aufwerfen, ob es für diese grässliche Technik wirklich eine neue Konsolengeneration gebraucht hätte oder ob die Power der achten Generation schlicht und einfach für große OpenWorlds nicht ausreichend ist.
Die Steuerung an sich ist nur mäßig gelungen. Bei allen Optionen, die Rico hat, verfügt er weder über einen Sprint noch über eine Ausweichrolle. Und sorry, aber der Haken ist keine Alternative. Manchmal will ich einfach nur kurz einen halben Meter nach rechts ausweichen oder etwas schneller hinter diese Deckung kommen ohne gleich abzuheben. Die Flugsteuerung lässt sich nicht invertieren, sodass Rico aufwärts steigt, wenn man den Stick nach unten zieht. Flugzeuge und Hubschrauber steuern sich gut und einfach, Autos sind eher gemischt, aber kein Vergleich mehr zum unspielbaren Vorgänger. Richtig problematisch ist nach wie das Erklimmen von hohen Bergen, von denen Medici viele hat, per Greifhaken. Präzision ist nicht die stärkste Seite der Steuerung. Wenigstens sind die Checkpoints immer fair, durch die Ladezeiten ist jedes Ableben trotzdem erheblich frustrierend.
Warum ist das Spiel so langweilig? Just Cause...
Es gibt Spiele, die sich in Trailern besser verkaufen lassen als andere. Ein Hitman oder Splinter Cell eignet sich weniger dafür als ein Actionfeuerwerk wie Call of Duty oder Uncharted. Spiele wie Just Cause 3 müssen doch glatt den feuchten Traum der Marketingabteilung darstellen, ist das Marketing doch fast ein Selbstläufer. Wie, ja wie um Himmels willen, kann man ein Spiel wie Just Cause 3, mit all seinen Explosionen, Physikspielereien und einem Wingsuit so unfassbar langweilig machen? Das grenzt doch eigentlich schon an eine Form von bösen Vorsatz. Das Befreien der Basen macht die ersten beiden Male Spaß, dann stellt man fest, dass man noch 200 Mal dasselbe machen muss. Das exakt Gleiche gilt für die Herausforderungen mit dem Unterschied, dass diese nicht alle von Beginn an Spaß machen. Über die Hauptmissionen kann man nur noch den Kopf schütteln. Hat Avanlanche die ausgesondert und von einem unterbezahlten Team in Indien designen lassen oder einfach „OpenWorldMissions for Beginners“ gegoogelt? Escortmissions und Timelimits, Bosskämpfe, die alles rausnehmen, was Just Cause zu Just Cause macht, die gesamte Story ist eine kreative Bankrotterklärung. Dazu wirkt das Spiel technisch wie ein PS 4 Spiel, das man auf eine PS 3 gezwungen hat. Selbst ein Mad Max hat insgesamt wesentlich mehr Spaß gemacht und das war die buchstäbliche Definition von „Grind: The Game“.
Mein Tip: Leiht euch das Spiel aus, klebt einer Kuh C4 unter den Arsch und gebt es am gleichen Tag zurück! Oder noch günstiger: Seht euch einfach die Videos von „nerdcubed“ an! Besseres hat das Spiel nicht zu bieten, wenn man nicht auf 30 Stunden stumpfes Abarbeiten von Icons steht.