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REVIEW Homefront [Review]

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Wie heisse ich noch mal? Und warum bin ich bloss aufgestanden...

Guten Tag. Mein Name ist … und die Welt ist scheisse. Kennen Sie diese Tage, wo man besser mit dem Arsch im Bett bleiben würde? Ich war mal wieder so dumm, und bin aufgestanden...

Die Koreaner haben unser Land überrollt. Ich weiss bis heute nicht, wie die Nordkoreaner das gemacht haben. Erst vereinen sie sich mit Südkorea, dann wird halb Asien annektiert. Ok, wir befanden uns in einer schweren Wirtschaftskrise, unsere Notenbank hatte anscheinend keine Lust, neues Geld zu drucken und die Chinesen haben uns auch keins geliehen. Anscheinend haben wir ihnen das geliehene Geld aus der letzten Wirtschaftskrise noch nicht zurück bezahlt. Und unser Militär ist auch nicht mehr das, was es mal war. Sei’s drum, die Koreaner sind doof. Seit zwei Jahren wüten sie in unserem Land, foltern uns, zerstören unsere Häuser, töten Unschuldige. Damit ist jetzt schluss, denn ich bin aufgestanden...

„Grosses Gefühlskino“ PC Action 03/2011

Homefront von den KAOS Studios beginnt relativ interessant. Ein mehrminütiger Film zeigt dem Spieler, wie es zu den katastrophalen Zuständen im besetzten Amerika kommen konnte. Dass die Rahmenhandlung abstrus werden wird, wusste ich im Vorfeld. Aber egal, Videospiele-Stories sind oftmals nicht glaubwürdig (auch wenn ein reales Szenario natürlich etwas mehr Glaubwürdigkeit verkraften könnte), es kommt aber mehr darauf an, was man daraus macht. Am Anfang des Spiels wird der Protagonist von den KVA (koreanische Armee) verschleppt und in einen Gefangenenbus gezwungen. Der Bus setzt sich in Bewegung und man kann durch bewegen des Sticks beobachten, was an den Strassenrändern passiert. Da werden Zivilisten durch Kopfschüsse auf offener Strasse hingerichtet, Eltern werden vor den Augen ihres Kindes erschossen. Die Koreaner werden als barbarischer Besatzer dargestellt.

Vielleicht ist dies eine der Szenen, die von vielen Previews im Vorfeld als beklemmend und emotional bewertet wurde. Ich empfand sie sehr nüchtern und emotionslos. Warum, wo diese Handlungen doch so unmenschlich sind? Weil, und das wird dem Spiel meiner Meinung nach bis zum Schluss zum Verhängnis, keinerlei Emotionen beim Spieler aufgebaut werden. Ich beobachte die Szene mit den Eltern und der Bus fährt einfach weiter. Durch ein paar „Kniffe“ hätte man hier viel mehr rausholen können. Ein innerer Monolog, der das Gesehene verarbeitet, Hassgefühle gegen die Koreaner? Fehlanzeige. Wenige Momente später beginnt das eigentliche Spiel. Ein LKW des Widerstands (Zellen, bestehend aus Zivilisten und Soldaten, die sich im Alleingang gegen die koreanische Armee zur Wehr setzen) rammt den Bus und man wird aus dem brennenden Wrack befreit. Hier beginnt das Spiel und man lernt seine „Freunde“ für’s Spiel kennen.

Nichts Neues von der Heimatfront...

Es folgt altbekanntes Shooter-Gameplay. Horden von KVA’lern warten nur darauf, von drei, vier Widerständlern niedergeschossen zu werden. Wenn man als Spieler nicht zügig vorrückt, werden es wirklich oftmals Horden von Gegnern, denn Gegner-Respawn ist in Homefront leider keine Seltenheit. Zwar trifft man vereinzelt auch auf wenige, einzelne Gegner, sobald man aber ein grösseres Areal betritt, kann man sich auf längere Gefechte gefasst machen. Diese Gefechte können durchaus frustig werden. Zwar, und das ist löblich, vertragen Gegner nicht sonderlich viele Schüsse, man selbst aber auch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Deckung nur selten wirklich sicher ist. Sehr oft ist es bei meinem Durchgang vorgekommen, dass man selbst an die Deckung gepresst immer noch getroffen wurde. Man ist also ziemlich oft in Bewegung, hat kaum die Gelegenheit, kurz durchzuatmen. Dieses Gameplay zieht sich wie ein roter Faden bis zum letzten Spieldrittel durch das Spiel. Erst gegen Ende darf man ein wenig Snipern und einen Helikopter fliegen (was durchaus spassig war, auch wenn die Heli-Steuerung nicht 100%ig gelungen ist und ich deswegen die Mission bestimmt 20 Mal spielen musste). Gameplaytechnisch ist Homefront also absolute Standardkost.

Krieg war auch schon mal schöner...

Gleiches kann man auch über die Technik sagen. Die Grafik hat ihre hübschen Momente, wo die Entwickler auf Details Wert gelegt haben. Dummerweise kommen direkt danach Momente wo man sofort sieht, dass die Entwickler manchmal keine Lust auf mehr hatten. Dass man Homefront nicht mit Killzone 3 vergleichen sollte ist klar. Aber grafisch empfand ich selbst das 2009 erschienene Modern Warfare 2 besser. Dafür bleibt man von grösseren technischen Problemen verschont. Es läuft fast immer flüssig, PopUps nerven nur selten, auch Tearing konnte ich nur ganz selten erkennen.

Der Sound ist... so la la. Die deutschen Synchronstimmen der Männer wirken stark gelangweilt, während die einzige Frau im Spiel, Rianna, oftmals den Eindruck einer hysterischen Kuh vermittelt. Ihr „Entsetzen“ und „Mitleid“ in der Stimme wirkt eher aufgesetzt und übertrieben. Die Waffensounds sind ganz gut, wenn auch nicht so druckvoll und wuchtig, wie man es sich vielleicht wünschen würde.

Wirklich gestört hat mich aber „Die Stimme der Freiheit“, ein Radiosender, der zwischen den Kapiteln mit ultra-patriotischem Mist, anders kann ich es leider nicht nennen, nervt.

Das Technikkapitel kann man als solide bewerten. Homefront kann in dieser Disziplin nicht glänzen, wenn man es aber realistisch betrachtet, versagt es auch nicht.

Aber der Rest, der ist doch bestimmt toll...?

Ich sprach es anfänglich bereits an. Homefront sollte angeblich durch eine packende Story, eine beklemmende Atmosphäre und filmreife Inszenierung glänzen. Während das Intro das bei mir nur bedingt erreicht hat, wird es im Laufe der rund fünf Stunden langen Kampagne leider auch nicht besser. Die KAOS Studios greifen (meistens in einer gezielten Szene pro Kapitel) einige gute Ideen auf, verarbeiten sie dann aber mehr als mau. Beispiele gefällig? ACHTUNG: SPOILER!!!

Im Laufe des Spiels erreicht man ein Baseball-Stadion, welches von den KVA als amerikanisches Massengrab genutzt wird. Ein Radlader kippt vor unseren Augen eine Schippe voll neuer Leichen ins Grab. Einer meiner Mitstreiter verliert die Fassung und ballert in die versammelte koreanische Armee. Es folgt eine längere Ballerei, bis mal wieder alle Koreaner tot sind. Zum Abschluss muss man sich unter den Leichen vor neuerlichem Besuch der Koreaner verstecken. Auch hier kam für mich keine packende Atmosphäre auf, was auch daran liegen könnte, dass meine Spielfigur stumm geboren wurde. Auch denken kann er scheinbar nicht.

In einer weiteren Szene plant der Widerstand einen Angriff mit weissem Phosphor. Der Angriff gelingt, die Koreaner laufen brennend durch die Gegend. Fast alle stumm. Keine verzweifelten Schreie. Das Spiel spinnt das Szenario weiter. Nachdem ich weitere Koreaner mit dem Gewehr getötet habe, muss ich mich durch das brennende Gebiet arbeiten. Ein brennender Koreaner kreuzt meinen Weg in Nahaufnahme. Er schreit nicht. Er packt mich nicht am Kragen und fleht um Hilfe. Oder Gnade. Nichts.

In der „Oase“ (der Zufluchtsort einiger Widerständler) leben mehrere Menschen. Sie gehen ihren Arbeiten nach. Ich kann und soll mich auch mit ihnen unterhalten, um sie besser kennen zu lernen. Dummerweise könnte ich genauso gut mit einem Kühlschrank reden. Auch hier wurde es versäumt, den Spieler mit Schicksalen oder Gefühlen zu konfrontieren. Die Menschen dort spielen aber dann eh nur eine kleine Nebenrolle, denn bis zum Schluss wird man sie nie wieder lebend sehen.

Lebend deswegen, weil in einer weiteren Szene die Oase von der KVA niedergemetzelt wird. Die Leichen liegen gut sichtbar vor dem Eingang. Schlimme Szene? Beklemmend? Ich muss für mich diese Frage leider wieder mit einem Nein beantworten. Rianna flennt wieder übertrieben rum, ein paar Sekunden später werde ich unmissverständlich dazu aufgefordert, keine Zeit zu verlieren, mein Gewehr zu schultern und die nächste Horde an Koreanern zu töten.


Das sind Beispiele, wo man leider sofort erkennen kann, dass Homefront unheimlich viel Potential verschenkt. Ich gehe sogar soweit, dass dadurch das Spiel fast absurd wirkt. Man knallt dem Spieler ein „Bild des Schreckens“ vor den Latz und lässt ihn dann damit alleine. Aber noch bevor man sich mit viel Phantasie seine gewünschte Szene ausmalen könnte, steht man schon wieder an der Front und knallt Koreaner ab.

Alles hat ein Ende. Selbst dieses Review...

Auch Homefront hat ein Ende. Nach rund fünf Stunden hat man alles gesehen, gefühlte 10.000 Koreaner getötet und fragt sich: war’s das etwa? Das Ende war nicht wirklich befriedigend.

Abschliessend möchte ich festhalten, dass Homefront mitnichten ein schlechtes Spiel ist, auch wenn mein Review vielleicht den Eindruck vermittelt. Es spielt sich flott, bietet dauerhaft Action und greift einige nette Ideen auf. Die Umsetzung derer, die propagierte Stärke des Spiels, versagt aber in meinen Augen. Wer also neues Shooter-Futter benötigt und auf Story und Emotionen gut verzichten kann, der kann hier zugreifen. Zumal der Multiplayer ja gelungen sein soll. Wer sich aber einen Shooter erhofft hat, der Menschen mit Emotionen und Schicksalen zeigt, dem würde ich persönlich abraten.
 
Boarder schrieb:
Typisch für Zicke halt...:kaffee:

Ich hab keine Ahnung, worin deine Vendetta gegen Zimtzicke begründet ist, und es ist mir auch völlig egal, aber Fakt ist ja wohl: nach (gefühlt) 2 von 3 Postings von Zimtzicke kommt ein abfälliges, kaffeeschlürfendes Posting von dir hinterher. Muss das sein?
 
Schon der zweite Shooter wo mehr richtig gut gefällt obwohl viele eher schlecht über ihn geredet haben.

Medal of Honor und Homefront machen mir richtig spass und deswegen lasse ich mich in zukunft vom Forum nicht mehr so beeinflussen sondern mach mir selber ein bild von dem spiel.
 
Laruzo schrieb:
Schon der zweite Shooter wo mehr richtig gut gefällt obwohl viele eher schlecht über ihn geredet haben.

Medal of Honor und Homefront machen mir richtig spass und deswegen lasse ich mich in zukunft vom Forum nicht mehr so beeinflussen sondern mach mir selber ein bild von dem spiel.

Geht mir auch so. Ich bin von Homefront (und von MoH) nach wie vor begeistert.
Im MP geht es auch richtig ab und die Ausrüstung und Perks lassen sich vielfältig variieren.
Die 360er Version soll ja einen Tick besser laufen als die PS 3 Version, auf jeden Fall ist das Kantenflimmern auf der 360er nicht schlimm.

Zu der Szene am Anfang in dem Gefangegenbus: Ich brauche keinen Sprecher, der mir die Gedanken zu dieser Szene vorgibt, sondern bei mir läuft der innere Monolog in mir selbst ab. Mich haben die gezeigten Szenen berührt (vielleicht weil ich selbst Kinder habe) und ich komme selbst ins Nachdenken, ganz ohne Vorgaben von außen (bei mir jedenfalls hat es funktioniert).
 
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