Tanja Menne (PC): Wann weiß man, dass man DAS Spiel vor sich hat? Wenn man nach über 100 Stunden, kurz vor dem Ende, alles noch einmal absucht oder einfach eine neue Runde einläutet, weil man sich stur weigert, den Abspann in Empfang zu nehmen? Wenn einen der Ausgang einer Nebengeschichte dermaßen aufwühlt, dass man nicht anders kann, als dicke Tränen zu vergießen? Man sich dabei erwischt, zu erröten und dann wie ein verliebter Teenager zu strahlen, während man jeder Zeile, jedem verführerisch gesprochenen Wort seiner Romanze lauscht? Oder wenn man plötzlich das Gefühl verspürt, das alle Spiele, die zuvor im PC-Laufwerk, in der Konsole surrten, im Vergleich zu dem, was man hier erlebt, und auch durchlebt, einfach minderwertig anmuten? Ich könnte mit Leichtigkeit mindestens zehn weitere Gründe anführen, die verdeutlichen, wie viel "Magie" in Dragon Age: Origins steckt. Wie sehr es euch dazu animiert, ständig und überall darüber zu philosophieren. Mit welcher Inbrunst es euch verzaubert, euch gefangen nimmt, euch derart den Blick dafür schärft, was wirklich in Spielen zählt.
Eben nicht ein übertriebener Fokus auf eine opulente Grafik oder die Möglichkeit, in einer Kontinent-großen, offenen Welt umherzulaufen. Auch nicht irgendwelche Gegenstände, die zum freudigen Sammeln einladen, Mauern, die man einreißen kann, oder ein Pool aus fünf Dutzend Fertigkeiten, aus dem man sich seinen ganz eigenen Helden strickt. Und schon gar nicht ist es dieser Wettstreit um Modernität oder gar Innovation. Dieser gefühlte Zwang, unbedingt etwas Neues in einem Genre bieten zu müssen. Was zählt, sind Geschichten. Mitreißende, tiefgründige Geschichten, die dafür Sorge tragen, dass man die Welt um sich herum vollkommen vergisst. Eine aufkeimende Dramatik, die Konsequenz einer getroffenen Entscheidung, das glaubhafte, fast schon greifbare Miteinander. Das Gefühl, das alles verwoben ist, ein lebendiges Gefüge bildet, das sich nach und nach offenbart. Gespickt mit Überraschungen, die einen stetig und überall ereilen. Dragon Age: Origins ist all das. Ein packendes, durchdachtes Epos, eine moralische Herausforderung. Und gemessen an der Kluft, die sich zur Konkurrenz aufgetan hat, auch ein Spiel, für das eine 10 noch zu wenig ist.