Folge dem Video um zu sehen, wie unsere Website als Web-App auf dem Startbildschirm installiert werden kann.
Anmerkung: Diese Funktion ist in einigen Browsern möglicherweise nicht verfügbar.

Jehuty79 schrieb:30 - 40 Stunden Spielzeit halte ich für eine Lüge.
kai: tolle geschichte und liebenswerte charaktere
henry: technisch ein trauerspiel, aber unglaublich fesselnd erzählt
thomas: gelungene kotor fortsetzung, obwohl es gar kein kotor ist.

Trayal schrieb:Am PC, macht es technisch offenbar auch keine wirklich bessere Figur, wenn man sich den 4Players Test ansieht, der sich, im ersten Teil, mit der PC-Version beschäftigt.

Jörg schrieb:Egal ob Charakterentwicklung, Party-Management, Reiseroute, Story oder Politik: Alles ist offen. Viel offener als etwa in Mass Effect oder irgendeinem anderen aktuellen Rollenspiel. Also gibt es Fragen über Fragen. Und es ist immer ein sehr gutes Zeichen, wenn man ähnlich wie in Fallout 3 selbst nach dreißig oder vierzig Stunden über die nächsten Schritte nachdenkt, wenn man die Pausetaste drückt, sich seufzend zurücklehnt und darüber grübelt, welche Konsequenzen die eigenen Aktionen nach sich ziehen könnten. Denn alles hat in Dragon Age seinen Preis. Und das macht es so wertvoll. Ich fühle mich wie ein Junkie auf Fantasy, den Kopf voller Gespenster aus einem nostalgischen Früher: Die Qual der Wahl der Gefährten, die köstlichen Zickereien innerhalb der Party, die schrägen Charaktere. Wer vor einem Jahrzehnt mit BioWares D&D-Epos seine langen Tage und angenehmen Nächte verbrachte, wird hier alte Helden wie Minsc, Khalid & Co in modernem Gewand spuken sehen. Kann man also den Geist der Baldur's Gate-Reihe beschwören? Oh ja. Die Kanadier haben Wort gehalten.
Jörg schrieb:Nein, das Spiel müsste sich schon enorm steigern, um diese Motivationsbremsen zu lockern.
Kann BioWare auf lange Sicht die Kurve kriegen? Vielleicht ist Dragon Age ja ein Spätzünder? Auch Tolkien hat bekanntlich ein paar hundert Seiten Anlauf gebraucht, bevor der Lektürefunke übersprang. Aber dann brannte es lichterloh bis Mordor...
Ja, auch Dragon Age beschleunigt langsam. Und wenn es Fahrt aufgenommen hat, dann brennt es auch in Ferelden: Nach drei Stunden fallen schwache Texturen vielleicht noch auf, nach sechs Stunden hat man sich daran gewöhnt, spätestens nach zwölf Stunden entdeckt man erfreut die markanten Unterschiede zu Tolkiens Fantasy, nach zwanzig Stunden will man alles aufsaugen, was BioWare hier auftischt und wenn man nach 45 Stunden in die Statistiken schaut, dann atmet man richtig auf: Hey, ich habe erst 36% der Quests gemeistert und 54% Prozent der Spielwelt gesehen? Wahnsinn! Das ist ja ein richtiger langer Schinken! Oh ja, dieses Spiel kann 80 bis 100 Stunden unterhalten, wenn man sich auch um alle Nebenaufgaben kümmert.
Jörg schrieb:Der Rücken knarzt. Die Familie flucht. Die Texturen sind vergessen. Und dieses Abenteuer saugt weiter so gnadenlos an meiner Lebenszeit, dass mich der goldene Herbst da draußen nicht interessiert. Nur das virtuelle Ferelden zieht mich magisch an, lässt mich immer wieder nachladen, klicken, kämpfen, reden, rauben, retten, rächen, schlichten, sammeln, versprechen, brechen, grübeln. Ich versinke für Tage blass und brütend in wirren Gedanken: Töte ich das Schwein, das mich umbringen sollte? Soll ich das Schwert aus rotem Stahl oder den Zwergenstreithammer benutzen? Ist Sten wirklich ein Massenmörder? Freut sich Morrigan über ein Diadem? Die Geschicklichkeit oder besser die Klugheit aufwerten? Was bringt mir der Hund wohl diesmal zurück, wenn ich ihn suchen lasse? Lieber brachiale Zweihandwaffen trainieren oder den betäubenden Schildeinsatz? Als nächstes nach Redcliffe, in den Brecilianwald, in das Frostgebirge, zum Calenhadsee oder wieder in die Hauptstadt zurück? Ist die Urne mit der heiligen Asche nur eine Legende? Gibt es Drachen? Kann ich die dunkle Brut aufhalten? Wie spät ist es überhaupt?
Und sie setzen hinsichtlich der Partyinteraktion sogar noch eins drauf, denn nicht nur die hervorragenden deutschen (!) Dialoge, die fast durch die Bank mit emotionalen Sprechern glänzen, gehören zu den Highlights des Spiels: Es gibt eine Szene (hier im Video), in der ein von einem Dämon besessener Junge vor den Gefährten spricht, die schauspielerisch hervorragend inszeniert wird - da passen Mimik und vor allem die Stimmlage zu jeder Textzeile; das ist ein großer Moment. Wenn die skrupellose Hexe Morrigan auf die gutmütige Magierin Wynne trifft, dann rappelt es auch im kleinen moralischen Karton - Egoismus gegen Aufopferung, Darwinismus gegen Nächstenliebe. In seiner Ansprache ist dieses Dragon Age wesentlich vielfältiger als seine Ahnen. Es geht je nach Herkunft und Charakter des Gesprächspartners mal pathetisch, naiv, arrogant oder derb zur Sache: "Muss ich dir auch sagen, dass du dir nach dem Scheißen den Arsch abwischen musst?" Es gibt Angeber und Aufschneider, Träumer und Tyrannen. Ist das also doch der große Wurf des Rollenspielgenres?
Jörg schrieb:Hinzu kommen ja die dynamischen Beziehung zwischen den Gefährten und dem Helden, die man im Lager pflegen kann. Das ist ein enormer Motivationsfaktor, der mich für Stunden beschäftigt hat, weil es hier um Rollenspiel im besten Sinne geht. Man kann Rast machen und sich auf einem Zeltplatz mit Feuerstelle frei zwischen seinen Gefährten, Besuchern und Händlern bewegen. Hier liegt quasi der Ruhepol, um abseits der Kämpfe abzuschalten und zu kommunizieren. Da jeder Charakter eine ausgearbeitete Hintergrundgeschichte hat, lohnt sich der Lagerfeuertalk.
Je nachdem, wie ich mich in Gesprächen verhalte und was ich in der Spielwelt tue, gewinne oder verliere ich ihre Sympathie - symbolisiert in einer Leiste, auf der nach jeder relevanten Aktion numerisch abgerechnet wird: Ich helfe einem kleinen Schmied, die Tochter zu suchen, obwohl ich als Grauer Wächter eigentlich Wichtigeres zu tun habe? Zehn Punkte Abzug beim zielstrebigen Sten und der misanthropischen Morrigan, fünf Punkte dazu bei der sorgenvollen Wynne! Ich lasse einen ketzerischen Blutmagier am Leben, obwohl er einen Mordversuch gestartet hat? Zehn Punkte Abzug beim exorzierenden Templer Alistair! Sehr amüsant sind die automatischen oder situationsabhängigen Gespräche, die für Leben in der Gruppe sorgen. Die Anzahl und Qualität dieser kleinen Verbalschlachten ist ausgezeichnet: Es kann passieren, dass sich Morrigan über die aufgesetzte Männlichkeit Alistairs lustig macht. Es kann passieren, dass der schweigsame Zweimeterriese Sten plötzlich mit einem Hund redet und sich zu einem Stöckchenwurf hinreißen lässt. Man schmunzelt, lacht und wundert sich.
Jörg schrieb:Und das Beste ist: BioWare stülpt keine Gut-Böse-Moral wie noch in Star Wars: Knights of the Old Republic über die eigenen Aktionen. Wer dort Unschuldige getötet oder gegen den Kodex der Jedi verstoßen hatte, bekam noch einen Punktabzug auf einer Leiste. Hier kann selbst ein Mord, je nachdem wie man seine Rolle interpretiert, eine gute Tat sein.
Ein Beispiel:
Gesagt, getan und eine Zwischensequenz unterstreicht die Gnadenlosigkeit dieser Situation: Mein Messer kracht nach kurzem Flug mit Schmackes in den Hinterkopf des Priesters, der wie ein nasser Sack zu Boden fällt, der quasi feige von hinten ermordet wurde. Natürlich werden sich vor allem die Gutmenschen innerhalb der eigenen Gruppe aufregen. Es kann sogar zum offenen Kampf kommen, wenn man die gläubige Wynne dabei hat. Aber so kann man Dragon Age spielen.Man findet mit der Hilfe eines Priesters einen verschollen geglaubten Tempel, in dem sich ein mächtiges Heilmittel befindet, das man für einen dahin siechenden Fürsten braucht. Der Priester will den Ort daraufhin zu einer Pilgerstätte ausbauen. Hört sich toll an, oder?
Das erste Problem: Wenn die dunkle Brut das Heilmittel in die Finger kriegt, könnte das fatale Folgen für das ganze Reich haben. Das zweite Problem: Der Priester will sich nicht überreden lassen, den Ort zu verlassen. Die mögliche Lösung: Man bringt den Priester und damit den einzigen Zeugen um. Damit bewahrt man den Ort vor der Invasion der dunklen Brut und man könnte die Urne sogar vernichten.
Natürlich kann man den Tempel auch ganz anders betreten, mit religiösem Respekt und man kann sogar halbnackt durch das schützende Feuer schreiten, um die Gunst der Götter zu gewinnen - wer das tut, wird sogar vom Wächter es Ortes gesalbt. Moral ist hier relativ, zumal es in der Story um das Schicksal der Welt geht. BioWare nennt sein System der Entscheidungen flapsig "Choice 2.0" und betonte, dass man seine Rolle ganz individuell ausleben soll. Und das ist herrlich. Es gibt also keine Fantasy-Correctness in diesem Abenteuer, es geht hart und brutal zur Sache - im Kampf und in den Konsequenzen.
Wir verwenden essentielle Cookies, damit diese Website funktioniert, und optionale Cookies, um den Komfort bei der Nutzung zu verbessern.
Siehe weitere Informationen und konfiguriere deine Einstellungen