Mankind Divided ist in meinen Augen das spielerisch rundeste Deus Ex der Seriengeschichte. Schon der geniale Urahn von Warren Spector war im Jahr 2000 etwas unhandlich und Human Revolution hatte auch so seine Problemchen. Von Invisible War will ich gar nicht erst anfangen. Eidos Montreal hat mit der neuen Engine und vielen Verbesserunen bei Deckungssystem, Steuerung und Waffen ein ungemein unterhaltsames Spiel veröffentlicht, welches grundsätzlich das Zeug zu einem modernen Klassiker hat. Das Leveldesign gehört für mich zum Besten überhaupt. Es ist einfach irre, wie oft ich in meinen 30 Stunden mit dem Spiel im Nachgang noch auf eine versteckte Route oder einen zuerst übersehenen Pfad zu einem geheimen Gegenstandslager gestoßen bin. Die Entwickler müssen komplett irre sein, derart viele Details in die ungemein verschachtelten, sensationell glaubwürdigen Umgebungen einzubauen. Super! Auch dass man Deus Ex: Mankind Divided auf Wunsch wie einen Ego-Shooter spielen kann, ohne dass einem reihenweise XP durch die Lappen gehen, die schleichende Pazifisten wie ich nachgeschmissen bekommen, trägt zur hohen Qualität bei. All das wusste oder vermutete ich bereits beim ersten Anspielen im Jahr 2015. Ein großes Mysterium war bis zuletzt aber noch die Geschichte, die um all diese Gameplay-Mechaniken zusammenhält. Und genau in dieser Disziplin hat Eidos Montreal meine hohen Erwartungen maßlos enttäuscht. Die Konsequenzen meiner Entscheidungen sind vernachlässigbar und für die wirklich spannenden Fragen vertrösten mich die Entwickler auf den wohl schon beschlossenen Nachfolger. Wären Eidos Montreal und Publisher Square Enix nicht so gierig, würden ihnen beim Gedanken an Deus Ex 5 nicht schon die Dollarzeichen in den Augen stehen, Mankind Divided hätte ein nahezu perfektes Spiel werden können. Ohne befriedigende Auflösung, ohne wertige Schlusssequenz bleibt für mich als Liebhaber spannender Geschichten aber ein übler Nachgeschmack.