Kann mich im großen und ganzen schon den federführenden Worten von Urgs anschließen, obwohl ich da noch ein wenig mehr ins Detail gehen mag. Aber, bei diesem Film, gar nicht so recht weiß, wie man das am besten tun sollte. Nach dem Film hat man das Bedürfnis darüber zu sprechen, aber man kann sich nur schwer und ohne Konzept ausdrücken. Viele Details und starke Szenen bleiben im Gedächtnis, so dass man den Blick für das Ganze verliert. Und das ist hier ein Kompliment. Der Film verfolgt seine relativ simple Kriminalgeschichte strikt, nimmt sich aber die Freiheit die Figuren in vielen Facetten zu zeigen.
Wer versucht in dem Film ein gewisses Muster zu erkennen, welches er von Hollywood gewohnt ist, wird enttäuscht sein. In Kapiteln erzählt weigert sich der Film einem Muster zu folgen. Spannung wird aufgebaut und wieder fallen gelassen, erneut aufgebaut, aber aus einer ganz anderen Richtung. So dass man nicht auf das große Finale hinarbeitet, und von diesem auch nichts mehr großes erwarten kann.
Die Geschichte dreht sich eigentlich um drei Figuren, die sich die Screentime, mehr oder weniger, untereinander aufteilen. Wir haben die gelangweilte Hausfrau, die aus dem strikten Alltag einer japanischen Ehefrau um die 30 ausbrechen will. Die Kommissarin, mit einem dunklen Geheimnis und eine Professorin mit gestörter Kindheit, die alle, von unterschiedlichen Startpunkten, bei dem Thema Sex und Prostitution landen. Jeder auf seine Weise, mit seiner Wirkung und seinem Ausgang. Der Mordfall wird das verbindende Element und spielt, im Moment der Verbindung, eigentlich gar keine Rolle mehr.
Visuell ist der Film unglaublich stark inszeniert. Das liegt aber nicht zwingend an den Effekthaschereien, die man so kennt, sondern an den starken Szenen selbst. Unverkennbar die Szene, wo die Hausfrau Sex hat und unter Druck mit ihrem Gatten sprechen muss, oder die Szene mit der gutbürgerlichen Oma, die ganz offen mit den Protagonisten am Tisch sitzt und über die Prostitution ihrer Tochter austauscht, bevor sie das Messer zückt und einen Mordversuch startet, oder wo einer der Protagonisten vor Kindern auf die Straße pinkelt. Ich will nicht zu viel verraten, es gibt unglaublich viele Szenen, die diesen Film besonders machen. Zudem kommt auch der Sex nicht zu kurz. Aber es nicht alles trist und düster, manchmal kann man sich ein Schmunzeln abgewinnen, dass soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier ernste Materie ist, die einem ohne zu fragen voll in die Fresse tritt.
Kurz um, ich fand den Film einfach Bombe. Und das liegt daran, dass er immer zu überraschen weiß. Wer sich mal frei von gängigen Mustern, frei von den gängigen Themen, und frei von den üblichen Charakteren und Kulissen machen will, MUSS diesen Film sehen.