Puh! Was für ein grandioses Staffelfinale! Mit
Dollhouse beweist Joss Whedon ein weiteres Mal, dass er schlicht und ergreifend zu den besten Autoren gehört, die Hollywood zur Zeit zu bieten hat und sorgt abermals für interessante Charaktere, mitreißende Geschichten und insgesamt einfach nur spannungsreiche Sci-Fi-Unterhaltung.
Schon die Idee hinter
Dollhouse ist sehr viel origineller, als das, was man im Thriller-Bereich sonst so vorgesetzt bekommt. Es geht nämlich um Menschen, denen, in einer geheimen unterirdischen Anlage, ihre Persönlichkeiten entnommen und durch fremde, den Wünschen der Kunden entsprechenden, Verhaltensweisen, Erinnerungen und Fähigkeiten ersetzt werden. Die meist mächtigen Klienten können sich so ihren "Traum-Menschen" zusammenstellen. Sei es ein Auftragskiller mit außergewöhnlichen Kampfkünsten, ein Experte für Entführungsverhandlungen oder einfach nur die perfekte Frau, die einem jeden Wunsch von den Augen abliest.
Erinnert ein wenig an
Matrix, wo sich Neo & Co bestimmte Fähigkeiten einfach per Upgrade aneignen können, nur mit dem Unterschied, dass die sogenannten "Actives" in
Dollhouse komplett "leere", willenlose Menschenhüllen sind und nur für den Zeitraum ihrer Aufträge mit "Inhalten" gefüllt werden.
Während sich die ersten Folgen noch um zusammenhangslose Einzelfälle drehen und dabei eher an Genre-Vertreter wie beispielsweise
Alias erinnern, erkennt man spätestens ab Episode 6 eindeutig Joss Whedon's Handschrift. Was relativ harmlos und kurzweilig beginnt, entwickelt sich so schnell zum mitreißenden, dramatischen und humorvollen Sci-Fi-Thriller. Die Figuren sind gewohnt grandios ausgearbeitet, die Dialoge pointiert (Echo zu gestresstem Pop-Sternchen:
"You are having a breakdown. Not a shave-your-head-and-flash-your-junk wacky phase." 
) und sowohl die einzelnen
"Person of the Week"-Folgen, als auch die episodenübergreifende Handlung absolut packend geschrieben. Die Story steigert sich dabei von Folge zu Folge und überrascht nicht selten mit gelungenen Wendungen. An den Haaren herbeigezogene Mindfucks à la
LOST, sollte man hier jedoch nicht erwarten. Dafür ist
Dollhouse einfach zu bodenständig. Was ich aber als sehr angenehm empfand. Die Figuren und Stories bleiben immerzu glaubwürdig, menschlich und nachvollziehbar, aber zeitgleich trotzdem spannend und unterhaltsam. Whedon kann einfach unheimlich gut Geschichten erzählen.
Insgesamt bin ich von
Dollhouse mächtig angetan. Fängt die Serie noch wie ein handelsüblicher Thriller an, schaltet sie im weiteren Verlauf einige Gänge hoch und begeistert mit erfrischend-wendungsreichen Story-Idee, interessanten Figuren und einer guten Prise Humor und Action. Die Schauspieler überzeugen zudem durch die Bank weg, was auch nicht selbstverständlich ist, da sie schließlich in jeder Folge eine komplett andere Persönlichkeit spielen müssen. Hach, einfach gut. Wobei es schade ist, dass FOX Whedon's Werk (mal wieder) weichgespült und schlussendlich auch, nach nur zwei Staffeln, zu Grabe getragen hat. Ich hätte gerne gesehen, wie Mr. Buffy's ursprüngliche Version ausgesehen hätte, sollte den Themen Sexualität und Fantasie doch eigentlich eine viel größere Rolle eingeräumt werden. Dennoch ist und bleibt
Dollhouse eine grandiose Sci-Fi-Serie, die ich jedem Genre-Fan nur ans Herz legen kann. Eine Schande, dass sie bis heute noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

Morgen gehts weiter mit Season 2. Wenn das Niveau der letzten Episoden gehalten wird, bin ich ein überaus glücklicher Mann.
