Transcendence
An den Kinokassen und bei den Kritikern mächtig gefloppt, muss ich dann doch mal eine Lanze für den ersten Film von Christopher Nolans Haus und Hof Kameramann Wally Pfister brechen. Wenn auch nur mit Einschränkungen.
Als Sci-Fi-Thriller, die Genreausrichtung, die einem Trailer, Inhaltsangaben und Beteiligte vorgaukeln wollen, funktioniert
Transcendence nämlich nur bedingt. Während die Geschichte noch flott und durchaus stark beginnt, flacht der Spannungsbogen recht schnell ab, zieht sich zwischenzeitlich sogar etwas und hinterlässt eine erstaunlich vorhersehbare Ereigniskette ohne nennenswerte Höhepunkte. Zu rund gelutscht ist die Inszenierung und der Handlungsverlauf, ohne herausstechende Ecken und Kanten, auf Hollywood-Hochglanz poliert und deswegen auch nur solide - immerhin, aber eben leider nicht herausragende - Thriller-Kost.
Meiner Meinung nach ist
Transcendence aber nicht ausschließlich ein simpler Thriller, sondern noch etwas ganz anderes: nämlich ein Liebesfilm. Betrachtet man den Film von diesem Standpunkt aus, ist er auf einmal gar nicht mehr so mittelmäßig, sondern überrascht mit einer Romanze, die über den üblichen Genre-Verlauf hinausgeht und einige spannende, fast schon philosophische Fragen andeutet. Beispielweise nach dem (in Zukunft womöglich digitalen) Leben nach dem (körperlichen) Tod, über welche Grenzen hinweg die Liebe zweier Menschen besteht und wie weit die Wissenschaft eigentlich gehen darf. Leider bleibt es dann auch bei diesen Andeutungen. Zu Ende gesponnen werden die vielversprechenden Denkanstöße nämlich nie bzw. nur selten, weshalb, trotz vieler spannender Ideen, ein recht züchtiges Handlungsgerüst zurückbleibt. Aus Liebesfilm-Perspektive sogar recht erfrischend, als Sci-Fi-Thriller eher überraschungsarm, insgesamt aber einfach zu oberflächlich und abstrus abgehandelt.
Da kann auch die einwandfreie filmische Umsetzung, die Kamera kann Pfister zweifelsfrei bedienen, und der überaus gute Cast nichts ändern, vor allem, da letzterer nur selten wirklich auftrumpfen kann und Zugpferd Johnny Depp, der hier endlich noch mal eine "bodenständige" Rolle ohne Schminke spielen darf, nach 30 Filmminuten nur noch als digitales, emotionsloses Abbild seiner Selbst auftritt.
Transcendence lässt sich wohl am ehesten als reichlich verschenktes Potential in gewohnt sauberer Blockbuster-Verpackung beschreiben. Für einen schweißtreibenden Thriller bei weitem nicht spannend genug, kann er als eigenwilliger Liebesfilm mit interessanten Motiven doch irgendwie überzeugen. Als Depp- und Genre-Fan drücke ich in Punkten dann noch 'ne ordentliche 6 ab. Außerdem ist das Blu-ray Steelbook verdammt edel.
6/10 Sonnenblumen