Na, da haben sich die Autoren von Serien wie
LOST und
Deadwood und Produzent J.J. Abrams doch wieder etwas feines ausgedacht... Was das amerikanische Publikum aber anscheinend etwas anders sah und
Alcatraz mit abnehmender Einschaltquote strafte. Mit dem Absetzungs-Sender schlechthin (FOX) als Ausstrahlungsort, war das verfrühte Ende dann natürlich schnell beschlossene Sache und diese vielversprechende Mystery-Drama-Serie bereits nach 13 Folgen beendet.
Eine absolute Schande, spürt man doch in jeder Szene, im Aufbau der einzelnen Folgen mit ihren Rückblicken, in der spannenden Zeitreise-Mystery-Thematik und vor allem in der musikalischen Untermalung den
LOST Spirit. Ja,
Alcatraz hätte etwas ganz Großes und durchaus der geistige Nachfolger von J.J. Abrams Vorzeigeserie werden können. Das Potential war jedenfalls auf allen Ebene vorhanden. Die Geschichte, rund um die Insassen und Wärter der namensgebenden Gefängnisinsel, die im Jahr 1963 nicht verlegt wurden, sondern spurlos verschwanden und nun plötzlich im Jahr 2012 wieder auftauchen, ist nämlich überaus spannend. Sie ist undurchsichtig, mit allerlei Geheimnissen und
LOST-igen
"Aber warum?"-Momenten gespickt und verknüpft die einzelnen
"Insasse of the Week"-Folgen und die beiden Zeitebenen gekonnt durch den kurzweiligen Einsatz cleverer Rückblenden, die das Spannungslevel konstant hoch halten. Die Inszenierung ist zudem einwandfrei, die 60er Jahre Stimmung und Gefängnisatmosphäre (in den Rückblenden) überzeugend und der Score, typisch Abrams, mitreißend-wuchtig, wie eine Mischung aus
LOST und dem neuen
Star Trek Theme.
Auch an der Schauspielfront gibt es mit der körperlich vielleicht zarten, charaktertechnisch aber starken Sarah Jones, sowie Jorge
'Hurley' Garcia als gewohnt sympathischen Comic-Nerd und Alcatraz-Kenner und Hollywood-Altstar Sam Neill einiges zu sehen. Nicht zu vergessen die charismatischen Insassen und das zwielichtige Alcatraz-Personal.
Ein Ende gibt es natürlich nicht.
Alcatraz schließt mitten in der Staffel, am Höhepunkt der Spannungskurve, mit einer ganzen Handvoll offener Fragen und unaufgelöster Storystränge ab. Was für eine Schande, bietet das Ausgangsmaterial doch so viel hochspannenden Stoff für noch viele, viele Serienfolgen. Asche auf euer Haupt, ihr amerikanischen Fernsehgucker, die ihr Alcatraz nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt habt. Ich hätte gerne (viel) mehr gesehen. So bleiben 13 tolle Folgen, viel spannende Geheimniskrämerei und nahezu keine einzige Antwort.
