Wie wäre wohl die Schlacht von Gettysburg ausgeganen, wenn die Konföderierten damals die Unterstützung von Vampiren gehabt hätten? Noch nie drüber nachgedacht? Ich auch nicht, aber eben solche absurden Fragen klärt
Abraham Lincoln: Vampirjäger. Und das auf höchst unterhaltsame Weise.
Zur Handlung muss ich hier ausnahmsweise kein Wort verlieren, da der Filmtitel bereits den gesamten Inhalt vorwegnimmt. So hangelt sich der Film lose an den wichtigsten Stationen aus Abraham Lincoln's tatsächlichem Leben entlang und versüßt die historischen Ereignisse mit einem ordentlichen Schuss Fantasy, genauer gesagt: Vampiren. Obwohl das im ersten Moment reichlich dämlich klingt, macht das Endprodukt doch tatsächlich richtig Laune.
Im Grunde genommen geht Abe's Vampirjagd dabei in eine ähnliche Richtung wie etwa Stephen Sommer's
Van Helsing oder auch Anderson's
Resident Evil - also strunzdumme, aber unheimlich kurzweilige Fantasy-Action. Der Unterschied ist jedoch, dass hier mit Timur Bekmambetov (
Wanted) jemand auf dem Regiestuhl sitzt, der sein Handwerk versteht, die absurde Geschichte vom monsterschlachtenden US-Präsidenten absolut gekonnt erzählt und in famose 3D-Bilder verpackt. Die rasante Abhandlung historischer Tatsachen und fiktiver Vampir-Action lässt dabei kaum Zeit zum Verschnaufen und verzaubert regelmäßig mit originellen Actioneinfällen, die zudem, wie von Bekmambetov nicht anders gewohnt, meist in Zeitlupe ablaufen und spitzenmäßig durchchoreographiert sind. Die treibende Verfolgungsjagd inmitten bzw. auf den Rücken einer wilden Pferdeherde ist beispielsweise so ein Highlight. Vom spektakulären Finale will ich gar nicht erst reden. Auch wenn die Action nie die Genialität der
Fabrikszene aus Wanted erreicht, bietet das überzeichnete Fantasytreiben großen Unterhaltungswert.
Interessant ist noch, dass sich der Film, trotzt comichafter Romanvorlage, überraschend ernst nimmt und tatsächlich eine runde Geschichte erzählt. Lächerlich wirkt er dabei glücklicherweise aber nie, sondern macht, ganz im Gegenteil, sogar eine außerordentlich coole Figur. Einzig die sehr sprunghafte Erzählweise - Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass da ganze Szenen fehlen. Sowohl in den storylastigen Passagen als auch den Actionsequenzen - fällt hier störend auf.
Ansonsten liefert
Abraham Lincoln: Vampirjäger grandioses Fantasy-Amüsement vor unverbrauchter Kulisse. Schräg, optisch eindrucksvoll und einfach nur fetzig. Wenn Abraham Lincoln, mit nur einem Axthieb, Bäume (und später auch Vampire) förmlich zum Explodieren bringt und mir daraufhin Splitter (und später auch die ein oder anderen Körpferteile) genüsslich um die 3D-Brille fliegen, dann ist das schon ziemlich lässig und lässt mich gerne über die seichte Handlung und Drehbuchhüpfer hinwegsehen.