Prometheus
Ich bin ein grosser Ridley Scott Fan. Immerhin ist „Blade Runner“ seit Jahren mein absoluter Lieblingsfilm und auch sonst konnte ich jedem seiner Werke irgendetwas abgewinnen… ja, sogar der Akte Jane.

Deswegen kann ich auch problemlos dazu stehen und sagen… ja, ich mag „Prometheus“, sehr sogar. Ich zähle aber auch „Lost“ zu meinen Lieblingsserien.
Zerstört Ridley Scotts Prequel wie oft befürchtet und auch geschrieben den Alienmythos? Ne, ganz sicher nicht. Dafür befasst sich der Film viel zu wenig mit diesem spezifischen Thema. Die Schwerpunkte sind hier ganz anders gesetzt. Es geht um die Entstehung der Menschheit… woher kommen wir… wie sehr waren Ausserirdische „Gottfiguren“ an unserer Entwicklung beteiligt? All diese Fragen greift der Film auf. Beantworten tut er sie aber nur zum Teil. Sehr viel lässt er offen und so dem Zuschauer viel Raum zu eigenen Theorien und Interpretationen. Einige Dinge werden wir sicher im Nachfolger beantwortet bekommen, andere Punkte werden wohl immer unbeantwortet bleiben. Trotzdem schafft es Ridley Scott uns mit seiner ruhigen, fast an „2001“ erinnernden, Inszenierung zu packen und zwei Stunden lang nicht mehr loszulassen. Solche Filme gibt es heute wo alles immer grösser, spektakulärer und aufwändiger sein muss einfach viel zu selten. Wer also einen weiteren Alien Film erwartet wird enttäuscht werden. Dafür ist der Film zu ruhig inszeniert. Die eingebauten Schock- bzw. Horror-Momente wirken imo sogar eher wie Fremdkörper und wollen nicht so recht in das Gesamtbild reinpassen. Aber auch so ist es Ridley Scott gelungen eine unheimlich dichte Atmosphäre zu erzeugen die einen, wenn man es denn zulässt, einfach in seinen Bann zieht. Und das liegt zu einem Teil auch am grossartigen Score von Marc Streitenfeld, der das Gezeigte perfekt untermalt.
Eines ist auch nicht von der Hand zu weisen, egal welche Kritikpunkte man an den Film hat. Ridley Scott ist in Sachen Inszenierung seiner Bildkompositionen immer noch ein Meister seines Fachs und ich behaupte, dass ihm dort immer noch keiner das Wasser reichen kann. Dieser Film ist einfach so bildgewaltig und wunderschön gefilmt. Das ist schlichtweg der Wahnsinn und ein visueller Orgasmus. Die Bilder könnte man sich so eins zu eins an die Wand hängen. Wer da die Handschrift von Ridley Scott nicht erkennt hat entweder Tomaten auf den Augen, ist eingeschlafen oder will es einfach nicht sehen.
Auch das Design ist wieder mal erstklassig geworden. Egal ob es die gigerschen Alienwelten sind oder das Design der Prometheus. Alles wirkt in sich stimmig und atmosphärisch. Sehr schön war auch, dass man vor allem bei den Kostümen versucht hat sich so nah wie möglich an das Original von 1979 zu halten. So wirkte alles einfach authentischer.
Bei den Schauspielern zeichnet sich ein etwas durchwachsenes Bild ab. Währen ein Michael Fassbender wirklich alle gnadenlos an die Wand spielt und eine Roomi Rapace und auch ein Idris Elba sich wirklich wacker schlagen bleibt der Rest des Castes doch sehr blass… was bis auf Charlize Theron vor allem auf die sehr kurze Screentime zurückzuführen wäre. Man schafft es so leider nicht eine emotionale Bindung zu den Figuren herzustellen, weswegen uns ihr Schicksal auch nicht wirklich berührt oder auch nur annähernd interessiert. Das ist schade, war aber leider zu erwarten.
Auch in der jetzigen Form halte ich „Prometheus“ für ein gelungenes Werk. Der Film hat aber seine Schwächen, ohne Frage. Ich setze da sehr grosse Hoffnungen in den bereits angekündigten 20 Minuten längeren Director’s Cut. Ich denke dort werden einige der Unklarheiten die noch herrschen ausgeräumt. Alle Fragen werden sicherlich auch dort nicht beantwortet (Lindeloff halt). Das behält man sich hoffentlich für den bereits angekündigten Nachfolger vor. Aber die grandiose Inszenierung von Ridley Scott lässt mich da doch über einiges hinwegsehen und ich ergötze mich sehr gerne an seinen atemberaubenden Bildern in Kombination mit dem tollen Soundtrack. Das erhoffte Meisterwerk ist der Film aber leider nicht geworden, aber das kann mit dem Director’s Cut ja noch kommen. Immerhin hat Ridley Scott so eine qualitative Steigerung auch schon mal hingekriegt… mit „Kingdom of Heaven“. Endgültig bewerten lässt sich der Film aber wohl erst nachdem man den Nachfolger gesehen hat. Dort wird sich zeigen ob Ridley Scott seine Vision verwirklichen konnte oder eben nicht.
7 von 10 DNA-Stränge