Hugo [3D Blu-ray]
Die Trailer vermitteln hier ein vollkommen falsches Bild. Während diese, mit ihrer Musikuntermalung (30 Seconds to Mars) und den kurzweilig zusammengeschnittenen Aufnahmen, eher einen belanglosen Kinderstreifen vermuten lassen, ist der eigentliche Film vielmehr eine Verneigung vor dem Kino und den frühen Filmemachern. Eine Hommage an eine Kunstform, die schon vor über 100 Jahren die Menschen fasziniert hat. Was Hugo auch tut. Und zwar nicht zu knapp.
Jede einzelne Einstellung, jede Kamerafahrt ist ein kleines Kunstwerk. Martin Scorsese weiß einfach was er tut und erschafft hier eine unheimlich detaillierte, be- und verzaubernde, sowie stimmige Welt. Angenehm unspektakulär und dennoch absolut mitreißend. Dazu trägt sicherlich auch der atemberaubende 3D-Effekt bei. Ganz ehrlich: Besser geht es nicht. Egal ob weitläufige Panoramaaufnahmen von Paris, eine rasante Kamerafahrt durch den Bahnhof oder einfach nur der Junge Hugo in seinem Bett - jede Szene weist eine spitzenmäßige, natürliche Räumlichkeit auf. Dabei spielt sich immerzu etwas vor der Leinwand ab. Auch wenn es häufig nur Kleinigkeiten wie etwa Schnee, Dampf oder simple Staubkörner sind, das Bild wirkt dadurch unbeschreiblich greifbar, ohne jedoch auf plakative Pop-Outs zu setzen. Scorsese ist schlicht und ergreifend ein Meister hinter der Kamera - auch hinter der 3D-Kamera. So, genau so, hat 3D-Kino auszusehen.
Begeistern können auch die Schauspieler. Hier passt jeder Darsteller perfekt zu seiner Rolle. Asa Butterfield als namensgebender Sympathieträger Hugo, eine brillante Chloë Grace Moretz (Sie ist 15 Jahre jung und spielt dennoch ihre erfahrenen Schauspielkollegen an die Wand. Wahnsinn!), ein erfrischend "anders" aufspielender Sacha Baron Cohen oder auch Altmeister Ben Kingsley, der, nach einigen mäßigen Ausflügen in den B-Movie-Bereich, endlich zu alter, annähernd Gandhi'scher Stärke zurückfindet. Toll!
Leider will das seichte Drehbuch nicht so recht zum atemberaubenden Drumherum passen. Die Geschichte ist herzlich und insgesamt auch ausreichend gehaltvoll. Jedoch wird sie sehr gemächlich erzählt und wirklich viel passiert in den 2 Filmstunden eigentlich auch nicht, wodurch es zwischenzeitlich immer mal wieder zu kleineren Längen kommt. Die Charaktere sind, bis auf Georges Méliès, ebenfalls überraschend einfach gezeichnet und weichen nur selten von ihren vorhersehbaren Verhaltensmustern ab.
Die hinreißende audiovisuelle Präsentation macht derartige Handlungs-Schwächen jedoch fast komplett wett. Hugo ist, vor allem in 3D, ein mitreißendes Filmerlebnis. Ein bildgewaltiges Märchen über die Macht des Films. Inhaltlich zwar nicht besonders anspruchsvoll, versprüht die, in sehr ruhigen Tönen erzählte, Geschichte jedoch ihrer ganz eigenen Charme. Es ist kein bombastisches Actionspektakel, kein hochspannender Thriller oder eine schräge Schenkelklopfer-Komödie, sondern ein Film, der allein von seinen faszinierenden Bildern lebt. Die Kernaussage der Story hat Scorsese damit eigentlich perfekt eingefangen. Unbedingt anschauen, aber bitte kein kurzweiliges Popcornkino erwarten und dann "Laangweilig!" brüllen. Hugo ist leise, aber effektive Kino-Magie, kein Effektgewitter der Marke Michael Bay. Einen Punktabzug gibt es lediglich für das nicht gerade hohe Erzähltempo.
Film:
9/10 Herzschlüssel
3D-Effekt:
10/10 Herzschlüssel