Im Jahre 2020 gehören menschliche Boxkämpfe der Vergangenheit an. Stattdessen verprügeln sich mächtige Stahlkolosse wie einst Muhammad Ali oder Joe Louis. Der ehemalige Boxer Charlie (Hugh Jackman) hat den Sprung in die Oberliga jedoch nicht geschafft und fährt daher die Jahrmärkte ab, wo er sich, gegen Bares, mit seinem Box-Roboter zur Schau stellt und gegen Stiere kämpft. Dass er, nach dem überraschenden Tod seiner Ex-Frau, nun auch noch seinen 11-jährigen Sohn (Dakota Goyo) an der Backe hat, der obendrein mit einem uralten Sparring-Bot im Ring durchstarten will, passt dem Draufgänger natürlich gar nicht ...
Kämpfende Roboter, nervige Kinder und Familiendrama? Das klingt auf dem Papier zugegebenermaßen nicht gerade berauschend.
Real Steel erweist sich jedoch als absolut mitreißende Verbindung aus Vater-Sohn- und Sportler-Drama, gepaart mit einer originellen Sci-Fi-Ausrichtung. So bietet die banale Handlung im Kern nichts Neues, wird aber einfach unheimlich gut erzählt. Das Verhältnis bzw. die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Charlie und seinem Sohn wird gefühlvoll und fesselnd aufbereitet, die - natürlich auch vorhandene - Romanze angenehm unaufdringlich serviert und das Sportler-Element gekonnt in die familientaugliche Geschichte integriert. Dass diese so gut funktioniert, ist sicherlich auch Hugh Jackman und seinem überzeugenden Film-Sohn zu verdanken. Während ersterer mit seiner sympathisch-zynischen Art immer wieder für den gewissen Biss sorgt (Er verkauft zu Beginn sogar seinen eigenen Sohn.

), ist Dakota Goyo derjenige, der die vorhersehbare Story erdet und die benötigte Portion Gefühl einbringt. Die bezaubernde Evangeline Lilly rundet die Sache mit einer überraschend dezenten und somit ausnahmsweise mal gelungenen Liebesgeschichte ab.
Neben der rundum schönen, herzlichen Geschichte, mit ihren menschlichen Figuren, sind es aber die Roboter, die
Real Steel schlussendlich zu etwas Besonderem machen. Wenn die riesigen, bunten und schrillen Kampfmaschinen im Ring aufeinander treffen, sind feuchte Hände vorprogrammiert. Die regelmäßigen Kämpfe sind nämlich unheimlich treibend, wuchtig und nervenaufreibend inszeniert. Zerbeultes Blech, auslaufende Kühlflüssigkeit und fliegende Funken, sorgen zudem für das nötige Action-Gleichgewicht, im ansonten eher harmlosen Beziehungs-Story-Gerüst. Aber auch abseits der Arena machen die Blechbüchsen eine gute Figur und zeichnen sich für so manchen denkwürdigen Moment verantwortlich. Momente, die meiner Meinung nach echte Kino-Magie verbreiten. Beispielsweise der erste Kampf von Atom oder etwa die Tanzeinlage an der Raststätte. Das sind wundervolle, unterhaltsame und ergreifende Szenen, welche mir wieder verdeutlichen, warum ich so gerne Filme schaue.
Real Steel ist, wer hätte es im Vorfeld gedacht, ein unheimlich packender Sportler-Familien-Film. Ein kinderfreundlicher
Rocky mit Robotern. Storytechnisch sicherlich kein Highlight, aber von der ersten bis zur letzten Minute einfach sensationell gut erzählt. Der effektiv ausgearbeitete Spannungsbogen hält bei Laune, die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt und die Roboterauseinandersetzungen sind doch tatsächlich fast so mitreißend wie echte Boxkämpfe. Alles verpackt in gelungene Hochglanz-Bilder und untermalt von einem treibenden Soundtrack, bestehend aus bekannten Rock- und Hip-Hop-Songs, sowie einem grandios geschriebenen Score (Danny Elfman

). Auf schmalzige Klischees und vorhersehbare Wendungen wurde zudem weitesgehend verzichtet. Da fiebert man mit. Das macht Spaß. Wunderbares Familien-Drama mit fetzigem Sci-Fi-Einschlag. Beide Daumen hoch für
Real Steel.
Ach ja, habt ihr ihn gesehen? Steven Gätjen spielt doch tatsächlich einen Reporter.
Zu sehen in der Szene, wo Max das erste Mal auf Zeus bzw. Zeus' Entwickler trifft.
