Das ist halt das Problem.
ich setze es für mich nicht um weil ich es noch nicht kann/will und weil mir die Alternative fehlt.
Sobald die da ist werde ich liebend gerne umsteigen, ich hoffe zb dass das künstlich gezüchtete Fleisch in den nächsten Jahren massentauglich wird und bezahlbar.
so würde mir einfach zu viel fehlen, Fleisch ist eben auch Genuss.
Das hat nix mit nem Paradoxon zu tun.
Das ist aber auch sehr einfach gedacht, Gerri. Für DICH bedeutet der Verzehr von Fleisch Genuss, deshalb möchtest du nicht darauf verzichten. Daher investierst du da auch gerne in neue Anschaffungen oder besonders hochwertiges Fleisch. Das ist schon mal prinzipiell ganz gut - also dass du hier nicht auf Billigprodukte aus schlechter Haltung setzt. Mir geht es im Übrigen da durchaus ähnlich, auch für mich ist Essen eine Form von Genuss und von Fleisch (leider. aus Umweltsicht) auch.
Es gibt aber viele Menschen, denen geht es bei der Ernährung nur um den Erhalt von Nährstoffen und dass der Körper funktioniert und man nicht verhungert. Da gibt es keinen Genuss und ob der Körper mit Fleisch oder vegetarisch am Leben gehalten wird, ist ihnen egal. Und es funktioniert ohne Probleme. Du möchtest nicht verzichten, weil es für DICH wichtig ist. Das ist okay. Das ist von mir keine Kritik, möchte ich betonen.
Und für dich ist ein Auto nur die Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Für andere, denen wiederum Fleisch vielleicht egal ist, ist ein Benziner eine Form von Genuss. Der Klang des Motors, der Geruch, die Leistungsentfaltung und vieles mehr. Einfach Emotionen. Das ist für dich hingegen nicht nachvollziehbar. Sag mal dem Besitzer eines 68er Mustangs, dass das KEIN Genuss ist und er doch einfach elektrisch fahren soll

aber das ist nur das Extrembeispiel.
Du siehst also, dass es hier mal wieder um persönliche Präferenzen geht. Sowohl der Fleischgenuss als auch das Fahren eines Benziners ist der Umwelt nicht zuträglich. Allerdings kannst du nur aufgrund eigener Vorlieben es nicht so drehen, wie es gerade passt.
Zudem ist es eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Der Verzicht auf Fleisch macht sich sogar positiv im Geldbeutel bemerkbar (zumindest wenn man bislang nicht nur das Haltungsform 1 Fleisch vom Aldi hatte), mal eben auf ein E-Auto umzusteigen ist für den mit Abstand größten Teil der Bevölkerung nicht möglich. Während man einen gut funktionierenden Diesel/Benziner auf dem Gebrauchtmarkt für unter 5000 Euro bekommt, muss ich für ein E-Auto deutlich mehr als das dreifache (eher vierfache) hinlegen. Das ist nur für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung überhaupt möglich, was man auch an den Verkaufszahlen sieht. Wenn man dann nicht zuhause laden kann (was sicher auch über 90 Prozent der Bevölkerung so geht), wird es noch weniger lohnenswert bzw. überhaupt möglich, eine so große Anschaffung auf sich zu nehmen. Du würdest logischerweise in einer 2-Zimmer-Mietwohnung ohne eigene Lademöglichkeit und mit 1600 Euro netto im Monat auch anders darüber denken. Und nein, kein Vorwurf, sondern eine Feststellung und absolut nachvollziehbar! Wäre komisch, wenn du in deiner Position das anders sehen würdest.
Ich denke also, dass der Verzicht auf Fleisch in der Allgemeinheit deutlich anerkannter sein dürfte als der Umstieg auf ein E-Auto. Wobei das auch eine Generationen-Sache ist. In meinem Umfeld mit hauptsächlich 25-35-jährigen Personen gibt es wahnsinnig viele Vegetarier/Veganer, in der Altersklasse meiner Verwandten mit 55+ hingegen fast gar keine.
In jedem Fall boomen auch Alternativen zur klassischen vegetarischen Ernährung in Form von Fleischersatzprodukten, was man an immer größeren Supermarkt-Abteilungen sieht und dass klassische Fleisch-Anbieter immer mehr darauf setzen - denn da ist Kohle zu holen, ein Markt mit Zukunft.
So oder so: Verzicht auf Genuss fällt nicht leicht - das ist nur menschlich. Aber es geht.