Aufregung um Corona-Impftermine bei Ebay
Software soll schnellere Buchungen ermöglichen – Kieler Gesundheitsministerium bereitet Strafanzeige gegen Anbieter vor
Viele Schleswig-Holsteiner haben Stunden vor dem Computer verbracht, um einen Impftermin zu ergattern. Ein Kieler machte daraus jetzt einGeschäft.
Kiel. Ein Angebot auf der Internetplattform Ebay-Kleinanzeigen sorgt für Aufregung: Ein Software-Entwickler aus Kiel verkauft dort Termine in Schleswig-Holsteins Impfzentren für 25 Euro pro Stück. Er verspricht, allen Interessenten „in Windeseile“ zu Terminen zu verhelfen. Das Gesundheitsministerium geht nun juristisch dagegen vor.
Er wende eine eigens entwickelte Software an, schreibt der Anbieter in seiner Anzeige, die bis Dienstagnachmittag bereits mehr als 2200 Menschen aufgerufen hatten. „Diese Software ermöglicht es mir, schneller den Buchungsprozess zu durchlaufen, als je ein Mensch es könnte.“ Damit spricht er alle an, die auf der Internetseite
www.impfen-sh.de des Landes bislang erfolglos versucht haben, einen Termin für die Impfung gegen das Coronavirus zu bekommen. „Ärgern Sie sich nicht noch weiter und lassen Sie mich Ihren Impftermin vereinbaren“, schreibt der Unternehmer. Das dauere höchstens 60 Minuten, für das Impfzentrum nach Wahl länger. Bis Montag habe er bereits 50 Buchungen getätigt. Er spricht von einer Erfolgsquote von 100 Prozent. Beim Preis von 25 Euro für seine Dienstleistung lasse er mit sich verhandeln.
Dem Gesundheitsministerium sei die „Software-Lösung“ seit Kurzem bekannt, so ein Sprecher. Es gehe bei dieser Methode um die Buchung einzelner, frei gewordener Termine, die zuvor storniert wurden. Am Dienstag wurde dem Sprecher zufolge klar, dass das Angebot offenbar gewerblich genutzt wird. Deshalb leitet es nun rechtliche Schritte ein. „Die Impfung ist kostenlos und so auch die Buchung der Termine. Dass hier offenbar mit Impfterminen versucht wird, ein Geschäft zu machen, ist nicht akzeptabel. Das Ministerium bereitet aktuell eine Strafanzeige und eine Unterlassungsverfügung vor.“ Es dürfe keine Rolle spielen, ob jemand Geld für eine Terminvermittlung ausgeben könne oder nicht. „Das Ministerium rät zudem allen Impfberechtigen davon ab, Geld zu bezahlen, um nicht Gefahr zu laufen, Opfer von Betrügern zu werden“, hieß es. Nachbarschaftshilfe oder Buchungen für ältere Bürgerinnen und Bürger durch Freunde und Angehörige sei „ausdrücklich erwünscht“, aber nicht „auf ,Bestellung’ und gegen ,Gebühr’.“ Zudem habe das Ministerium bereits technische Gegenmaßnahmen eingeleitet, damit keine Software mehr angewendet werden kann.
Birte Pauls, Vize-Vorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, kritisierte das Ebay-Angebot am Dienstag scharf: „Der Verkauf von Impfterminen ist ein Akt unfassbarer Respektlosigkeit und entbehrt jeglicher Form der Solidarität.“
Was für ein asozialer Penner....