Zahlenbewertungen gehören einfach abgeschafft. Wenn mir der Text selber vermitteln kann, wieso der Rezensent über etwas denkt, dann bin ich komplett fein damit, auch wenn unsere Meinungen auseinander gehen.
Das passiert aber leider nicht so häufig, wie ich es gerne hätte. Meistens lesen sich die Texte nämlich unglaublich oberflächlich, weil die Zahl am Ende das ist, was auf Open- oder Metacritic das wichtigste ist und dementsprechend präsentiert wird.
Deswegen bin ich auch seit langem darauf umgestiegen, bestimmte Kanäle oder Personen zu folgen, anstatt ganze Seiten. Eine Review von z. B. einem Tim Rogers von Kotaku oder einem Huber von Easy Allies. Da weiß ich wenigstens die Geschmäcker der jeweiligen Person.
Im deutschsprachigen Bereich ist die Auswahl zwar deutlich kleiner, aber selbst hier gibt's Möglichkeiten. Durch z. B. Hooked bin auf Outer Wilds aufmerksam gemacht worden, weil einer von den beiden sehr euphorisch über das Spiel geredet hat bevor das Spiel zu einem Kritiker-Darling wurde.
Und um zurück auf deinen Beitrag zu kommen: irgendwie schon.
Obwohl das Problem ja schon viel früher anfängt als bei vollwertigen Reviews. Selbst wenn es rein um den halbwegs ernsten Austausch über Spiele innerhalb einer Diskussion geht, greifen gut 99% aller Leute ins Klo.
Da du z.B. ja Outer Worlds genannt hast, erinnere mich noch gut an die Podcast Folge vom Castle Super Beast (ehem. Super Best Friends Cast) und Pat dort ähnlich positiv vom Spiel geschwärmt hat und es größtenteils darum ging, wie viel bugfreier das ganze Spiel doch läuft als Bethesda, bzw. Gamebryo Engine RPGs (unter anderem da man nicht mit jedem Objekt physikalisch interagieren kann, was man ja auch gar nicht braucht) und wie viel besser gestreamlineder das ganze doch rüber kommt.
Bei sowas will ich den Leuten immer am liebsten ins Gesicht schreien, und dabei ist das dort eine weitaus mehr casual discussion als z.B. bei den EZA.
Aber du kannst sowas halt nicht als Meinung zu dem Spiel nennen und nicht mit erwähnen, dass z.B. durch die andere Engine extrem viel Immersion verloren geht, eben weil ich nicht mehr so glaubwürdig mit der gesamten Spielwelt interagieren kann. Oder das die neue Engine vielleicht stabiler ist, aber mod-support verhältnismäßig nahezu komplett flöten geht, während letzteres selbst heute noch Spiele wie Oblivion oder New Vegas zum Teil am Leben hält. Oder, oder, oder... Man kann selbst natürlich sagen, dass dort bei einem selbst nicht die Prioritäten liegen und man lieber das stabilere, fokussiertere Spiel mit weniger Features hätte, da man die Features selbst eh nicht viel nutzt, aber sie zu verschweigen, bzw. vielleicht sogar so ignorant zu sein, sich dieser selbst gar nicht bewusst zu sein, finde ich hat immer so ein hochgradig schmieriges Gefühl.
Wenn jemand ein Review zu einem Fighting Game macht, hat er gefälligst über jede Facette des Spiels zu reden und die in den Kontext zu setzen. Ist mir scheißegal, ob er sich Tekken 7 nur fürn Online-Modus geholt hat, er kann es ja meinetwegen am Ende in seiner Zahl persönlich anders gewichten.
Aber nicht mal zu erwähnen, dass es z.B. keine individuellen Arcade-Endings gibt, nur 2 Outfits für die meisten Charaktere, nicht auf Soundtrack und Präsentation einzugehen, etc., weil man selbst ja nur VS-Matches machen will, die ja wirklich super funktionieren (tun sie ja auch bei Tekken), wirkt immer so dubios, als würde man eine Agenda durchpushen wollen um seine eigenen favorisierten Spiele vor der "Konkurrenz" besser darstehen zu lassen.
Oder wie damals bei den Rocketbeans als Ilyass For Honor tatsächlich nach gut 3h Spielzeit runterbrechen wollte, die Tiefe des Kampfsystems nicht ganz zu erkennen (ja, ach wo, bei nem 3D-Kampfsystem mit zu Launch schon über 10 einzigartigen Kämpfern mit Parrys, Stances, Konter-Moves, Cancels und all dem Zeug nach 3h nicht dahinterzustehen, was ein Wunder) und dem Spiel auch sonst nichts anerkennen wollte.
Kein hervorheben von den herausragenden Animationen, eines der ersten Spiele, das Motion Matching zu so einem Ausmaße genutzt hat, noch dazu außerhalb von Cutscenes, sondern im Gameplay, Jahre vor Last of Us II, kein hervorheben des Artdesigns und den Massen an Arbeit, die Ubi da reingesteckt hat, sogar viele echte Artefakte an Rüstungen und Waffen ins Spiel gebracht hat, kein nix. Wie gesagt, wenn einem das nicht wichtig ist, kann man das gerne so auch gewichten nachdem man sowas erwähnt, aber z.B. solche Sachen nicht zu erwähnen, wenn man sich über Spiele austauscht, ob in Reviews, Diskussionen oder sonst was, wirkt halt wie gesagt entweder ignorant oder dubios auf mich.