Outward (PC)
Am Anfang war ich ziemlich skeptisch und um es kurz zu formulieren, die meisten initialen Eindrücke waren eher negativ aber das Spiel wächst von Stunde zu Stunde immer mehr (liegt ua daran, dass einem das Spiel NICHTS von seinen unmengen an verschiedenster Mechaniken erklärt, die sich nach und nach auftürmen und man im Grunde alles selbst herausfinden muss, daher einen am Anfang erstmal hoffnungslos überfordert) und mittlerweile habe ich mich richtig in Outward verliebt.
Man kann es zu Recht als Hardcore Open World Titel bezeichnen, da es so gut wie alle Komfortoptionen heutiger Open World Spiele nicht bedient (keine Mini Map, keine Schnellreise, keine Quest Marker, keine lustigen Icons über Köpfen,...niente) und die Spielerfahrung durchgehend ziemlich hart, um nicht zu sagen brutal ist. Das Spiel schenkt einem überhaupt nichts und ist wohl für viele vercausualisierte Spieler ein Horror Trip. Es hält nicht Händchen mit dem Spieler und so kann es durchaus vorkommen, dass man sich endlich denkt: YEAH, läuft langsam richtig gut und plötzlich trifft man irgendeine schlechte Entscheidung und fühlt sich danach wie nach einem Reset.
In typischer Gothic Manier spielt man hier keinen Helden, keinen Auserwählen (Inquisitor, Dragonborn, whatever), sondern ist ein absoluter Nobody und das Spiel behandelt einen auch wie einen. Man startet das Spiel auch direkt nach einem Schiffbruch und durch eine Blutschuld der eigenen Familie mit einem fetten Schuldenberg an der Backe. Schafft man es nicht innerhalb einer gewissen Zeit die Schulden zurückzuzahlen, verliert man auch gleich mal sein Haus. Eigentlich fühlt sich es sich durchgehend wie ein Low Fantasy Game an, da man sich sehr realistisch gibt, mit seinem SEHR (!!!) ausgeprägtem und wichtigen Survival Part, mit dem Unterschied, dass es sich um ein High Fantasy Szenario handelt, in dem man halt den Regular Guy spielt.
Ein richtig tolles Feature ist zum Beispiel die Todes Mechanik. Wenn man in Outward stirbt, triggert man nämlich ein Szenario, abhängig davon wo man starb, wieso man starb und inklusive einems RNG Faktors. Zum Beispiel wird man von Banditen erschlagen und findet sich danach versklavt in deren Gefangenschaft wieder. Gibt also nicht die Möglichkeit eine Situation immer und immer wieder zu versuchen, bis man es packt, denn die "Tode" haben hier wirklich Konsequenzen für den folgenden Spielverlauf. Der Spieler kann nicht einfach wie in anderen Open World RPGs einen neuen Speicherstand vor einer potentiellen Gefahr anlegen, um nach einem Fehlschlag wieder an diesem Punkt erneut zu starten. Nope, das Spiel speichert für einen und man muss mit seinen Entscheidungen und den daraus resultierenden Konsequenzen leben. Dadurch, dass es in Outward keinen Weg zurück gibt, spielt man es auch ganz anders bzw. kreiert das eine ganz eigene, ziemlich spannende Atmosphäre. In Outward befindet man sich eigentlich immer in einer Situation die über den eigenen Horizont hinaus geht und trifft ständig auf Situationen wo man sich denkt, dass man dafür noch nicht bereit ist und meistens hat man auch recht mit diesem Bauchgefühl. Verleiht dem Exploration Fokus des Spiels sehr viel Würze und Immersion.
Das Kampfsystem ist Dark Soul esque. Es ist weit nicht so gut wie in einem Dark Souls und sicher nicht die große Stärke des Spiels, da es sich etwas klobig anfühlt aber man gewöhnt sich daran und macht was es soll. Man muss Encounter auch nicht unbedingt head on angehen, sondern kann es auch sehr taktisch spielen, mit Fallen und dergleichen. Gibt also viele Möglichkeiten innerhalb des Kampfsystems. Magie gibt es ebenso aber man startet das Spiel wie erwähnt als Regular Guy und wenn man es auf Magie abgesehen hat, muss man sich erst innerhalb der Welt Zugang dazu verschaffen und letztendlich auch seine Lebensessenz für den Zugang dazu opfern, was dem Ganzen die nötige Balance gibt. Das Magiesystem ist übrigens ziemlich ungewöhnlich aber sehr interessant.
Witzig ist auch die Tatsache, dass man vor einem Kampf seinen Rucksack ablegen sollte, da man jedes Bisschen an Mobilität benötigt, das man irgendwie bekommen kann. So legt man zB vor einem Dungeon seinen Rucksack ab, packt zuvor noch die allernötigsten Items in seine Taschen und wagt sich danach, mit entsprechender Mobilität vor. Auf der anderen Seite geht man damit natürlich auch das Risiko ein eventuell nicht alles an Fundstücken aus dem Dungeon ziehen zu können, weil man es schlicht nicht alles tragen kann und natürlich kann der Rucksack in der Zwischenzeit auch gelootet werden, von irgendeinem miesen Banditen. Oder man wird ausgeknockt, irgendwohin geschleppt und verliert dadurch seinen Rucksack, den man dann erstmal wieder abholenn muss, jedoch eventuell nicht mehr so befüllt ist wie man ihn zuvor (unfreiwillig) zurückgelassen hat.
Die Formel des Spiels ist ganz klar Trial and Error und Risk vs Reward und setzt das so gekonnt um, dass daraus für mich ein sehr süchtig machender Sog entsteht.
Die Präsentation gibt sich etwas durchwachsen. Der Artstyle ist ziemlich gelungen, denn man merkt, dass die Welt sehr liebevoll mit vielen Details von Hand erstellt wurde und auch den Soundtrack empfinde ich als sehr atmosphärisch. Wie aber nicht anders zu erwarten, von einem Titel dieser Art (Genre und der Tatsache, dass es sich hier um wirklich sehr, sehr kleines und unbekanntes Team handelt), ist das Spiel geplagt von so einigen Bugs und Glitches (bin dafür aber nicht sonderlich anfällig, solange es nicht "gamebreaking" wird, was es bei mir bisher auch nicht wurde) und auf der technischen Seite der Grafik gibt es natürlich auch nicht viel zu bestaunen, außer einem ganz ansehnlichen Lighting, in gewissen Situationen. Gibt sogar Voice Acting aber es sind nur manche Dialoge vertont und das ohne klare Linie, liegt aber wohl am Faktor Budget und Zeit.
Outward ist auch nicht direkt Story driven. Man kreiert in dem Spiel seine eigene Geschichte, was jedoch nicht bedeutet, dass es in dieser Welt keine Geschichten gibt. Ganz im Gegenteil sogar, Outward ist zB ein exzellentes Beispiel für Environmental Storytelling, mindestens auf einem Niveau mit Bethesdas Elders Scrolls Reihe. Zudem gibt es auch so etwas wie eine (bzw. mehrere) Hauptstories, die jedoch erst später im Spielverlauf richtig offensichtlich werden.
Bin wirklich begeistert von diesem Spiel. Es traut sich wovor große Reihen wie The Elders Scrolls zurückschrecken, um ja möglichst viele Spieler anzusprechen. Es handelt sich hier um einen mMm ziemlich revolutionären, immersiven und massiven Hardcore Open World Fantasy Simulator, der bis nach oben hin mit (Survival) Mechaniken vollgepackt ist und mit einer enormen Spieltiefe daher kommt. Ein großartiger Rohdiamant von einem Rollenspiel. Ist aber wie man hier denke ich gut herauslesen kann ein extremer Nischen-Titel, der speziell für eine kleine Gruppe an Spielern maßgeschneidert wurde und Triple-A Production Value darf man auch nicht erwarten. Es ist die Art von Spiel in die man sich richtig tief vergraben kann und je tiefer man gräbt, umso mehr bekommt man auch davon zurück. Meinen Nerv trifft Outward voll.
Mit welchen Spielen könnte man es vergleichen? Manchmal fühlt es sich an wie Skyrim mit etlichen hardcore Survival Modes, es hat auch ziemlich viel Gothic DNA in sich aber so richtig vergleichen mit anderen Spielen kann man es nicht, da es doch eine ziemlich einzigartige Mischung ist und sich daher auch sehr frisch anfühlt. Für mich eben wie erwähnt sogar revolutionär.