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Was ja noch nicht bedeutet hätte, dass Gülen automatisch neuer Präsident geworden wäre...

Ich befürchte ganz einfach, dass viele Türken in ihrem Land noch nicht wirklich realisiert haben, dass sie vielleicht schon bald in einer Despotie leben. Jedenfalls halte ich das bei Erdogan nach den letzten Monaten nicht für unmöglich.

Hier in DE kann ich mich gut fragen, wass sie an Erdogan so bewundern und ob sie nicht erkennen, was da vor sich geht. Vielleicht ist es die Tatsache, dass sie in ihm den "starken" Mann sehen, der die Türkei gross macht? Keine Ahnung. Sollen sie machen. So lange die EU sich nicht auf der Nase rumtanzen lässt (was sie tun...) ist das Sache der Türkei. Aber ich bin mir wie gesagt sicher, dass ich es noch erleben werde, dass es dort richtig kracht.
 
Was ja noch nicht bedeutet hätte, dass Gülen automatisch neuer Präsident geworden wäre...

Ich befürchte ganz einfach, dass viele Türken in ihrem Land noch nicht wirklich realisiert haben, dass sie vielleicht schon bald in einer Despotie leben. Jedenfalls halte ich das bei Erdogan nach den letzten Monaten nicht für unmöglich.

Hier in DE kann ich mich gut fragen, wass sie an Erdogan so bewundern und ob sie nicht erkennen, was da vor sich geht. Vielleicht ist es die Tatsache, dass sie in ihm den "starken" Mann sehen, der die Türkei gross macht? Keine Ahnung. Sollen sie machen. So lange die EU sich nicht auf der Nase rumtanzen lässt (was sie tun...) ist das Sache der Türkei. Aber ich bin mir wie gesagt sicher, dass ich es noch erleben werde, dass es dort richtig kracht.
Eben, wir müssen auch einfach akzeptieren, dass ein großer Teil der Bevölkerung ihn nunmal einfach gut findet.
Auch ein beachtlicher Teil der Russen findet Putins Politik gut.

Für uns ist das alles unverständlich, wir sind eine andere Politik gewohnt, eine ganz andere demokratische Festigung, auch durch unsere Integration in die EU und unsere friedlichen, demokratischen Nachbarstaaten.

Deswegen finde ich es einfach schwer, Erdogan (oder Putin oder sonstige semi-autoritäre bis autoritäre Herrschaftssysteme) durch jedwede Mittel loshaben zu wollen.

Stellen wir uns einfach mal vor, ein Teil des Militärs (und evtl. die Grauen Wölfe oder Gülen) hätte es wirklich geschafft zu putschen.
Was dann? International bzw. völkerrechtlich anerkannt wäre das sowieso nicht.
Ich bin mir auch mehr als sicher, dass ein größerer Teil der Türken hinter Erdogan bzw. der AKP steht, als hinter dem Militär und Gülen. Was dann? Bürgerkrieg? Riesige Aufstände? Ich will's mir gar nicht vorstellen...

Wenn das jetzt auch gemein klingt, wir müssten uns ein bisschen angewöhnen, dass nicht jedes Land oder Nation nach unseren demokratischen Maßstäben ticken will.
 
Eben, wir müssen auch einfach akzeptieren, dass ein großer Teil der Bevölkerung ihn nunmal einfach gut findet.
Auch ein beachtlicher Teil der Russen findet Putins Politik gut.

Für uns ist das alles unverständlich, wir sind eine andere Politik gewohnt, eine ganz andere demokratische Festigung, auch durch unsere Integration in die EU und unsere friedlichen, demokratischen Nachbarstaaten.

Deswegen finde ich es einfach schwer, Erdogan (oder Putin oder sonstige semi-autoritäre bis autoritäre Herrschaftssysteme) durch jedwede Mittel loshaben zu wollen.

Stellen wir uns einfach mal vor, ein Teil des Militärs (und evtl. die Grauen Wölfe oder Gülen) hätte es wirklich geschafft zu putschen.
Was dann? International bzw. völkerrechtlich anerkannt wäre das sowieso nicht.
Ich bin mir auch mehr als sicher, dass ein größerer Teil der Türken hinter Erdogan bzw. der AKP steht, als hinter dem Militär und Gülen. Was dann? Bürgerkrieg? Riesige Aufstände? Ich will's mir gar nicht vorstellen...

Wenn das jetzt auch gemein klingt, wir müssten uns ein bisschen angewöhnen, dass nicht jedes Land oder Nation nach unseren demokratischen Maßstäben ticken will.


Ich bin grundsätzlich bei dir. Ich möchte nur auch einmal an den Minderheitenschutz erinnern. Die Kurden in der Türkei, Homosexuelle und andere in Russland. Die haben natürlich nichts davon, dass eine Mehrheit im Land die Politik gegen sie unterstützt.
 
Ich bin grundsätzlich bei dir. Ich möchte nur auch einmal an den Minderheitenschutz erinnern. Die Kurden in der Türkei, Homosexuelle und andere in Russland. Die haben natürlich nichts davon, dass eine Mehrheit im Land die Politik gegen sie unterstützt.
Absolut, da bin ich ja auch voll bei dir.

Nur leider ist in einem (semi-)autoritäres System kein Minderheitenschutz vorgesehen.
Aber auch da, lass eine Umfrage machen, ob die Russen Schutz für Homosexuelle befürworten bzw. die Türken eine komplette Gleichstellung der Kurden (wobei Erdogan in die Richtung ja schon viel getan hat). Da würden die Ergebnisse wohl relativ eindeutig ausfallen. Also warum als Präsident dagegen regieren?
Solche Politiker haben oftmals weniger eigene Pläne, sondern richten sich einzig und allein danach, was (vermeintlich) vom Volk gewünscht wird.

Ohne der CSU autoritäre Züge unterstellen zu wollen (obwohl... :lol:), dieses System funktioniert in Bayern seit ewigen Zeiten perfekt.
 
Man muss ja garnicht in den Osten zu Putin schauen - wieviele in Europa fanden Bush gut oder können jetzt die Begeisterung für Trump verstehen.

Das dürften echt nicht viele hier sein...

@CandleWaltz

"Wir" akzeptieren das ja auch und mischen uns nur sporadisch ein, und dann auch nur mit einem angedeuteten, erhobenen Zeigefinger.

Deswegen muss sowas ja von innen kommen. Und das wird kommen, da bin ich mir sicher. Aber halt noch nicht. Die Frage ist nur, wie es dann abläuft.
 
@CandleWaltz

"Wir" akzeptieren das ja auch und mischen uns nur sporadisch ein, und dann auch nur mit einem angedeuteten, erhobenen Zeigefinger.

Deswegen muss sowas ja von innen kommen. Und das wird kommen, da bin ich mir sicher. Aber halt noch nicht. Die Frage ist nur, wie es dann abläuft.
Das denke ich auch.

Wie die weiteren Entwicklungen sind, kann man nie vorhersagen. Vor fünf oder zehn Jahren war man sich auch einig, dass Erdogan mit das beste ist, was der Türkei passieren konnte.
Erdogan fühlt sich im Moment einfach gezwungen, so seine Macht halten zu können. Wollen tut er das bestimmt nicht.
 
Ich mag ja Hitler-Vergleiche überhaupt nicht, aber hier ist die Analogie durchaus angebracht, wenn man die Rechtfertigbarkeit eines Putsches bewerten will.

Hitler war ebenfalls ein demokratisch legitimiertes Staatsoberhaupt. Man hat auch hier eine gute Zeit vorher sehen (oder zumindest befürchten) können, wohin die Reise geht oder gehen könnte.
Und es dürfte wohl niemand widersprechen, dass die Welt bei weitem besser dran gewesen wäre, wenn er vor seiner absoluten Machtergreifung gestoppt worden wäre, zur Not mit Hilfe von Gewalt und des Militärs.

Natürlich muss es in der Türkei nicht genauso laufen und nicht die NS-Dimensionen eines Unrechtsstaates erreichen, aber das Potenzial zu einer Autokratie, die in eine Diktatur mündet, in der Menschenrechte nicht mehr viel wert sind, sehe ich durchaus.
Der gescheiterte Putsch könnte die Sache leider nur noch beschleunigen. Denn erstens wird sich Erdogan in seiner Richtung bestärkt fühlen, zweitens wird er Mittel und Wege suchen, eine Wiederholung eines Aufstands verhindern zu können. Und da wird der Gedanke an noch mehr Machtzentralisierung nicht abwegig sein.
 
Ich finde den Hitler-Vergleich hier nicht sehr angebracht.

Hitlers Ziel war es von Anfang an die Juden auszulöschen, Europa zu unterjochen, eine Herrenrasse aufblühen zu lassen und am Ende die Welt zu beherrschen.

Erdogan unterstelle ich einfach mal, dass er sowas nicht vor hat.
Er will sein Projekt, die Türkei auf ein neues Level zu heben und in der "ersten Welt" zu etablieren eben nicht scheitern sehen.
 
Natürlich.
Aber es geht um das Prinzip, einen potenziell für das Land und die Leute gefährlichen Menschen an der Macht zur Not präventiv durch Gewalt zu entmachten, bevor er Maßnahmen in die Wege leitet, die seine Macht über die demokratische Legitimation hinaus zu zementieren. Durch Maßnahmen, die das eigene Volk (oder ein Teil davon) ergreift.
Dazu ist es imo nicht nötig, dass er diese beispiellose Schrecklichkeit eines Hitler und seines Masterplans verfolgt.

Es geht ja auch nicht darum, dass Erdogan=Hitler ist. Das würde wohl niemand behaupten, der bei Verstand ist.
 
Natürlich.
Aber es geht um das Prinzip, einen potenziell für das Land und die Leute gefährlichen Menschen an der Macht zur Not präventiv durch Gewalt zu entmachten, bevor er Maßnahmen in die Wege leitet, die seine Macht über die demokratische Legitimation hinaus zu zementieren. Durch Maßnahmen, die das eigene Volk (oder ein Teil davon) ergreift.
Dazu ist es imo nicht nötig, dass er diese beispiellose Schrecklichkeit eines Hitler und seines Masterplans verfolgt.

Es geht ja auch nicht darum, dass Erdogan=Hitler ist. Das würde wohl niemand behaupten, der bei Verstand ist.
Und da wären wir wieder bei der Sichtweise.
Erstens finde ich nicht, dass mein einen potenziell gefährlichen Politiker entmachten muss.
Wir sehen Erdogan als gefährlich, oder Putin. Was ist dann aber mit richtigen autoritären oder gar totalitären Herrschaftssystemen?
Im Moment findet ja auch ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung Merkel gefährlich.
Also, in meinen Augen immer eine Sichtweise.

Die Mehrheit der Türken findet einen Erdogan eben nicht gefährlich, sondern unterstützt (in Teilen) sogar seine jetzige Politik. Mit welcher Legitimierung soll oder kann man ihn als entmachten?

Das funktioniert nur, wenn im Volk ein Umdenkprozess stattfindet. Das wird meines Erachtens nach nicht allzu schnell passieren, da aktuell viele Türken ihr Land und ihre Politik "so" haben wollen.
Finden wir nicht verständlich logischerweise, allerdings findet der durchschnittliche AKP-Wähler unsere Politik bzw. unsere Denkweise auch nicht verständlich.
 
Deswegen muss sowas ja von innen kommen. Und das wird kommen, da bin ich mir sicher. Aber halt noch nicht. Die Frage ist nur, wie es dann abläuft.

Das glaube ich nicht mal. Die Mehrheit der Türken ist ja mittlerweile islamisch konservativ. Wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass sie durch ihre repressive Regierungsführung einen Großteil der Akademiker und Innovationstechnologien ins Ausland verlieren und wenn ihre Wirtschaft dann abstürzt, werden sie sich sogar noch mehr hinter Erdogan versammeln, der ja grundsätzlich immer sofort Schuldige ausgemacht hat :D. Ihre wichtige Tourismusbranche wird jetzt ja eh endgültig auf Jahre hinüber sein.
 
Interessant bei FB zu lesen, dass manche Erdogan-Befürworter mit den gleichen Argumenten kommen wie unsere AfD-Spinner :D

Stabilität hätte es so nicht gegeben oder gar demokratischere Strukturen hätte es so garantiert nicht gegeben.

Wobei man argumentieren könnte, dass Militärregime am ehesten in Demokratien übergehen, wenn auch nur knapp vor Anarchie. Inwieweit die Stabilität in einer solchen Demokratie gegeben wäre, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Erdogan sollte zwar imo weg, aber nicht mit solchen Mitteln. Wobei der Putschversuch Erdogan natürlich in seiner Position bestärken kann. Bin froh, dass ich das nur aus der Ferne mitverfolge.
 
Wobei man argumentieren könnte, dass Militärregime am ehesten in Demokratien übergehen, wenn auch nur knapp vor Anarchie. Inwieweit die Stabilität in einer solchen Demokratie gegeben wäre, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Erdogan sollte zwar imo weg, aber nicht mit solchen Mitteln. Wobei der Putschversuch Erdogan natürlich in seiner Position bestärken kann. Bin froh, dass ich das nur aus der Ferne mitverfolge.
Da hast du recht, allerdings kann ich auch dagegenhalten, dass es keinen (Militär-)Putsch braucht, um zu einer funktionierenden Demokratie zu gelangen.

Gerade die Türkei hatte seit den 60er Jahren in jedem Jahrzehnt mit Putschen zu kämpfen, deswegen würde ich das hier nochmal anders bewerten.
Allerdings kenne ich mich dafür viel zu wenig aus, um mir da Standpunkte oder Thesen eigen zu machen.

Im Moment scheint ja die politische Türkei und auch ein Großteil der Bevölkerung sich klar gegen den Putsch zu positionieren und eine Einheit darzustellen.

Jetzt wird es spannend zu sehen, wie Erdogan mit dieser Situation umgeht. Kann mir im Moment beide Szenarien vorstellen, also dass er verstärkt gegen regierungskritische Stimmen vorgeht oder aber dass er sich doch etwas besinnt und "nachgibt".
Die ersten Anzeichen werden wohl seine Äußerungen in den nächsten Tagen geben.
 
Erdogan und nachgeben? :ugly:

Nein, das glaube ich nicht. "Regierungskritische Stimmen" werden es künftig sicher nicht einfacher haben, Meinungs- und Pressefreiheit werden sicher nicht verbessert. Und wenn er schon davon spricht, das Militär nun zu "säubern", kann man sich vorstellen, was er damit meint.

Aber gut, es ist ihr Schicksal, nicht unseres. Bei Erdogan bin ich nur auch dafür, dass die EU endlich mal Kante zeigt. Aber auch da wird es so schnell nicht zu kommen. :(
 
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