The Revenant
Ach, wie habe ich mich auf diesen Film gefreut. Ich bin ein Freund authentischer, martialischer Gewalt und starker Rivalitäten. DiCaprio habe ich nach seinen überzogenen Rollen schon sehr vermisst und hier kehrt er wieder zu einer interessanten Darstellung zurück und Tom Hardy konnte mich zuletzt auch sehr überzeugen. Ich habe viel von dem Film erwartet!
Und die ersten Minuten waren verheißungsvoll. Auf der einen Seite der moralische Kämpfer mit indianischer Seele und auf der anderen der einfache Mann, dem das alles zu kompliziert wird, der das Geld nur zum Zurückkehren in sein warmes Texas braucht. Der anbahnende Konflikt. Das ist einfach guter Stoff und die Bilder, die dazu geliefert wurden, sind traumhaft. Imposante Naturaufnahmen einer wilden Welt. Das hatte mich.
Und dann? Dann gar nichts. DiCaprio versucht halt 120 Minuten zu überleben, Hardy lügt sich stumpf zu seinem Geld und irgendein Häuptling sucht seine Tochter. Äh ja. Das war langweilig. Es gibt keine tragende Handlung, es wird keine Rivalität erzeugt und die Charaktere sind trotz ihres Potenzials platt. Die sehr seltenen vermeintlich starken Worte funktionieren nicht. Echt schade. Das geht besser.
Was bleibt? Der Film hat eine sehr authentische Ausstrahlung. Das hat mir sehr gefallen. Er bleibt relativ nahe am Boden und fühlt sich so herrlich echt an. Und es ist sicherlich ein Anspruch, den man sich erst einmal zutrauen muss, in dieser Atmosphäre einen guten (/packenden) Film zu schaffen. Es gelingt aber nicht durch ewige Naturaufnahmen und Close-Ups. Und diese Bodenständigkeit ist auch eine Chance für einen tiefgreifenden Film, die nicht genutzt wird. Denn wenn der Film Spannung erzeugen will, bedient er sich wieder einfacheren Mitteln und schöpft nicht aus der Authentizität.
Ein schlechter Film? Nein, um Gottes Willen. Ein guter Film? Definitiv, in Teilen (Bilder, Darstellung) souverän. Aber? Aber in anderen Teilen (Handlung, Charaktere, Dramaturgie) halt nicht so gut. 7/10