Life is Strange gehört mit Walking Dead: Season 1 & Tales from the Borderlands zu der Speerspitze des Genres das auf dieser Threadseite omnipräsent erscheint. Der französische Entwickler DONTNOD versucht mit seinem Debüt gar nicht erst den übrigen gebliebenen Telltaleknochen weiter abzufieseln sondern tritt sofort mit Sturm & Drang die Vordertür ein mit einer für diese Art Software maßgeschneiderten Coming of Age Handlung. Der interaktive Gameplay Anteil ist hier um ein vielfaches höher als beim renommierten großen Bruder. Es gibt nicht einen Quicktime Moment. Stattdessen gestattet das Spiel alle Zeit der Welt um die detaillierte Umgebung zu erkunden. Ich nahm nahezu alles mit was es zu Entdecken gab und kam auf satte 22 Stunden Spielzeit. Und vor allem, LiS macht von Anfang an klar das Entscheidungen hier wirklich etwas bedeuten.
Von Beginn an schlüpft der Spieler in die Schuhe von Max Caulfield, einer 18jährigen High School Studentin mit einer leidenschaftlichen Hingabe zur Photographie die im späteren Verlauf die Fähigkeit erlangt die Zeit zu manipulieren. So banal das auch klingen mag, so brillant wird die Thematik auch verwendet. In seinen besten Rewind Momenten liefert LiS ein Best Of Feuerwerk aus Back to the Future oder Groundhog Day. Die Spielwiese hingegen findet sich zwischen Juno & Donnie Darko wieder. Die Präsentation zementiert narrensicher die Suburbs Atmosphäre durch seine lebendigen Charaktere, die stimmungsvolle Aquarellfarbpalette & einem Indie Folk Soundtrack der diese Welt nicht besser unterstreichen könnte. Sämtliche Charakterisierungen basieren auf High School Archetypen des 21. Jahrhunderts die ihre Überzeichnungen gut durch charmante popkulturelle Querverweise zu kaschieren wissen. Trotz der bedienten Stereotypen ist nahezu jeder Akteur charismatisch und hinterlässt Eindruck. Die Synchronsprecher machten ihre Arbeit ebenfalls klasse. Leider können weder die Lippensyncro noch die Mimik das hohe Level halten. Die Technik wirkt allgemein etwas antiquiert.
Life is Strange ist dennoch eine der Blaupausen eines noch jungen Sub Genres das sich bereits jetzt ausgelatscht anfühlt. Eine unaufgeregte und dennoch spannende Story mit einigen denkwürdigen Twists, gelungenen Spieldesign & eine rundum gesunde Balance sorgen dafür. Für mich der Überraschungshit des Jahres. 95/100.