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Da bin ich jetzt in einer Zwickmühle. Soll ich mich nun kundtun, oder mich noch wichtiger machen? Was ich mache, dürfte falsch sein. :D
Eigentlich hatte ich an die einfachen Leute, die da auf die Straße gegangen sind, gar nicht gedacht, als ich das geschrieben habe. Aber wenn ich länger darüber nachdenke ... ich zumindest würde mich wie ein Heuchler fühlen, wenn ich plötzlich Je suis Charlie sagen würde. Ich könnte höchstens sagen, ich möchte vielleicht gerne so sein. Im Nachhinein so zu tun, als hätte dieser Anschlag mit gegolten? Ich wüsste nicht, womit ich das rechtfertigen könnte. Wenn die Leute nun sagen würden, das macht mich sehr nachdenklich, ich sollte etwas ändern, okay, aber ich sehe eigentlich nur Leute, die schon sind! Da steckt mir zu viel Selbstverständnis drin. Und das auch bei den einfachen Leuten, nicht nur bei den Politikern und der Presse.

Ich finde halt Heuchelei ein sehr hartes Wort in dem Zusammenhang. Wenn Menschen anfangen aufgrund der medialen Dauerschleife Post Its an den Apple Store wegen Steve Jobs oder Blumen zum Palast wegen Lady Di zu bringen, dann könnte ich den Begriff in dem Zusammenhang schon eher nachvollziehen, weil da nun wirklich wildfremde an Aktionen teilnehmen die durchs TV in Gang gebracht wurden. Das Je suis Charlie ist dann gewissermaßen das Pariser Gegenstück zu diesen Massentrauer-Ritualen, aber für meine Empfindung eben auch bei weitem nicht so banal wie die Mystifizierung von Jobs oder Lady Di.

Charlie Hebdo, normalerweise verkaufen sich da 30.000 Heftchen, die morgige Ausgabe hat 3 Millionen. Also laienhaft überschlagen 99% der poentiellen Käufer des morgigen Heftes haben idR sonst auch nichts mit dem Satireblatt zu tun. Das ist sicher ein Aspekt dass das Thema jetzt so hochgekocht ist, aber halt eben auch diese Symbolik dahinter wie eben bei den Märschen: für die Menschen ihre Form ein Zeichen zu setzen dass sie sich nicht von Terroristen einschüchtern lassen werden. Vielleicht galt der Angriff nicht den Menschen auf der Straße direkt, aber es galt ja dem gesamten Wertesystem in dem wir leben bzw. leben möchten.

Ich fand es ein schönes Zeichen, vor allem in dieser Masse. Aber das wird sich bestimmt wieder legen, auch Charlie Hebods Auflage wird bald wieder fünfstellig sein.
 
Ich kann das eher bei Steve Jobs nachvollziehen. Der hatte ja sogar für mich ne richtige Bedeutung. Dem Typen hab ich seine Produkte abgekauft. Von dem hatte ich ne gewisse Vorstellung.
 
Klar hatte der eine Bedeutung. Aber wenn wir ehrlich sind nicht so eine, dass man heulend vor dem App-Store eine Kerze im iPad flackern lassen musste. Dass es nebem dem Steve Jobs der uns iPod, iPhone, iPad & Co gebracht hat auch einen gab der seine Mitmenschen und Mitarbeiter wie Dreck behandelte wurde dann schnell vergessen bzw. passte eben nicht in die Vorstellung damals nach seinem Tod.

*geschrieben auf einem Apple-Gerät. :D
 
Apropos Täuschung:

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:ugly:
 
@Tom-Tek, @Fanatic, @tim_buktu

kommt in Bezug darauf noch was? Würde mich ja interessieren. Oder war das nur so ein auf den Schlips getreten-Fühlen?




Zum Thema nochmal:

zwei imo lesenswerte Interviews:

#1

Die zweite Ursache der Islamophobie ist, dass seit den Anschlägen vom 11. September der Islam als eine gewalttätige Religion auffällt. Menschen muslimischen Glaubens morden im Namen Gottes, im Namen des Propheten, im Namen des Korans. An diesem negativen Bild des Islam sind diese Gewalttäter und Möchtegernmuslime Schuld. Angst vor Terror im Namen des Islam ist also berechtigt.

Eine Regel, die in der Zeit des Propheten gerecht war, kann in einem anderen gesellschaftlichen Kontext umschlagen in Ungerechtigkeit.

heißt für michja eigentlich übersetzt: antiquiert, überholt, niemand braucht so einen Quatsch....moderne gesellschaftliche Werte ftw (aber soll halt jeder machen was er mag)

Dieselbe Krise des islamischen Wissens haben wir nun auch in Europa, wo es bisher keine Infrastruktur islamischen Lernens gibt. Auch hier dominiert die schlimmste Sorte von Laien, Leute wie Pierre Vogel, Sven Lau oder Abou-Nagie für zu viele Muslime, was Islam ist.

Wenn wir alle Verantwortung für diese Religionsgemeinschaft übernehmen, auch für die Gräuel, die im Namen dieser Religion getan werden, auch für das Blut, dass an dieser Religion klebt, dann kann diese zu sich selbst kommen und emanzipiert mit der heutigen Welt, den Nationen, Religionen und Weltanschauungen in Dialog treten.

wird Gerri freuen ;)

Und auch die Politik wird notgedrungen eine Sicherheitspolitik auffahren müssen, die die hiesigen Muslime zuerst einmal als Risiko wahrnimmt.

Das ist es. Ja, man kann und muss Bedrohung durch diese Spinner ernst nehmen und das geht ohne dass man "alle [dieser Religion] über einen Kamm schert", ohne islamophob oder xenophob zu sein. Und man muss auch erkennen, dass deren Glaube dabei mitursächlich ist, ohne damit zu sagen, dass die Religion an sich zwingend gefährlich ist.

ganzes Interview: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/islam-reform-dialog


#2

Man kann über alles Witze machen, über Nazis, den Papst, über Heilsideologien und Religionen, nur beim Islam hört es auf. Aber das muss doch jedem schon vor dem Anschlag klar gewesen sein.

Der Andersdenkende wird heute meist nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Etikettierungen außer Gefecht gesetzt, dann ist man wahlweise islamophob, neoliberal, rechts oder sonst was. Da ist es dann auch egal, ob das, was man gesagt hat, richtig ist oder nicht.

Da gilt es imo wirklich aufzupassen. Genauso wie hier, wenn auch hart ausgedrückt:

Wahrscheinlich ist man in drei Wochen schon wieder islamophob, wenn man die Freiheit für bedroht hält.


ganzes Interview: http://www.faz.net/aktuell/feuillet...ber-charlie-ebdo-und-islamismus-13364382.html



Da geht es auch darum, dass man, wie in dem Beitrag der FAZ, den Kingpin gepostet hatte, die Augen vor unangenehmer Realität nicht verschließen sollte.

Manchmal kommt es vor, als wollten manche eher ihre Weltoffenheit darstellen als wirklich das Thema an den Problemzonen anzupacken. Als Beispiel muss ich da an Dows Beitrag denken:

Falls du mich meinst: die ganze Debatte ist ein einziger Fehlschluss in der Übertragung von Einigen auf andere, wie du vielleicht bemerkt hast.

Denn alleine schon der Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und der Diskussion über Religion ist ein Fehlschluss.

Klingt toll und offen und freiheitlich und das Verfehlen ist dann einfach als individuell anzusehen, aber wenn man wissen will, woran man arbeiten sollte und wo die Gefahren liegen, hilft einem sowas doch nicht weiter.
 
@dweezzu Also von mir nicht. Das ist ein Thema, bei dem ich so schnell auf 180 bin und das tut mir nicht gut. ;)

...und ich habe auch ehrlich gesagt keine Lust mich für meine Religion oder Hautfarbe zu rechtfertigen.

Ich wäre euch nur dankbar, wenn ihr nicht so tut, als ob ihr euch eine Evolutionsstufe über Christen/Muslimen/Juden befindet.
Das geht speziell an dich @Cannibalpinhead.
 
seh ich halt anders und ich werde weiterhin leute als rechts ansehen, die pauschal gegen fremde sind und generalisieren. muss man halt auch mit leben können, genauso wie ich damit leben kann, dass leute religion und sonstiges nicht mögen, hassen oder sonst was. die welt hat größere probleme als terroristen, die grade wieder rumstänkern. hauptsache aber wir diskutieren 40 seiten über eine religion des terrors.
 
Och... ist doch gleich: Ich fühle mich überlegen weil ich ohne Religion lebe und die Religiösen fühlen sich überlegen weil sie eben mit Religion leben. Von daher ist das doch kein Problem...
 
seh ich halt anders und ich werde weiterhin leute als rechts ansehen, die pauschal gegen fremde sind und generalisieren. muss man halt auch mit leben können, genauso wie ich damit leben kann, dass leute religion und sonstiges nicht mögen, hassen oder sonst was. die welt hat größere probleme als terroristen, die grade wieder rumstänkern. hauptsache aber wir diskutieren 40 seiten über eine religion des terrors.

"seh ich halt anders" verstehe ich nicht ganz und der zweite Teilsatz ist natürlich klar

Bin ich rechts in deinen Augen?


@dweezzu Also von mir nicht. Das ist ein Thema, bei dem ich so schnell auf 180 bin und das tut mir nicht gut. ;)

...und ich habe auch ehrlich gesagt keine Lust mich für meine Religion oder Hautfarbe zu rechtfertigen.

hab ich doch auch gar nicht verlangt....ich hatte nur die Vermutung, dass ein wenig Substanz dahinterstecken würde, wenn man jemandem die Intelligenz absprechen möchte. War halt neugierig, aber wenn da nix mehr kommt, kann ich das ja einordnen.
 
hab ich doch auch gar nicht verlangt....ich hatte nur die Vermutung, dass ein wenig Substanz dahinterstecken würde, wenn man jemandem die Intelligenz absprechen möchte. War halt neugierig, aber wenn da nix mehr kommt, kann ich das ja einordnen.

Zeig mal bitte wo / wann ICH jemandem die Intelligenz abgesprochen habe?

Den provokanten letzten Satz kannst du dir sparen. Nicht jeder hat Lust andere 24/7 mit Textwalls in einem Forum zu bombardieren.
 
Etwas anderes: Was mir am Tag des Unglücks etwas negativ auffiel, ist die ungleiche Berichtersattung. Zu Charlie kam abends in einer Newsendung ein ca. 5 Minuten Bericht. Direkt danach wurde in 2 Sätzen die Meldung verlesen, dass in Afrika von der Terrorgruppe wieder 2 Dörfer abgeschlachtet wurden.
 
Ich sehe es ja gerade nicht eindimensional, mMn

Die Untaten haben zahlreiche Faktoren, von denen ich mehrere genannt habe.

Was ich aber vor allen Dingen ausdrücken wollte, war, dass ich bei anderen satt bin zu sehen und selbst nicht bereit dazu bin, das Thema Religion/Glaube in solchen Fällen ignorant (aber schön tolerant und offen) absichtlich auszuklammern.
 
Etwas anderes: Was mir am Tag des Unglücks etwas negativ auffiel, ist die ungleiche Berichtersattung. Zu Charlie kam abends in einer Newsendung ein ca. 5 Minuten Bericht. Direkt danach wurde in 2 Sätzen die Meldung verlesen, dass in Afrika von der Terrorgruppe wieder 2 Dörfer abgeschlachtet wurden.

Ganz einfach, weil die Gefahr in Afrika zu weit weg ist. Wenn Leid und Schrecken "direkt vor der Haustür" stattfinden ist die Anteilnahme immer größer. So läuft das nun mal leider.
Es interessiert ja auch keinen wenn in Afrika jeden Tag Unmengen an Kindern verhungern. Aber wenn im Nachbarort irgend so`ne assoziale Hartz IV Mutti ihr Kind dahin siechen lässt, ist die Empörung groß. Für 2-3 Tage zumindest, danach juckt das auch keinen mehr.
 
Stimm ich dir zu. War ja schon immer so. Aber anders betrachtet ist es einfach krank. Will keinesfalls was schönreden, aber allein die Anzahl der Opfer ist in Afrika viel viel höher, die noch brutaler getötet werden und es geht einfach immer so weiter. Und hier fliegen gleich die Staatsoberhäupter zur Demo ein. Finde es einfach beschämend wie das Gefühl vermittelt wird, dass Menschen woanders auf der Welt scheinbar weniger wert sind.
 
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