Gab's gerade auch bei mir:
Godzilla (2014)
Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, hier mal wieder als Lanzenbrecher aufzutreten. So schlecht, wie er erstaunlich häufig gemacht wurde, kann der neue
Godzilla schließlich nicht sein. Naja, schlecht ist er nun nicht wirklich, aber eben auch weit entfernt von einem erinnerungswürdigen Monsterfilm.
Zuerst aber das Gute: Gareth Edwards ist ein gnadenlos guter postapokalyptischer Stimmungsmacher. Was er bereits in seinem kostengünstigen Indie-Werk
Monsters beweisen durfte, treibt er nun mit 180 Millionen Scheinen in der Tasche auf die Spitze.
Godzilla sieht verdammt gut aus, erzeugt eine fesselnde Atmosphäre und überzeugt mit einem sehr langsamen, dafür aber um so effektiveren Spannungsaufbau. Gerade deswegen, weil er dem Zuschauer Zeit zum absorbieren der zerstörerischen Bilder gibt und die Urgewalt von Godzilla immer nur andeutet, hat mir die erste Filmstunde mit am besten gefallen.
Dann kam jedoch das böse, naja, sagen wir mal nicht ganz so negativ "unaufregende Erwachen". In der zweiten Hälfte baut der Film mit jeder Minute ab. Ich habe wie gesagt nichts gegen eine ruhige Erzählweise, aber wenn man sich einen Film ansieht, der
Godzilla heißt und man die japanischen
Godzillas, sowie ähnlich gelagerte Produktionen kennt, dann erwartet man auch ein wenig Godzilla. Nun schaue ich mal auf meine Timeline: bevor wir überhaupt ein erstes greifbares Lebenszeichen der Urzeitechse erhalten, vergehen stolze 55 Minuten! 30 weitere verlaufen im filmischen Sand, bis sich das Riesenvieh dann endlich in seiner vollen Pracht - die zweifelsohne prachtvoll ist - vor der Kamera blicken lässt, nur um gleich wieder abzutauchen und erst 15 Minuten vor Schluss wieder die Szenerie zu betreten. Problem dabei ist dann jedoch, dass es stockfinster ist und man, ausgenommen von seinem hübschen atomaren Atem, eigentlich immer noch nichts von Godzilla sieht. Mhm. Ganz ehrlich, da wurde ich mit jeder vergehenden Minute, in der man noch immer nichts vernünftiges von Sexyechsy erblicken konnte, stinkiger. So stimmungsvoll die fast schon dokumentarischen Aufnahmen auch wirken und so viel Mühe sich die Darsteller auch geben: Wo Godzilla drauf steht, sollte bitte auch Godzilla drin sein.
Dazu kommt noch das Problem der belanglos-dämlichen Handlung, gegen die ich nicht mal etwas hätte, wenn sie denn wenigstens unterhalten und die Geschehnisse halbwegs plausibel darstellen könnte. Beides ist hier nur bedingt der Fall. Auch wieder typisch, dass der (menschliche) Retter der Menschheit natürlich ein Vollblut-US Sprengstoffexperte ist, damit jedes Klischee erfüllt und austauschbarer nicht sein könnte. Wie eigentlich jeder Darsteller bzw. Charakter. Und was sollte bitte dieser lächerliche Auftritt von Bryan Cranston? Sein Name war wohl auch mehr Marketinggag als ernstzunehmende Ensemble-Bereicherung. Und ich dachte schon, weniger Screentime als Godzilla geht nicht.
Zusammenfassend: Erste Stunde: Top. Fantastisch bebildert, mit einem Gespür für Spannung und verheißungsvollen Godzilla-Andeutungen. Zweite Stunde: Verarsche. Keinerlei Charakterentwicklung, lahmender Handlungsverlauf, Klischees über Klischees, Logiklöcher so groß wie der Echse ihre Monsterfüße und ein Witz von Godzilla. Der trottet da zwei Minuten gemütlich durchs schattige Bild, furzt mal flott so 'ne Riesenfledermaus um, bevor er sich brav verabschiedet und wieder ins Meer verschwindet.
Während ich die negativen Kritiken in den ersten Momenten so gar nicht nachvollziehen konnte, wurde ich im weiteren Filmverlauf dann leider eines besseren belehrt. Wie eingangs bereits erwähnt,
Godzilla ist weit weg von filmischem Mist, dafür ist er einfach zu routiniert umgesetzt und der erste Akt zu gut, enttäuscht in Bezug auf die namensgebende Echse und Erzählung aber fast komplett. Nicht schlecht, mit ein wenig Abstand vielleicht sogar "ganz nett", aber gemessen an meinen Erwartungen enttäuschend.
6/10 EMPs