Der folgende Text beinhaltet dezente Spoiler aus dem Prolog. Das meiste davon dürfte man eh schon aus Trailern & Co kennen, aber ich weise trotzdem noch mal drauf hin. Nicht, dass ich hier einem etwas vorwegnehme, das er lieber selber gespielt hätte.
Prolog beendet. Genau 50 Minuten habe ich dafür gebraucht und trotzdem erst 82% "entdeckt". Spielzeit scheint bei vorhandenem Erkundungswillen also durchaus gegeben und überaus befriedigend zu sein.
Zum Spiel selber: Fantastisch. Abgedreht ("typisch" japanisch bzw. Swery eben), ein wenig wirr und undurchsichtig, aber gerade deswegen auch unheimlich spannend. Da entfaltet sich gleich eine Sogwirkung wie in einem guten Film oder eher einer guten Serie, denn so ist D4 aufgebaut. Mit Intro, cleverer Story, einem (actionreichen) Höhepunkt, auf den jede (?) Episode hinsteuert und Cliffhangern. Inhaltlich und inszenatorisch schon mal richtig, richtig gut. Einerseits bodenständig und nachvollziehbar (du bist ein Cop aus Bosten, der den Mord an seiner Frau aufklären will), dann aber plötzlich total schräg und überraschend (lustigerweise kannst du durch die Zeit reisen und eine sexy gekleidete Katzenfrauenfreundin hast du auch noch

), mit skurrilen Charakteren und tiefgreifenden, manchmal lustigen und dann wieder rührenden Mono-/Dialogen. Das macht Spaß, ist interessant und motiviert zum Weiterspielen.
Das Gameplay ist zu meiner Überraschung (habe, gerade wegen der Kinect-Möglichkeiten, mit mehr "Action" gerechnet) ein ganz klassisches Adventure, aktuell sicherlich am ehesten mit den Telltale Titeln zu vergleichen. Wobei D4 so viel mehr spielerische Substanz bietet als beispielsweise The Walking Dead. Während man bei den Zombies lediglich eine geradlinige Geschichte nachspielt, sich an bestimmten Punkten entscheiden muss und solide Rätsel löst, gibt's hier das volle Adventureprogramm, zuzüglich Kleidung mit verschiedenen Attributen, einiger interessanter Ermittlungsideen (während der Zwischensequenzen kann man z.B. immer mal wieder Y drücken, um mehr Infos zu erhalten, was nett für das Verstehen der Handlung ist und die Aufmerksamkeit fördert) und einem effektiven "Stamina-System", das an DP erinnert. Wer sich unüberlegt durch die Gegend klickt, kommt nämlich nicht weit, da jede Handlung "Energie" kostet, die erst durch Nahrung (die man findet oder beim Katzenweib kaufen kann) wieder aufgefüllt werden möchte.
Da steckt also deutlich mehr "Spiel" und irgendwie auch mehr "überlegte Liebe zum Detail" dahinter als bei Telltale.
Bin gerade wirklich sehr, sehr angetan und schon jetzt ein wenig traurig, dass nach den drei bzw. zwei Episoden erst mal Schluss ist.
Außergewöhnliches, gut geschriebenes und spielerisch ansprechendes Adventure. Lediglich die, wie KaKun schon schreibt, Controllersteuerung ist arg umständlich. Nichts, was man nicht erlernen könnte, aber zu Beginn echt "sperrig". Mal sehen, ob die anderen Controllerbelegungen es etwas einfacher gestalten. Wobei ich es eigentlich eh mit Kinect spielen möchte. Mal sehen, ob ich das, trotz Dachschrägen-Behinderung und zu kurzem Kinect-Kabel (die Kamera steht bei mir schräg neben dem TV, was die Erkennung schwierig gestaltet), irgendwie hinbekomme.
Und Swery ist einfach ein unheimlich sympathischer Kerl. Sein kleines "Anschreiben" im "Shop" (Y im Hauptmenü drücken) ist so liebenswert. Da macht einer sehr gerne ausgefallene Spiele und freut sich über jeden, der damit Spaß hat. Ich mag ihn einfach.
